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Unfallfahrerin überhört Getöse des Aufpralls

Unfall im Parkhaus vor Gericht Unfallfahrerin überhört Getöse des Aufpralls

Eine Autofahrerin rangiert im engen Parkhaus und prallt dabei mit ihrem Wagen gegen ein anderes Auto. Obwohl es rummst und beide Autos im Parkhaus des Marienbades wackeln, merkt die Fahrerin nichts und fährt davon. Ihre Erklärung im Amtsgericht Brandenburg: Ihre Wahrnehmung sei wegen ihrer bipolaren Störung manchmal eingeschränkt.

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Rangieren im Parkhaus ist für manche Autofahrer nicht ganz einfach.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Auf den ersten Blick alltäglich: Eine Autofahrerin rangiert im engen Parkhaus und prallt dabei mit ihrem Wagen gegen ein anderes Auto. Das Ungewöhnliche: Obwohl es rummst und beide Autos im Parkhaus des Marienbades wackeln, merkt die Fahrerin nichts und fährt davon Die Erklärung: Ihre Wahrnehmung ist wegen ihrer bipolaren Störung manchmal eingeschränkt.

Die aus dem Brandenburger Umland stammende Frau sitzt in dieser Woche auf der Anklagebank des Amtsgerichts Brandenburg. Sie möchte ihren Fall gerichtlich geklärt wissen. Den Strafbefehl über 900 Euro wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort akzeptiert die 53 Jahre alte Frau ebenso wenig den Führerscheinentzug für einen Monat.

Zur Last gelegt wird der Angeklagten ihr Verhalten am 22. Juli 2014 im Parkhaus des Marienbades. Gegen 16 Uhr steigt sie dort in ihren Peugeot und will zu ihrem Therapeuten ins Asklepios-Klinikum fahren. Beim Rangieren stößt sie mit ihrem Wagen gegen den Honda einer 61 Jahre alten Brandenburgerin.

Doch die Unfallverursacherin steigt nicht aus, um den Schaden anzusehen und anschließend zu regulieren, sondern fährt „sportlich die Auffahrt hoch“ und verschwindet, ohne sich um den Unfall zu kümmern, wie ein Familienvater als Zeuge berichtet, der seinerzeit alles mit angesehen und gehört hat. „Beide Auto haben gewackelt, es hat dermaßen gerummst, das muss man gemerkt haben“, berichtet der Landkreisangestellte dem Gericht.

„Das war schon ein richtiger Treffer“, ergänzt der Zeuge seine Schilderung. Er hatte zwar die Fahrerin nicht erkannt, war aber geistesgegenwärtig genug, sich das Kennzeichen es Unfallwagens zu notieren.

Fahrerfluchtfälle für Brandenburger Amtsrichter

Eine bipolare Störung wurde vormals häufig als manisch-depressive Erkrankung bezeichnet. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass erkrankte Menschen starke Stimmungsschwankungen erleben. Vereinfacht ausgedrückt, zwischen himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt.

Das Amtsgericht Brandenburg hat in dieser Woche mehrere Fälle von Fahrerflucht verhandelt.

In einem weiteren Fall ging es um eine Autofahrerin, die am 19. Mai 2015 einen Unfall verursachte und Unfallflucht beging. Zuvor hatte sie sich in einer Gaststätte hatte volllaufen lassen und sich dann mit 2,6 Promille ans Steuer gesetzt.

Der Amtsrichter glaubte der Angeklagten nicht, dass nicht sie, sondern eine unbekannte Kneipenbekanntschaft namens Carsten gefahren sei. Er entzog ihr für ein weiteres halbes Jahr den Führerschein.

2100 Euro Strafe muss sie außerdem bezahlen. In diese Strafe fließt ein, dass sie außerdem im Zustand verminderter Steuerungsfähigkeit die Sozialbehörde betrogen hatte.

Die Angeklagte beteuert über ihre Verteidigerin Ines Weidemann, dass sie wirklich nichts von dem Unfall im Parkhaus mitbekommen und daher auch keine Fahrerflucht begangen habe. Sie führt diese gestörte Wahrnehmung auf ihre Erkrankung zurück.

Bei bipolaren Störungen (s. Info-Kasten) sei die Wahrnehmbarkeit manchmal eingeschränkt, zumal es in einem Parkhaus auch andere Geräusche wie zuknallende Metalltüren. Die Angeklagte habe das Aufprallgeräusch insofern nicht zwingend zuordnen müssen.

Richter Michael Strauß runzelt bei dem Hinweis auf die bipolare Störung der Frau die Stirn. Wenn deren Wahrnehmungskraft aufgrund der Krankheit mitunter gestört ist, könnten Zweifel aufkommen, ob die Angeklagte überhaupt geeignet ist, Auto zu fahren.

Das Amtsgericht hat einen Unfallsachverständigen hinzugezogen, der beurteilen soll, ob der Unfall tatsächlich unbemerkt geblieben sein kann. Nach seiner Darstellung ist das normalerweise nicht denkbar. Auch bei einem Zusammenstoß mit nur fünf Stundenkilometern Geschwindigkeit wackeln Carsten Wegner zufolge beide Autos.

Der Gutachter hat den Unfall mit filmischen Mitteln simuliert. Der Aufprall ist hörbar, selbst wenn nebenher das Autoradio eingeschaltet ist. Ingenieur Wegner möchte allerdings nicht beurteilen, wie sich die Sache verhält, wenn ein Unfallbeteiligter an einer bipolaren Störung leidet. Richter Strauß schlug vor, dass dazu am nächsten Prozesstag ein Facharzt gehört wird.

Von Jürgen Lauterbach

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