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Unterspülung: Frischwasser unter der Buckau

Brandenburg an der Havel Unterspülung: Frischwasser unter der Buckau

Die Neunaugen sind schuld: Wegen hoher Umweltauflagen kann der Frischwasserdüker unter dem Flüsschen Buckau nahe der Neuen Mühle nur mit einer aufwendigen Spülbohrung verlegt werden. Doch dieser Abschnitt der wichtigsten Leitung für die Trinkwasserversorgung der Stadt muss unbedingt nach mehr als 50 Jahren Liegezeit erneuert werden.

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Ab in die Tiefe: Das Trinkwasserrohr wird in den Bohrschacht eingezogen, der Bohrkopf versprüht gehörig Schlamm.

Quelle: Rüdiger Boehme

Brandenburg/H. Es ist eines der kompliziertesten Vorhaben beim Erneuern der Haupt-Trinkwasserleitung vom Wasserwerk Mahlenzien bis zum Hochbehälter auf dem Marienberg: Geglückt ist an diesem Donnerstag das Unterqueren des Flüsschens Buckau nahe der Neuen Mühle.

Kompliziert war es wegen des hohen Grundwasserstandes, der bis 1,30 Meter unter die Erdoberfläche reicht, teilweise offenen Moorlöchern, der schlechten Erreichbarkeit mit schwerem Baugerät und hohen Umweltauflagen. „Flora-Fauna-Habitat-Schutz, Naturschutzgebiet, Biotop“, zählt Planer und Bauüberwacher Andreas Stein auf. Deshalb durfte das Rohr auch nicht in offener Bauweise verlegt werden, weil in der Buckau auch streng geschützte Neunaugen leben sollen.

Also holte sich die heimische Firma Ingenieur-, Tief- und Gleisbau ITG die Spezialisten vom BLK Bohrteam aus Görschen in Sachsen-Anhalt. Spülbohrung nennt sich das Verfahren, dass sie praktizieren. Nach der Baugrunduntersuchung mit kleineren vertikalen Bohrungen entlang der vorgesehenen Trasse wird eine Pilot- oder Führungsbohrung angesetzt, das erfolgt mit Wasserdruck von drei bis vier bar und einem „Flycutter“ – wie fliegende Messer sieht der rotierende Bohrkopf aus. Dann wird noch vier Mal aufgeweitet. Mehr als 300 Kubikmeter Erdreich werden so herausgespült.

Damit im Inneren des Bohrschachtes nicht die Erde nachfällt und diesen zusetzt wird Bentonit eingefüllt. Das ist eine milchige Masse aus verschiedenen Ton-Mineralien, die gut Wasser aufnehmen und quellen. Die dicke Flüssigkeit ist schwerer als Wasser und hält den Bohrschacht offen.

156 Meter am Stück verschweißt

156 Meter lang ist das neue Rohr, das komplett verschweißt am Stück eingezogen worden ist.

Es besteht aus PEHD - Polyethylen hoher Dichte und ist extra noch einmal mit einem Schutzmantel versehen.

Der Außendurchmesser des Rohres beträgt 630 Millimeter, davon gehen 57,2 Millimeter Wanddicke ab.

Bis zu 10.500 Kubikmeter Wasser fließen täglich durchs Rohr.

Dann wird das Rohr eingezogen, das bereits aus Zwölf-Meter-Stücken komplett zusammengeschweißt ist. Ohne Ballast würde es durch den Auftrieb an der „Decke“ kleben und sich nicht ziehen lassen. Deshalb wird es bis zu 90 Prozent mit Frischwasser gefüllt, so dass es im Bentonit faktisch schwebt. Mit einem Gestänge wird das Rohr durch den Bohrschacht, der im sanften Bogen die Buckau unterquert gezogen.

Bis zu 45 Tonnen Zugkraft entwickelt die Maschine am anderen Ende des Bohrschachtes, zwischen 12 und 13 Tonnen muss sie hier aufbringen. Die Maschine zieht etwas mehr als eine Minute lang, dann schraubt sie selbstständig das nun überzählige fünf Meter lange Gestängeteil ab und dockt am nächsten an, kleine Greifer sortieren das demontierte Teil in die Ablage. So geht das, bis das Rohr komplett durchgezogen ist.

Das Bentonit, das von der Leitung verdrängt wird, muss aufgefangen und entsorgt werden, teilweise kann man es wieder aufbereiten. „Es ist kein ganz preiswertes Verfahren. Aber hätten wir in offener Bauweise verlegt, wäre uns die Wasserhaltung wegen des hohen Grundwasserstandes auch sehr teuer gekommen“, sagt ITG-Prokurist Andreas Strauß. Auf sein Team kommt jetzt auch noch eine Menge Arbeit zu: Das neue Rohr muss mit dem vorhandenen verbunden werden, da sind noch etliche Meter Kanal zu verlegen.

Dann wird der alte Düker, der Mitte der 1960er Jahre verlegt wurde, abgeklemmt. Die neuen Rohre werden mit Chlor desinfiziert und mehrfach gespült. Das Umbinden an den neuen Knotenpunkten dauert dann etwa 24 Stunden. In dieser Zeit fließt kein Trinkwasser aus Mahlenzien in die Stadt, aber im Hochbehälter sind noch genügend Reserven.

Von André Wirsing

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