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Brandenburg/Havel Trechwitz steigt aus Öl aus
Lokales Brandenburg/Havel Trechwitz steigt aus Öl aus
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00:17 26.10.2013
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Trechwitz

Als Öl noch billig war, stiegen Annemarie und Dietmar Drechsler aus der Braunkohle aus. Aber das ist lange her. Über 20 Jahre ist ihre Heizung jetzt alt. Sorgen um eine teure Neuanschaffung muss sich das Trechwitzer Rentnerpaar nicht mehr machen. Seit gestern werden die Hausbesitzer in der Von-Knobelsdorff-Straße mit Fernwärme versorgt. Wie vier andere Grundstücksbesitzer aus der Nachbarschaft, die ihren Anschluss mit einem Glas Sekt feierten. "Kein Schornsteinfeger mehr, keine Heizungswartung, nie wieder Öl bestellen. Und deutlich billiger wird es auch", freut sich Drechsler.

Das 85 Grad heiße Wasser kommt per Kunstoffleitung aus der in Sichtweite gelegenen Biogasanlage. Dort verwandelt Bauer Timo Wessels Gülle und Mist in Strom, der den Bedarf von 1500 Haushalten deckt. Dabei entsteht jede Menge Abwärme. Diese würde ausreichen, um alle 100 Trechwitzer Häuser mit warmem Wasser für Heizung und Bad zu versorgen. "Heute stoßen wir auf die Erschließung der ersten fünf Häuser an. Aber das ist erst der Anfang. Aus heutiger Sicht wollen bis zu 70 Prozent der Trechwitzer dem Beispiel von Familie Drechsler folgen", sagte Landwirt Wessels der MAZ. Auch Ortsvorsteher Wolfgang Koßmehl will sich vom Öl verabschieden: "Das ist nicht nur gut für den eigenen Geldbeutel. Die Biogasanlage stärkt den regionalen Wirtschaftskreislauf."

Der Verkauf von Fernwärme ist für die Wessels-Gruppe, die in dieser Woche ihren 90. Mitarbeiter einstellte, eine Investition in die Zukunft. Die Erschließung amortisiert sich in zehn bis zwölf Jahren. "Erst wenn der Kredit abgezahlt ist, verdienen wir Geld", so Wessels. 50 Leute arbeiten inzwischen bei der TW Biogas und Service GmbH, einer Ausgründung des eigentlichen Landwirtschaftsunternehmens, bei dem 40 Mitarbeiter in Lohn und Brot stehen. Wessels baut in ganz Deutschland Biogasanlagen. In diesem Jahr wurden die ersten Baustellen in Italien abgeschlossen.

Die Trechwitzer Anschlussnehmer zahlen sechs Cent je Kilowattstunde, Öl liegt derzeit umgerechnet bei etwa zehn Cent. Wer ohnehin über eine Heizungserneuerung nachdenkt, kann mit der Umstellung auf Fernwärme eine Menge Investitionskosten sparen. Als Steuerungseinheit hinter der Schnittstelle mit Wärmetauscher und Messeinrichtung nutzen Drechslers ihren alten Kesselcomputer. Ebenso tut der Pufferspeicher noch seinen Zweck. Auch in Damsdorf und Götz versorgen Wessels Biogasanlagen Wohnhäuser beziehungsweise das Handwerkerzentrum mit Fernwärme.

Von Frank Bürstenbinder

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