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Unglaubwürdige Geschichte vom „fliegenden Messer“

Prozess in Brandenburg an der Havel Unglaubwürdige Geschichte vom „fliegenden Messer“

Weil er einem Landsmann in Brandenburg an der Havel einen heftigen Stich ins Bein versetzt hat, muss ein junger Mann aus Afghanistan für ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis. Bewährung bekommt er nicht, denn er zeigte im Prozess keinerlei Einsicht, tischte dem Gericht stattdessen eine unglaubwürdige Geschichte mit einem unglücklich fliegenden Messer auf.

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Quelle: dpa

Brandenburg/H. Weil er einem Landsmann in der Upstallstraße einen heftigen Stich ins Bein versetzt hat, soll ein junger Mann aus Afghanistan für ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis. Bewährung bekommt er nicht, denn er zeigte im Gerichtsprozess keinerlei Einsicht, tischte dem Gericht stattdessen eine unglaubwürdige Geschichte auf.

Omid U., der sein Geburtsdatum nicht kennt, lebt seit etwa zwei Jahren in Brandenburg/Havel und ist als inzwischen abgelehnter Asylbewerber in der Flüchtlingsunterkunft in der Upstallstraße untergebracht. Im vierten Stockwerk des Heims lebte außer dem etwa 28 Jahre alten Mann aus Afghanistan auch der vier Jahre jüngere Landsmann Mohammad Z.

Nach dessen Schilderung kam er am 18. November 2016 nachmittags zurück in sein Zimmer und traf dort auf den besagten Omid U. Er habe ihn gefragt, was er und zwei weitere Heimbewohner in seinem Zimmer zu suchen hätten. Mohammad Z. war misstrauisch, weil ihm kurz zuvor 150 Euro und ein Paar Schuhe aus seinem Zimmer gestohlen worden waren.

Daraufhin wurde der 24-Jährige gepackt, ins Zimmer gezerrt und geschlagen, während einer der drei die Tür zuhielt. Mohammad Z. wehrte sich und schlug ebenfalls zu. Daraufhin nahm der Angeklagte Omid U. ein Küchenmesser in die Hand und stach in Richtung Bauch seines Widersachers. Der wehrte den Stich mit einem Tritt ab, beide Männer gingen zu Boden.

Der Angeklagte soll denn in gebückter Haltung nach dem Messer gegriffen und den Unterschenkel seines Landsmannes mit einem gezielten Stich getroffen haben. Zugleich zerrte ihn ein Komplize nach hinten, so dass eine gut zehn Zentimeter lange, stark blutende Stich-Risswunde entstand. Sie wurde später im Krankenhaus in einer Notoperation behandelt, das Opfer krempelte im Gerichtssaal das Hosenbein hoch und zeigte die Narbe. Auch ein Jahr später fühlen sich rechtes Bein und Fuß teilweise noch taub an.

Das Amtsgericht Brandenburg/Havel verurteilte den nicht vorbestraften Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand zu einem Jahr und vier Monaten Haft ohne Bewährung. Der Staatsanwaltschaft hatte nur ein Jahr Haft gefordert, der Verteidiger eine Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Richter Michael Strauß berücksichtigte in seinem Urteil die schwere Verletzung des glaubwürdigen Opfers und dessen Panikattacken anschließend im Krankenhaus, als er befürchtete, erneut angegriffen zu werden. Der Richter glaubte Omid U. nicht. Der behauptete vor Gericht, er sei unschuldig. Der andere sei schuld, weil er ihn geschlagen und er sich nur gewehrt habe.

Im Übrigen habe er nicht zugestochen, sondern nur mit dem Messer und anderen Gegenständen nach Z. geworfen. Er wisse selbst nicht, warum er das Messer überhaupt in der Hand gehabt habe. Wegen der Schläge des anderen habe er zu dem Zeitpunkt neben sich gestanden. Jedenfalls habe er seinen Landmann nicht verletzen wollen.

Der Amtsrichter war davon nicht zu überzeugen. Michael Strauß sagte: „Wie Ihre Geschichte physikalisch möglich sein soll, erschließt sich mir nicht. Mit einem Messerwurf eine solche Schnitt- und Risswunde zu verursachen widerspricht den Gesetzen der Logik.“ Das Gericht vermisste auch eine Entschuldigung des Täters, dessen Verhalten im Prozess von Grundaggressivität geprägt sei.

Von Jürgen Lauterbach

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