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Unfallfahrer fährt Ronny K. ins Koma

Prozess am Amtsgericht Brandenburg Unfallfahrer fährt Ronny K. ins Koma

Ronny K. (26) aus Brandenburg/Havel ist in der Nacht des 8. November 2015 zu Fuß unterwegs, als ein BMW-Fahrer ihn überfährt und schwer verletzt liegen lässt. Er habe zwar den Knall gehört, aber keine Person gesehen und an einen Wildunfall geglaubt, versichert der Angeklagte beim Prozessauftakt. Ein Gutachter soll aufklären, ob das stimmen kann.

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Yvonne und Ronny K. haben noch an den Folgen des Unfalls zu tragen.

Quelle: Jürgen Lauterbach

Brandenburg/H. Ronny K. (26) aus Brandenburg/Havel war in der Nacht des 8. November 2015 als Fußgänger am Zentrumsring unterwegs, als ein BMW-Fahrer ihn mit seinem Auto überfuhr und schwer verletzt liegen ließ. Er habe zwar den Knall gehört, aber keine Person gesehen, versicherte der Angeklagte Ronny S. am Montag im Amtsgericht Brandenburg. Ein Verkehrsgutachter soll aufklären, was geschah und ob eine derartige Wahrnehmungsstörung nach einem solchen Verkehrsunfall überhaupt möglich ist.

Der Brandenburger Ronny S. steht seit Montag vor Gericht, weil ihm die Staatsanwältin Unfallflucht und unterlassene Hilfeleistung vorwirft. Denn er habe am 8. November 2015 gegen 1.15 Uhr den elf Jahre jüngeren Ronny K. überfahren und sich anschließend nicht um den schwer verletzten Fußgänger gekümmert.

Ronny S., gebürtig aus Rathenow, ist in jener Nacht eigener Darstellung zufolge in seinem BMW auf dem Heimweg auf den Görden und befährt daher den Zentrumsring. Im Gerichtssaal gibt er zu, dass er in Höhe der Einmündung Vereinsstraße an einem Unfall beteiligt ist. Er bemerkt den Zusammenstoß, hört ein lautes Poltern und einen dumpfen Aufschlag. Aber er will dabei keinen Menschen auf der Straße gesehen haben.

„Ich bin von einem Wildschaden ausgegangen“, sagt Unfallverursacher zu Amtsrichter Michael Strauß. An seinem Auto habe er erst einmal keinen Schaden erkennen können, daher sei er weitergefahren. Der Richter wundert sich: „Wie konnten Sie das nicht sehen, dass Sie einen Fußgänger überfahren haben? Wenn man sich die Bilder des Unfalls anschaut, kann man sich das kaum vorstellen.“

Familie muss auf den kleinen Sohn verzichten

Fünf Wochen ohne Bewusstsein im Krankenhaus und vier Operationen liegen hinter Ronny Krüger. Doch die schweren körperlichen Verletzungen, die er erlitt, sind nicht die einzigen Folgen des schweren Verkehrsunfalls.

„Komplett gelöscht“, so drückt der verunglückte Fußgänger sein Erinnerungsvermögen nach dem Unfall aus Während das Unfallopfer im Koma lag, musste seine Ehefrau ebenfalls zur Behandlung ins Krankenhaus. Der Kinder- und Jugendnotdienst nahm den dreijährigen Sohn des Ehepaares in seine Obhut.

Die gravierendste körperliche Unfallfolge ist das stark eingeschränkte Gehvermögen. Ronny Krüger hat außerdem einen Teil seiner Lunge verloren. Seine Frau berichtet, dass es ihm bis heute schwer fällt, sich an alle möglichen alltägliche Sachverhalte zu erinnern.

Der Angeklagte ist in seiner Schilderung etwas wankelmütig. Einerseits schließt er „völlig“ aus, dass eine Person verunglückte, andererseits findet er in jener Nacht nur wegen eines Wildschweins keinen Schlaf, grübelt und hofft dabei, „dass es kein Mensch war“. Am folgenden Morgen geht Ronny S. zur Polizei und zeigt den Schaden an. Nicht aber wegen eines schlechten Gewissens, sondern weil er hofft, den Schaden am Scheinwerfer und an der Motorhaube seines Autos von der Versicherung ersetzt zu bekommen. Weil die Versicherung sich schwer tue, einen Wildschaden zu regulieren, erfindet er eine andere Version: Vandalen hätten seinen BMW beschädigt.

Die Polizeibeamten glauben die Geschichte nicht, sondern erkennen rasch den Zusammenhang mit dem Unfall, der Ronny K. fast das leben gekostet hätte. Der junge, der leblos auf dem Grünstreifen des Zentrumsringes aufgefunden wurde, bleibt fünf Wochen lang mit schweren inneren Verletzungen und etlichen Knochenbrüchen im Koma.

Ärzte des städtischen Klinikums operieren ihn viermal, der Familienvater büßt ein Viertel seiner Lunge ein und kann bis heute nur mit einer Krücke laufen, ganz langsam. „Früher war ich der Schnellste in der Familie, aber jetzt bin ich der Langsamste“, erzählt Ronny K. der MAZ.

Vergeblicher Versuch, über Facebook Kontakt aufzunehmen

Das Opfer und seine Frau Yvonne haben Monate nach dem Unfall versucht, über das soziale Netzwerk Facebook Kontakt zu dem Unfallfahrer aufzunehmen. Der habe jedoch nicht reagiert und sich folglich auch nicht entschuldigt. Das holt Ronny S. am Montag vor Gericht mit knappen Worten nach.

Unfallopfer Ronny K. hat keine Erinnerung mehr an die Unfallnacht und die Zeit danach. Die Erinnerung setzt erst mit dem Aufenthalt in der Reha-Klinik in Beelitz wieder ein. Seine Frau weiß noch, dass er am Tag vor dem Unfall ein Boot holen wollte. Weil das Projekt scheiterte, sei er aus Frust zu Freunden gegangen und habe reichlich Alkohol getrunken.

Verkehrsgutachter Carsten Wegner soll in den nächsten Monat den Unfallhergang für das Gericht rekonstruieren und die Frage beantworten, ob der Angeklagte in jener Nacht tatsächlich nichts und niemanden gesehen haben kann.

Von Jürgen Lauterbach

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