Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Brandenburg/Havel Trotz Wärmepumpe frieren die Bewohner
Lokales Brandenburg/Havel Trotz Wärmepumpe frieren die Bewohner
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:40 18.05.2018
Wenn es draußen kalt wird und die Wärmepumpe versagt, muss die Brandenburger Familie wieder mit Strom zuheizen. Und Tee trinken. Quelle: Ole Spata/dpa
Brandenburg/H

Eine Familie aus Brandenburg/Havel saniert ein Haus in der Altstadt und will es so ökologisch wie möglich beheizen. Sie nutzt daher Erdwärme, eine Wärmepumpe soll für angenehme Temperaturen sorgen. Doch mit der beauftragten Firma geht über Jahre hinweg alles schief. Die Kundin klagt vor dem Landgericht Potsdam auf Zahlung von rund 25 000 Euro.

Vor etwa elf Jahren hat die besagte Familie mit vier Kindern das sanierte Haus in der Bäckerstraße bezogen. Nach Angaben der Eigentümerin hat das vermeintlich ökologische Heizsystem nie richtig funktioniert. Bei großer Kälte im Winter blieben die Räume kalt. „Draußen herrschten 20 Grad minus, drinnen haben wir mit unserem neugeborenen Kind bei 14 Grad Celsius Zimmertemperatur gefroren“, berichtet die Brandenburgerin.

Zusätzliche Wärme mit teurem Strom

Die Schuld daran, dass es bei Kälte draußen drinnen fast nie richtig warm wird, geben sie und ihr Mann der beauftragten Heizungsfirma W. Immer wieder habe die Firma anrücken müssen, doch nie sei es gelungen, zuverlässig für erträgliche Temperaturen im Haus zu sorgen.

Die Familie sieht daher keinen anderen Ausweg als die so unökologische wie teure Variante: Das Zuheizen mit elektrischer Energie.

Der Ärger beginnt den Angaben zufolge bereits mit dem Einbau der Heiztechnik im Jahr 2006. Die Erdwärmepumpe habe nicht geleistet, was ihr Sinn und Zweck ist: Thermische Energie aus dem Untergrund aufzunehmen und als Nutzwärme auf die Raumheizung zu übertragen, so dass mindestens 20 Grad Celsius Raumtemperatur erreicht wird.

Hinweise des Bundesverbandes Geothermie

Eine hochwertige Wärmepumpe sowie Erdwärmesonde oder -kollektor allein sind nach Angaben des Bundesverbandes Geothermie noch kein Garant für ein gut funktionierendes System. Jede Anlage sei der spezifischen Situation und dem jeweiligen Haus anzupassen.

Eine Lösung von der Stange gebe es nicht. Eine umfassende Planung müsse daher dem Bau jeder Erdwärmeheizung vorangehen.

Der Bundesverband Geothermie empfiehlt Hauseigentümern, sich den richtigen Partner zu suchen, welche die .Anlage richtig dimensionieren und anhand des Wärmeverbrauchs sagen, welche Wärmepumpe jeweils geeignet ist.

Unternehmen sollten den Angaben zufolge zertifiziert sein und die Arbeiten nach der VDI-Richtlinie 4640 ausführen.

Im Internet ist das Firmenverzeichnis des Bundesverbandes Geothermie zu finden unter www.geothermie.de/firmen.html. Das beklagte Unternehmen ist dort nicht aufgeführt.

Besagte Pumpe gibt im Jahr 2013 den Geist auf. Die Firma W. baut eine neue Pumpe eines anderen Herstellers ein, ohne dass sich etwas grundlegendes ändert. Erst der Zusatzstrom macht die Bude im Winter warm.

Die Familie ist sich inzwischen sicher, dass der Fehler bei der Firma W. liegt. Sie beauftragt einen Gutachter, der verkürzt gesagt feststellt, dass beide Pumpen stark unterdimensioniert sind, die zweite noch ärger als die erste. Sie könnten die für das Haus erforderliche Heizleistung gar nicht erbringen.

