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Brandenburg/Havel Über illegalem Bauschutt wächst schon das Gras
Lokales Brandenburg/Havel Über illegalem Bauschutt wächst schon das Gras
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12:08 12.04.2016
Siegfried Hunaeus vor dem illegalen Lagerplatz in Michelsdorf. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Michelsdorf

Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) will die Beseitigung illegaler Abfalldeponien vorantreiben. Er sehe das Thema als Chefsache, teilte sein Ministerium mit. Über 100 wilde Kippen mit Bauschutt, Altholz, Reifen oder Sortierresten soll es im Land noch geben. Entstanden in der Nachwendezeit. In Michelsdorf könnten die Behörden schon mal zeigen, dass Anordnungen, Verfügungen und Gerichtsbeschlüsse mehr wert sind als das Papier auf dem sie geschrieben wurden.

Bislang nämlich fühlt sich Siegfried Hunaeus als Einzelkämpfer. Seit Jahren läuft der Anwohner aus der Rädeler Straße Sturm gegen die Michelsdorfer Schmuddelecke. Diese besteht aus mehreren Schuttbergen und Autowracks am Ortsausgang in Richtung Grebs. Angehäuft vom ehemaligen Container-Dienstleister Daniel Kanisch. Augenscheinlich sind mittlerweile mehrere Pkw verschwunden. Hunaeus hat sich nicht nur mit dem Verursacher angelegt, er hält die Behörden auf Trab, informierte die Polizei und dokumentierte die Vorgänge auf dem halb eingezäunten Grundstück.

Gewerbeerlaubnis entzogen

Es folgten Ermittlungen bis hin zur Entziehung der Gewerbeerlaubnis. Doch am Schandfleck selbst ist bis heute nichts passiert. Über die aufgetürmten Bauabfälle wächst inzwischen das Gras. Den Ämtern aber auch der Kloster Lehniner Gemeindeverwaltung wirft Hunaeus „totales Versagen“ vor. Vize-Bürgermeister Berthold Satzky, der auch für Ordnungsangelegenheiten zuständig ist, sieht die Gemeinde nicht mehr im Spiel: „Seitens der Kommune laufen derzeit keine zusätzlichen Maßnahmen“, sagte Satzky, der auf ein laufendes Verfahren in der Kreisverwaltung verweist.

Dort ist Ralf Buschalsky bemüht, Zweifel an der Autorität der Behörden zu zerstreuen. „Der Fall ist kompliziert, weil sich der Verursacher außerstande sieht die Räumung der Fläche vorzunehmen. Dieses Verhalten können wir jedoch nicht tolerieren. Da sind wir zusammen mit der Staatsanwaltschaft dran“, sagte der Teamleiter Abfallwirtschaft/Bodenschutz der MAZ auf Nachfrage. Weil Kanisch eine ordnungsrechtliche Verfügung nicht umgesetzt hat, soll in den nächsten Wochen verwaltungsrechtlich und strafrechtlich gegen ihn vorgegangen werden.

Am Anfang gab es Unterstützung

Ins Detail gehen wollte Buschalsky wegen der bevorstehenden Maßnahmen nicht. Auch wie eine praktische Lösung auf dem Grundstück am Michelsdorfer Ortsrand aussehen könnte, ist noch unklar. Eigentlich fing dort alles einmal ganz harmlos an. „Der Ortsbeirat hat die Tätigkeit von Herrn Kanisch zunächst toleriert, um dessen gewerbliche Anstrengungen zu unterstützen. Doch eine dauerhafte Verschandelung der Ortsansicht gehörte nicht zum Plan“, erinnert sich Ortsvorsteher Helmut Welz.

Und was sagt der viel gescholtene Daniel Kanisch? Weil er derzeit außerhalb von Michelsdorf einer Tätigkeit nachgeht, spricht seine Mutter Monika Klartext: „Da läuft eine schlimme Kampagne gegen meinen Sohn, die ein einzelner Nachbar angezettelt hat. Wir sind uns als Familie einig, dass die behördlichen Auflagen abgearbeitet werden müssen. Doch das kostet Zeit und Geld. Es wurde schon begonnen. Doch von heute auf morgen ist eine komplette Beräumung nicht machbar.“

Ob der Langmut der Abfall- und Bodenschutzbehörde so lange reicht, ist unwahrscheinlich. Denkbar ist eine behördlich angeordnete Räumung im Zuge einer Ersatzvornahme. Dann würden zunächst die mittelmärkischen Steuerzahler für die Beseitigung der Schuttberge aufkommen müssen. Vielleicht klappt die Beräumung wenigstens bis 2018. Dann feiert Michelsdorf sein 825-jähriges Bestehen.

Von Frank Bürstenbinder

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