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Brandenburg/Havel Urinproben, Biertrinker und Glyphosat
Lokales Brandenburg/Havel Urinproben, Biertrinker und Glyphosat
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14:03 14.03.2016
Karl-Heinz Guhl (r.) übergibt eine Unterschriftenliste an Barbara Hackenschmidt und Ralf Holzschuher. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Potsdam/Ziesar

Puh, das muss man erst mal sacken lassen. Der Bündnisgrüne Benjamin Raschke hat soeben die Urin-Proben seiner sechsköpfigen Landtagsfraktion geoutet – alle haben Glyphosat im Pipi. Während Raschke am Rednerpult über die Gefahren von Unkrautgift in verschiedenen Pilssorten doziert und einen Ausstieg aus dem Herbizid-Zeitalter fordert, entdeckt AfD-Mann Sven Schröder sein Herz für die Landwirtschaft: „Glyphosat ist seit 15 Jahren zugelassen. Hätten Sie lieber mehr Fleisch gegessen, statt Bier getrunken.“ Dann ergreift Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger ( SPD) das Wort und erklärt im rot bestuhlten Plenum mit dem Mut eines Löwen, er werde weiter Bier trinken. Natürlich nehme man die Sorgen der Menschen ernst, doch der Ball liege bei der EU. Über die weitere Zulassung des chemischen Pflanzenschutzmittels werde in Brüssel entschieden. Am Ende wird das von den Bündnisgrünen eingebrachte Moratorium gegen die Belastung der Bevölkerung mit Glyphosat mehrheitlich abgeschmettert.

Innenhof täglich geöffnet

Der Landtagsinnenhof am Alten Markt ist täglich von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Das Knobelsdorff-Treppenhaus, die Ausstellungen im Landtag und das Foyer mit einem interaktiven Gebäudemodell sowie der Cafeteria sind montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr zugänglich.

Jeden Freitagnachmittag finden außerdem Landtagsführungen für Einzelbesucher statt. Die Anmeldung ist bis zu drei Monaten im Voraus möglich. Für Besuchergruppen werden unterschiedliche Angebote zur Arbeit des Landesparlamentes angeboten. Der Besucherdienst ist telefonisch unter 0331/9 66-12 53/12 55 zu erreichen.

Eine Lehrstunde in Demokratie erlebten Mitglieder des Kultur- und Heimatvereins Ziesar bei einem Besuch des Brandenburger Landtages. Barbara Hackenschmidt (SPD), Wahlkreisnachfolgerin von Andreas Kuhnert, hatte die Männer und Frauen aus dem kleinen Fienerstädtchen in den 2014 eröffneten Landtagsneubau eingeladen. „Wir haben das Angebot gern angenommen. Denn es gibt nicht jeden Tag die Gelegenheit den Volksvertretern bei ihrer Arbeit zuzuschauen“, sagte Vorsitzende Silvia Zimmermann. Unter den Gästen auf der Zuschauertribüne war auch Otto Nittmann. Der Rentner zeigte sich beeindruckt vom Gebäude auf dem Alten Markt , wo bis 1959/60 einmal das Stadtschloss der Hohenzollern stand. Dass sich die Abgeordneten mit dem Für und Wider des in die Schlagzeilen geratenen Glyphosats beschäftigen , hält der Ziesarer für „richtig und wichtig“. Erlebt haben die Gäste aber auch, dass Smartphones und Laptops fraktionsübergreifend im Dauerbetrieb sind.

Der Landtagsinnenhof am Alten Markt. Quelle: Frank Bürstenbinder

Dass die Besucher gerade den etwa einstündigen Schlagabtausch um chemische Pflanzenschutzmittel erlebten, war Zufall. 18 Tagesordnungspunkte hatten die Landtagsabgeordneten auf ihrer Sitzung abzuwickeln. Von der Braunkohlesanierung bis zum Hochschulzugang für Flüchtlinge. Bevor sich für die Ziesarer die Tür zu Zuschauertribüne öffnete, zischte das Aufsichtspersonal der Gruppe einige Verhaltensregeln zu: „Nicht reden! Keine Plakate! Wer einschläft, nicht schnarchen!“ Aber die Leute vom Lande hatten nicht vor Ärger zu machen. Vor allem nicht, wenn man so respektvoll begrüßt wird. Irgendjemand musste Landtags-Vizepräsident Dieter Dombrowski (CDU) einen Tipp gegeben haben. Der Sitzungsleiter begrüßte den Kultur- und Heimatverein Ziesar durch sein Mikrofon, was der Landtag mit Beifall hinauf zur Tribüne quittierte. „Das geht ja runter wie Öl“, freute sich Vereinschefin Zimmermann.

Besucher aus Ziesar im „Achäologischen Fenster des Landtages. Quelle: Frank Büstenbinder

Ebenso höflich aber mit Nachdruck übergab Karl-Heinz Guhl aus Bücknitz bei einer anschließenden Diskussionsrunde an Barbara Hackenschmidt und ihren Parteifreund Ralf Holzschuher eine Liste mit 430 Unterschriften aus dem Raum Ziesar und Wusterwitz. In ihrer Petition sprechen sich die Unterzeichner für eine Radwegeverbindung zwischen beiden Orten aus. „Eine Trasse auf dem alten Bahndamm wäre ideal. Jahrelang gab es in der Sache keinen Fortschritt. Jetzt sind die Landespolitiker unsere letzte Hoffnung“, sagte der Bücknitzer Ortsvorsteher der MAZ. Hackenschmidt und Holzschuher versprachen nichts: „Die Eigentumsverhältnisse müssen klar sein. Und die Zeit der vollen Fördertöpfe ist leider vorbei.“ Beide wollen sich aber des Themas annehmen, das inzwischen auch in der Kreisverwaltung wieder auf der Tagesordnung steht.

Im Treppenhaus des Landtages. Quelle: Frank Bürstenbinder

Das Treffen mit der volkstümlich agierenden Hackenschmidt unter dem Dach des Landtages war für die Ziesarer keine Einbahnstraße. Auch die Abgeordnete hatte Fragen. Zum Beispiel, womit sich der Verein beschäftigt und was es mit der berühmten Schachbrettblumenwiese auf sich hat. Zur Blüte sagte sie ihr Kommen zu. Dann wollen sich die Ziesarer mit einer Führung rund um das Naturwunder für die Landtags-Visite revanchieren.

Von Frank Bürstenbinder

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