Die Klägerin vergleicht die aus ihrer Sicht mangelhafte Arbeit der Fachfirma anschaulich: Das sei in etwa so, als wenn ein Maler eine Fassade streichen soll und dafür eine Innenwandfarbe benutzt, die der erste Regen dann natürlich auswäscht.

Ob ihre Klage vor der Zivilkammer des Landgerichts Potsdam allerdings Erfolg haben wird, ist nach dem Prozessverlauf in dieser Woche zumindest fraglich.

Vorwurf der arglistigen Täuschung – Firma widerspricht

Die Klage auf etwa 25 000 Euro Schadenswiedergutmachung stützt sich auf den Vorwurf, die Firma habe ihre Kundin arglistig getäuscht. Denn sie sei nicht DIN-gerecht vorgegangen und habe insbesondere keine Wärmebedarfsberechnung vorgenommen.

„Ein Kunde darf erwarten, dass die Anlage optimiert für das Haus funktioniert“, fordert Andreas Heidecke als Rechtsanwalt der Klägerin. Doch die Leistung der ersten Pumpe sei um elf Kilowatt zu gering gewesen, die der zweiten sogar um 22 Kilowatt. Die Firma W. habe selbst zugegeben, dass ihr Angaben wie die Dicke der Wände und Beschaffenheit der Räume nicht bekannt gewesen seien.

Gegenanwalt Ingo Rubbert bestreitet die Vorwürfe gegen die Firma. Sehr wohl habe das Unternehmen den Wärmebedarf berechnet. Er hält der Klägerin vor, sie habe zwölf Jahre gebraucht bis zu ihrem Mangelvortrag. Der angeführte Gutachter sei parteiisch, denn er arbeite im Auftrag der Klägerin.

Richterin: „Eine Behauptung ins Blaue“

Zivilrichterin Sabine Dießelhorst stößt nicht auf Gegenliebe mit ihrem Vergleichsvorschlag, dass beide Seiten sich die Kosten für den Einbau der zweiten Pumpe teilen. Die Richterin hält die Klage in Bezug auf die ersten Pumpe für wenig aussichtsreich. Eine arglistige Täuschung erkennt sie auf Grundlage der Klage (noch) nicht.

„Die Anlage lief bis 2013 doch ohne Rügen“, stellt die Richterin fest, ein Einwand, den die Klägerin im nächsten Verhandlungstermin entkräften will. Einen Beweis, dass die Firma den Wärmebedarf nicht berechnet hat, erkennt Richterin Dießelhorst ebenfalls nicht. „Das ist eine Behauptung ins Blaue“, sagt sie und folgt somit Heideckes Ausführungen zu den Standards fachgerechten Heizungsbaus nicht.

Ansprüche könnte wegen der zweiten offenbar unzureichenden Wärmepumpe bestehen. Doch das Problem sei, dass die Klägerin der Firma keine Frist gesetzt und somit keine Chance gegeben habe, den mutmaßlichen Schaden zu beheben, erklärt die Richterin.

Der Grund dafür: Die Familie hat jegliches Vertrauen in die Firma W. verloren. Zwischen beiden herrscht seit einigen Jahren Funkstille. Ein sachverständiger Gutachter, den das Gericht vermutlich bestellen wird, soll das Eis brechen und mehr Wahrheit ans Licht befördern.

Von Jürgen Lauterbach

Der Polizei sind binnen 24 Stunden zwei mutmaßliche Autodiebe an der A 2 zwischen Brandenburg und Lehnin ins Netz gegangen. Einer vor Männer sitzt bereits in Untersuchungshaft.

18.05.2018

Eine Autofahrerin ist bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn 2 am Freitagmorgen ums Leben gekommen. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Erheblich erschwert wurde der Einsatz durch eine Insektenplage.

18.05.2018

Eine Stunde lang gab es Stress in der Brandenburger Innenstadt: Ein Autotransporter sorgte auf dem Neustädtischen Markt in Brandenburg an der Havel für einen Stau.

18.05.2018