Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 5 ° heiter

Navigation:
Untreue-Verdacht gegen neuen Chef der Wobra

Stadt Brandenburg: Jahrelange Mietminderung für Stephan Falk Untreue-Verdacht gegen neuen Chef der Wobra

Stephan Falk ist brandneuer Geschäftsführer der Wobra in Brandenburg an der Havel. Versuche, die Wahl des bisherigen Prokuristen des städtischen Wohnungsunternehmens zu verhindern oder wenigstens aufzuschieben, waren zuvor fehlgeschlagen. Dabei stehen Vorwürfe im Raum, die wohl ein Fall für die Staatsanwaltschaft sind.

Voriger Artikel
Polizei sucht rechtmäßige Eigentümer
Nächster Artikel
Tiemann sagt dem Land den Kampf an

In einer der oberen Maisonette-Wohnungen lebte bisher Stephan Falk, nun zieht er wegen hohen Sanierungsbedarfs aus.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg an der Havel. Stephan Falk ist am Montagabend vom Hauptausschuss zum Geschäftsführer der Wobra bestellt worden. Allerdings bekam er neben acht Ja- auch vier Nein-Stimmen, zwei Stadtverordnete enthielten sich des Votums.

Versuche der Wobra-Aufsichtsrätinnen Martina Marx (Bündnisgrüne) und Ilona Friedland (Linke), das Bestellen des bisherigen Prokuristen Falk zu verhindern beziehungsweise aufzuschieben, schlugen fehl. Marx hatte vor allem damit argumentiert, dass laut Gesellschaftervertrag des städtischen Wohnungsunternehmens der Aufsichtsrat Empfehlungen fürs leitende Personal abzugeben habe. Offiziell hatte sich das Aufsichtsgremium aber gar nicht mit der Nachfolgeregelung befasst. Nach MAZ-Informationen gab es Einzelgespräche der Stadtspitze mit den meisten Aufsichtsratsmitgliedern, aber keines mit den beiden Frauen. Marx hatte zudem in der vergangenen Woche Einsicht in die Mieterakte von Falk genommen, der seit November 2007 in einer höherwertigen Wobra-Wohnung am Katharinenkirchplatz wohnt. Seit dieser Zeit zahlt der Prokurist für seine 110 Quadratmeter große Maisonette-Wohnung auch weniger als die geforderten 750 Euro Kaltmiete. Über die siebeneinhalb Jahre hinweg erlöste das Unternehmen etwa 36000 Euro weniger als geplant. Bis Anfang 2010 betrug die Mietminderung 13, danach gar 75 Prozent.

Martina Marx informierte den Vize-Aufsichtsratschef Norbert Langerwisch (SPD), der den urlaubenden Vorsitzenden Michael Brandt (CDU) vertritt. „Ich sehe möglicherweise eine Untreue zum Nachteil der Gesellschaft Wobra. Aber das soll die Staatsanwaltschaft entscheiden, wenn die Sache öffentlich wird.“ Das hinderte Langerwisch aber nicht am Votum für Falk, neben den Linken-Vertretern René Kretzschmar und Lutz Krakau stimmte auch die CDU geschlossen für ihren Parteifreund.

Bürgermeister Steffen Scheller (CDU) und Chef der Stadtholding TWB, deren Tochter die Wobra ist, will „weder von einem Verdacht der Untreue noch von einer Vorteilsgewährung oder -annahme sprechen“. Offensichtlich bewahrheite sich die Weisheit: „Wie man es macht, ist es verkehrt.“ Das gesteht auch Wobra-Geschäftsführer Klaus Deschner ein: „Wenn man im kommunalpolitischen Sinne von einer Schuld sprechen kann, dann ist es eine. Ich musste als Betriebswirt handeln.“ Es habe zwei Strategien gegeben, mit den gravierenden Baumängeln umzugehen (Schimmel, fehlende Luftzirkulation, ungenügende Dämmung, teilweiser Ausfall von Heizung und Warmwasser). Die Wobra habe sich für ein langwieriges Beweissicherungsverfahren entschieden, zudem werde mit dem Planungsbüro Köber-Plan eine außergerichtliche Einigung angestrebt. Das habe viel Zeit gekostet. Jetzt soll Falk in eine andere Wohnung ziehen, die alte wird für mehrere Zehntausend Euro komplett saniert. „Diese Entscheidung hätten wir auch getroffen, wenn der Vorgang jetzt nicht publik geworden wäre. Vielleicht hätten wir sie schon im Vorjahr fällen sollen“, sagt Deschner nun.
SPD-Fraktionschefin Britta Kornmesser wollte eine Chefbesetzung von außen. Nun drängt sie auf eine Doppelspitze: „Da muss frischer Wind rein, die Doppelführung hat sich in anderen Unternehmen längst bewährt.“

Von André Wirsing

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Mietsache Falk wird Fall für den Staatsanwalt

Klaus Deschner geht in die Offensive: Der Geschäftsführer des Brandenburger Wohnungsunternehmens Wobra hat sich selbst angezeigt. Es steht der Verdacht der Untreue im Raum. Proviteur soll Stephan Falk sein, Deschners Nachfolger im Amt des Wobra-Chefs. Der Fall beschäftigt demnächst auch den Wobra-Aufsichtsrat.

mehr
Mehr aus Brandenburg/Havel

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg