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Triebsch bemalte Wände in der DDR

In Brandenburg geboren, aber vergessen Triebsch bemalte Wände in der DDR

Er ist in Brandenburg geboren, doch in der Havelstadt ist sein Name nur wenigen Menschen bekannt: Hans Joachim Triebsch. Der Maler und Grafiker machte nach dem Studium Karriere in Sachsen-Anhalt. Bekannt wurde der Künstler mit großen Wandmalereien.

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„Maskenball 2“ aus dem Zyklus „Der Tod und die Narren“ . Ausgestellt im Museum Schloss Moritzburg Zeitz.

Quelle: privat

Lehnin/Brandenburg. Die MAZ-Artikel vom Braki-Jungen Klaus Mettig haben ein überraschendes Nachspiel. So ist nicht nur aus dem Kindermoden-Model der 1950er-Jahre ein berühmter Mann geworden. Der gebürtige Brandenburger ist längst ein weltbekannter Fotograf. „Es gibt noch einen anderen Künstler, der in der Havelstadt aufwuchs, aber in der Fremde sein Glück machte“, verriet Bertram Sommer aus Lehnin. Der Rentner ist der Onkel von Hans Joachim Triebsch. Ein Maler und Grafiker, der 1988 mit ersten Wandbildern im öffentlichen Raum für Furore sorgte. Sogar die „Junge Welt“ berichtete damals über eine 400 Quadratmeter große Wandmalerei im innerstädtischen Neubaugebiet Domplatz in Halle.

Heute lebt der 1955 in Brandenburg geborene Triebsch in einer ehemaligen Dorfgaststätte in Naundorf, einem Ortsteil der Gemeinde Kabelsketal bei Halle. Seine Heimatstadt hat der freischaffende Künstler nie ganz vergessen. Viele Jahre lebten seine Eltern am Neustädtischen Markt. „2015 war ich das letzte Mal in Brandenburg, um meinen ehemaligen und kranken Mathematik-Lehrer Werner Scheibener zu besuchen“, erinnert sich Triebsch, der 1973 an der Goethe-EOS das Abitur ablegte. Mitte der 1980er-Jahre gab es von ihm eine Ausstellung im Fontaneklub zu sehen. Zu einer Neuauflage, um die Brandenburger mit dem künstlerischen Schaffen von Triebsch bekannt zu machen, kam es bis heute nicht. „Einer Ausstellungsmöglichkeit, zum Beispiel in den Brennaborhöfen, würde ich offen gegenüberstehen“, sagte Triebsch der MAZ.

Hans Joachim Triebsch

Hans Joachim Triebsch

Quelle: Reinhard Hentze

Neben Brandenburg fühlt sich der einstige Schüler von Willi Sitte besonders Lehnin verbunden. Ein freundschaftliches Verhältnis pflegte er zur Familie Sommer. „Als Kind war ich gern bei Onkel Bertram und Tante Hildegard. Unvergessen sind mir die Badeausflüge zum Mühlenteich und eine gemeinsame Pferdeschlittenfahrt mit Pater Engler geblieben“, berichtet Triebsch. Mit seinem Onkel telefoniert er noch regelmäßig. Einige seiner Bilder hängen im Haus von Bertram Sommer. Der 83-Jährige ist stolz ein Selbstporträt seines Neffen zeigen zu können. Andere Werke schmücken die benachbarte Naturheilpraxis von Tochter Martina Eichel.

Aktuell zu sehen sind Bilder von Hans Joachim Triebsch im Museum von Schloss Moritzburg Zeitz. Dort geben der Burgenlandkreis und der Saalekreis alle drei Jahre den wichtigsten Künstlern aus dem Süden Sachsen-Anhalts Gelegenheit zu einer Gemeinschaftsausstellung. Für Triebsch ein Heimspiel. Nicht nur was den Wohnort in der Region anbelangt. Sein künstlerischer Werdegang begann mit dem Studium an der Burg Giebichenstein. An der Kunsthochschule Halle erwarb er sein Diplom als Maler und Grafiker. Triebsch kehrte nicht ins Havelland zurück, fand seinen Lebensmittelpunkt in Sachsen-Anhalt.

Bertram Sommer aus Lehnin mit einem Selbstportrait seines Neffen

Bertram Sommer aus Lehnin mit einem Selbstportrait seines Neffen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Vor allem in Halle hat der Künstler seine Handschrift hinterlassen. „Wo die Bildsprache der alten Stadtstruktur durch Wohnungsgehäuse ersetzt wird“, wie Triebsch bereits 1988 den oft monotonen DDR-Wohnungsbau beschrieb. Sein gemalter postmoderner Neubau auf einem Giebel in der Großen Klausstraße opponierte gegen das extreme Neue. Das Wandbild gibt den Blick auf eine Seitengasse frei, die real nicht existiert. Eine künstlerische Meisterleistung und für die damalige Zeit ein großes Wagnis. Triebsch gestaltete das Neue Theater in Halle, malte ein Bordell in Leipzig aus. Bäcker- und Fleischerläden in Halle, Leipzig und Merseburg verpasste der Künstler illusionistische Ausblicke in freie Landschaften und imaginäre Räume.

Die Liste seiner Ausstellungsbeteiligungen ist lang. Zahlreiche Arbeiten befinden sich in öffentlichem oder privatem Besitz. Auch als Grafiker hat er sich einen Namen gemacht. Seine kolorierten Gespenster und Spukgestalten schmücken ein großes Sagenbuch des Saalekreises. In Brandenburg dagegen ist der Name Hans Joachim Triebsch wohl nur Kennern der Kunstszene bekannt. Das muss nicht so bleiben.

Von Frank Bürstenbinder

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