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Trinkwasser: Keime verstecken sich im Netz

Brandenburg an der Havel Trinkwasser: Keime verstecken sich im Netz

Beim Wasserversorger in Brandenburg an der Havel herrscht Ratlosigkeit – mal sind Umweltkeime fast gar nicht nachweisbar, mal springen sie über den Grenzwert. Fieberhaft wird nach den Ursachen gesucht, gleichzeitig sind nun zwei Labors mit den Proben beauftragt, um Fehlerquellen auszuschließen. Das dauert, deshalb treffen Krankenhäuser nun Vorkehrungen.

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Keine Gefahr für Menschen mit stabilem Immunsystem ist derzeit das Trinkwasser des örtlichen Versorgers Brawag.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg an der Havel. Die Keime im Trinkwasser sind unberechenbar und stellen selbst den Versorger Brawag vor ein großes Rätsel. „Das Bild ist absolut uneinheitlich, es schwankt, unerklärbarerweise geht die Keimzahl mal gegen Null, mal liegt sie knapp über dem Grenzwert“, sagt Brawag-Geschäftsführer Uwe Müller. In engen Abstimmungen mit dem Gesundheitsamt gebe es allerdings noch keine Auflagen, er selbst trinke das Wasser täglich ohne Sorge.

Vor zehn Tagen hatte das Unternehmen öffentlich gemacht, dass sich im Trinkwasser mikrobielle Keime befinden. „Es handelt sich bei der Überschreitung um den in der Trinkwasserverordnung zur regelmäßigen Untersuchung festgelegten Wert ,Koloniezahl bei 22 Grad Celsius’. Mit diesem werden in der Umwelt vorkommende Keime erfasst, wie sie auch auf unverpackten Lebensmitteln, Geldscheinen oder Türgriffen zu finden sind. Diesen Keimen sind wir im täglichen Leben ständig ausgesetzt, so dass für nicht immungeschwächte Personen hier trotz der erhöhten Werte keine Gefahr besteht. Aus diesem Grunde wurde seitens des Gesundheitsamtes keine Einschränkung der Nutzbarkeit des Trinkwassers festgelegt“, sagt Müller.

Robert Koch und die Koloniebildende Einheiten

Zum Verständnis: Das Festlegen des Grenzwertes geht auf den Mediziner und Mikrobiologen Robert Koch zurück. Dieser schrieb 1883: „Wenn ein Filterwerk in jeder Beziehung zufriedenstellend arbeitet, dann finden sich erfahrungsgemäß in filtriertem Wasser weniger als 100 entwicklungsfähige Keime auf einem Kubikzentimeter.“ Er stellte vor mehr als 130 Jahren auch fest, immer wenn die Koloniezahlen unter 100 waren, dann kam es nicht zu einer Epidemie. Seitdem gilt der Grenzwert – 100 KBE steht für „Koloniebildende Einheiten“, wird auch Keimzahl genannt.

Doppelte Proben

Die Brawag arbeite mit Hochdruck an dem Problem – der Durchfluss in den Behältern wurde erhöht und die Wasserqualität wird durch die Entnahmen von Proben an verschiedenen Stellen des Versorgungsgebietes in kurzen Intervallen überwacht. „Ab sofort gibt es auch Doppelbeprobungen, wir lassen zwei verschiedene Labore arbeiten und schauen, ob sie zu den gleichen Ergebnissen kommen“, kündigt Müller an. Man wolle alle möglichen Ursachen ausschließen. Das Wasserwerk in Mahlenzien verlässt nur sauberes Nass, obwohl dort gearbeitet wird. An den Messstellen gab es keinerlei Belastungen. Auch ein größerer Rohrbruch wie jüngst in Nord sei unwahrscheinlich, weil das Wasser mit vier Bar nach außen drückt, da kommt nichts ins Rohr. Müllers Team konsultiert nun zusätzlich Fachleute von außen, um dem Übel schnell auf die Spur zu kommen.

Kein frischer Salat mehr für Patienten

Unterdessen gibt es jede Menge Vorsichtsmaßnahmen gerade in den Krankenhäusern, in denen Menschen untergebracht sind, deren Immunsystem geschwächt ist. „Es genügt uns nicht der Verweis auf undefinierbare Umweltkeime. Wir haben die Brawag aufgefordert, eine differenzierte Bestimmung vorzunehmen, ob sich darunter auch toxische, also giftige, Keime befinden“, sagt Gabriele Wolter, Geschäftsführerin des Städtischen Klinikums.

Die Brawag hatte zwar von Anfang an betont, dass es weder Koli- und coliforme Bakterien noch Enterokokken im Trinkwasser gegeben habe. Für die Stäbchen- und Kugelbakterien hätten die Werte zu jeder Zeit Null Koloniebildende Einheiten KBE ergeben. Dennoch beschied sie an Gabriele Wolter, die neusten Messergebnisse ließen zwei Wochen und länger auf sich warten.

„Nach dieser Meldung haben wir frisches Obst und Salat – also alles, was gewaschen werden muss – aus dem Ernährungsplan für die Patienten genommen. Sie wurden angehalten, sich die Zähne nicht mit Wasser aus dem Hahn zu putzen, sondern sollen es aus den Wasserspendern nehmen, dort sind dreifache Filter eingebaut.“ In sensiblen Bereichen wie der Intensivstation wurden zusätzliche Filter an jedem Wasserhahn angebracht, sagt die Geschäftsführerin. Lediglich Waschen und Duschen wird als unbedenklich eingestuft.

Ähnlich wird in der Helios-Rehaklinik in Hohenstücken verfahren, bestätigt Unternehmenssprecher Heiko Leske. Aus diesem Haus kam auch der Anstoß, „wir prüfen regelmäßig das Wasser, was bei uns ankommt, beim ersten Festellen von KBE haben wir das Gesundheitsamt informiert. Zum Glück messen wir direkt am Zulauf zur Klinik.“ Da sich die Keime immer nur in Fließrichtung des Wassers ausbreiten, sei eine Ursache im Haus selbst ausgeschlossen. Trinkwasser wird nun abgekocht, zudem sind ebenfalls Filter an den Perlatoren der Wasserhähne neu angebracht. Nicht zuletzt hat die Klinik Vorräte an Tafelwasser angelegt.

Von André Wirsing

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