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Brandenburg/Havel Trost und Beistand für 2400 Sterbende
Lokales Brandenburg/Havel Trost und Beistand für 2400 Sterbende
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16:14 06.12.2017
Der Raum der Stille im Luise-Henrietten-Hospiz Lehnin. Quelle: Marion von Imhoff
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Lehnin

Das Luise-Henrietten-Hospiz auf dem Areal des früheren Zisterzienser-Klosters in Lehnin besteht seit 16 Jahren. Seit der Eröffnung am 1. Juli 2001 haben 2400 Menschen dort an ihren letzten Lebenswochen Beistand und Trost gefunden. Ein achtzehnköpfiges Hospiz-Team unterstützt von Psychologen, acht teils auf Palliativmedizin spezialisierten Ärzten und dutzenden Ehrenamtlichen, umsorgt die schwerst kranken Frauen und Männer. Das Ansehen des Hospizes in der Bevölkerung hat sich in diesen mehr als anderthalb Jahrzehnten sehr gewandelt weg vom „Sterbehaus“ hin zu einer diakonischen Einrichtung von großer Bedeutung für sterbens- und schwerkranke Menschen. Das berichtet Carmencita Rupprecht, von Anbeginn Leiterin des Hospizes, das in Trägerschaft des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin-Teltow-Lehnin ist. „Man hat uns anfangs mit Argwohn und Unverständnis betrachtet. Nun sind wir gut ins Licht gegangen, weil wir unser Haus immer wieder für interessierte Menschen geöffnet haben“, sagt die 54-Jährige. So habe die Einrichtung sehr an Akzeptanz gewonnen.

Schwester Carmencita Rupprecht leitet das Hospiz seit Anbeginn. Quelle: Michael Hübner

Sind Hospize bekannt genug? „Da hat sich viel getan. Die Menschen gehen bewusster mit dem Lebensende um.“ Kamen anfangs die Gäste, wie Carmencita Rupprecht die Hospizbewohner nennt, auf Vermittlung der Sozialämter und Kliniken, „machen sich heute viele selbst auf den Weg und schauen sich sogar mehrere Hospize an.“

Stirbt ein Gast im Hospiz, entzünden die Mitarbeiter eine Kerze und bahren den Toten auf für eine Abschiedszeremonie. Und in diesem Jahr mussten die Schwestern des Hospizteams das besonders häufig tun. „Wir haben sehr rasante Aufnahmen und sehr rasantes Versterben der Gäste. Wir hatten durchweg nicht nur ältere Menschen, sondern einen größeren Teil von Jüngeren, die vom Jahrgang eigentlich noch nicht dran gewesen wären zum Sterben.“ Die Menschen seien oft in sehr schlechtem Allgemeinzustand gekommen und „sind dann nur noch für Stunden oder wenige Tage bei uns. Dieser schnelle Wechsel ist natürlich für uns auch in der Begleitung und Versorgung eine große Herausforderung.“ Das sei eine große Belastung , „die wir dieses Jahr auch sehr deutlich gespürt haben“, so die Hospizleiterin.

Das Hospiz Lehnin liegt auf dem Areal des früheren Zisterzienser-Klosters. Quelle: Marion von Imhoff

Das Hospiz nimmt nur Erwachsene auf: „Unser jüngster Gast war 19, unser ältester war 101.“ Der Einzugsbereich der Hospize ist weit. „Auch das noch im Bau befindliche Hospiz in Luckenwalde ist für schwerst betroffene Menschen aus unserer Region so interessant wie das in Frankfurt (Oder) oder Neuruppin oder Eberswalde“, sagt Carmencita Rupprecht. Ins Luise-Henrietten-Hospiz kommen auch Menschen aus Dresden, Hamburg oder dem Süden Deutschlands, „die ihre Kinder hier, aber ihre Wurzeln ganz woanders haben“. Es gibt auch Hospizgäste, die wieder nach Hause können, „weil sie sich unter der Hospizpflege so stabilisieren, dass eine Rückkehr in ihre alten sozialen Strukturen möglich ist, was wir sofort unterstützen. Wir haben aber auch Gäste, die zum Sterben dann wieder zurückkommen nach Wochen und Monaten.“

Angehörige haben für ihre verstorbenen Familienmitglieder letzte Grüße auf kleine gelbe Sternzettel geschrieben. Diese hängen am Eingang des Hospizes. Davor brennt eine Kerze zur Erinnerung an die Verstorbenen. Quelle: Marion von Imhoff

Wie gehen die Mitarbeiter damit um? „Für die Hospizarbeit entscheidet man sich ganz bewusst, weil man die besondere Herausforderung sucht und besondere Gaben mitbringt. Wir kriegen hier ganz viel zurück von den Sterbenden und ihren Angehörigen. Wir sind aber auch immer wieder mit Grenzerfahrungen konfrontiert. Mit dem eigenen Erleben, mit Trauer, Geschichten, die Menschen mitbringen, die uns sehr berühren, mit Lebenswegen, die manchmal unglaublich sind.“ Das gelte es zu verarbeiten und zu tragen. „Hospizarbeit hat immer mit vielen Schultern zu tun und mit Menschen, die das gemeinsam aushalten.“ Jemanden sterben zu sehen, ist eigentlich das Schlimmste, was vorstellbar ist. „Es war auch für mich ein Weg. Ich war Kinderkrankenschwester, Intensiv- und Anästhesieschwester. Ich habe anderes Sterben erleben müssen. An Maschinen, beatmet, auch sehr einsam. Wie kann Sterben auch sein, mit dieser Frage habe ich mich beschäftigt. Gibt es ein gutes, begleitetes, behütetes Sterben? Das war mein Weg, den ich gefunden habe, um diese Arbeit schon so viele Jahre machen zu können.“

Von Marion von Imhoff

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