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Brandenburg/Havel Prozess um getötete Feuerwehrleute: Gericht verurteilt Lkw-Fahrer zu zwei Jahren und 6 Monaten Haft
Lokales Brandenburg/Havel Prozess um getötete Feuerwehrleute: Gericht verurteilt Lkw-Fahrer zu zwei Jahren und 6 Monaten Haft
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12:03 14.12.2018
Im Amtsgericht Brandenburg/Havel läuft der Prozess gegen Stefan M. (57) (l.), dem die Staatsanwaltschaft Potsdam fahrlässige Tötung zweier Feuerwehrmänner aus Lehnin vorwirft. Quelle: Jacqueline Steiner
Brandenburg/H

Im Prozess um die Feuerwehr-Tragödie vom 5. September 2017 am Amtsgericht Brandenburg an der Havel gegen den Lkw-Fahrer, der in die Einsatzstelle gerast war, ist am Donnerstag das Urteil ergangen. Angeklagt ist der 57-jährige Stefan M. wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen und Körperverletzung. Das Schöffengericht unter Leitung der Vorsitzenden Richterin Susanne Götsche verurteilt Stefan M. zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft ohne Bewährung. Die Anklage forderte zuvor eine fast vierjährige Haftstrafe und beantragte noch im Gerichtssaal einen Haftbefehl gegen Stefan M. Ein Haftbefehl erging jedoch seitens des Gerichtes nicht.

Im Prozess um die Feuerwehr-Tragödie auf der A 2 bei Lehnin, bei der zwei ehrenamtlichen Retter 2017 ums Leben kam, wird am Donnerstag das Urteil erwartet. Die Anklage fordert fast vier Jahre Haft.

 

Der Anwalt des Angeklagten, Mario Schink, plädierte für eine Gesamtstrafe von nicht mehr als zwei Jahren auf Bewährung. Für eine dreiviertel Stunde zog sich das Schöffengericht zu einer Beratung zurück.

Letztlich verurteilte das Schöffengericht Stefan M. wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen, fahrlässiger Körperverletzung, fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und vorsätzlichem Fahrens ohne Führerschein. Dass der Angeklagte am zweiten Prozesstag selbst Auto gefahren sei, nannte Richterin Susanne Götsche „dreist und unverschämt“. Dies sei strafverschärfend gewesen. Stefan M. habe in der Unglücksnacht seine Übermüdung mit Sicherheit erkannt und wissen müssen, dass Sekundenschlaf drohe. Trotzdem setzte er seine Fahrt fort. „Das war riesig grob fahrlässig und die Folgen katastrophal.“

Das Urteil nannte die Vorsitzende Richterin vom Strafmaß über dem Bundesdurchschnitt vergleichbarer Taten. Sie betonte auch: „Wir können niemanden lebendig machen, mit keinem Urteil.“

Mutter eines Getöteten ist Nebenklägerin

Zu Beginn des dritten Verhandlungstages sagt die Mutter eines der getöteten Feuerwehrmänner aus. Sie ist eine von acht Nebenklägern in dem Prozess. Die 45-jährige Krankenschwester sprach von der familiären Situation nach dem Tod ihres 23 Jahre alten Sohnes Philipp. „Unser Leben, das wir hatten, ist von jetzt auf gleich nicht mehr da.“

Sie litte an Ess- und Schlafstörungen und habe ihre Tätigkeit als stellvertretende Stationsleiterin aufgeben müssen, weil sie dem nicht mehr psychisch gewachsen sei. „Wir haben auch große Angst, nun unser zweites Kind zu verlieren“, berichtet die Kloster Lehninerin.

>>LESEN SIE AUCH: Lkw-Fahrer muss mit weiterer Anklage rechnen

Ein Anwalt schildert darauf auch die schwierige Situation in der Familie des zweiten getöteten Feuerwehrmannes. Dieser hinterließ seine Ehefrau, die zum Unglückszeitpunkt schwanger war, und ein einjähriges Kind. Das zweite Kind ist im Frühjahr dieses Jahres zur Welt gekommen. Beide Kinder wachsen nun als Halbwaisen auf.

Angeklagter war schon zuvor mehrfach zu schnell unterwegs

Die Vorsitzende Richterin Susanne Götsche verliest anschließend auch Auszüge aus der Verkehrssünderkartei. Danach ist der Angeklagte vermehrt wegen Überschreitung des zulässigen Tempos aufgefallen.

Staatsanwalt Peter Petersen fordert für den Angeklagten 3 Jahre und 7 Monate Haft. Er fordert um 11.22 Uhr einen Haftbefehl gegen Stefan M. – wegen Fluchtgefahr. Dem Strafmaß schließt sich auch der Anwalt des verletzten Feuerwehrmannes an. Staatsanwalt Petersen betont auch das Ziel der abschreckenden Wirkung des Urteils. M. habe zwei Menschenleben „ausradiert“ und einen Feuerwehrmann schwer verletzt. Die Unfallstelle sei mit insgesamt 9000 Watt starken Lichtmasten „taghell ausgeleuchtet und zwar so hell, dass es keinen Schattenwurf gab“, sagte der Anklagevertreter. Aus 1000 Metern bei klarer Nacht sei die Einsatzstelle zu erkennen gewesen. Der Unfall, zu dem die Feuerwehrleute um 2 Uhr nachts ausgerückt waren, sei „hervorragend abgesichert“ gewesen, so Petersen.

„Eindruck, dem Angeklagten sei alles egal“

Anwältin Ulrike Stasche, die die nebenklagende Mutter vertritt, spricht von schwerstem Leid, das zwei Familien zugefügt worden sei. „Man hat den Eindruck, dass dem Angeklagten alles egal ist.“ Innerhalb eines Jahres habe sich Stefan M. vor dem Unfall fünf Eintragungen in der Verkehrssünderkartei eingehandelt, dazu habe er Bußgelder von über 1000 Euro angesammelt.

„Das zeigt, dass ihm die Rechtsordnung egal ist.“ Die Anwältin der nebenklagenden Mutter eines der getöteten Feuerwehrmänner beantragt eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren.

Der Angeklagte leidet nach Angaben seines Anwaltes an einer Posttraumatischen Belastungsstörung und ist seit dem Unfall krankgeschrieben. Der Lkw-Fahrer, der seit Februar arbeitslos ist, befindet sich dem Anwalt zufolge in psychologischer Behandlung. Beim Unfall selbst erlitt Stefan M. Schnittverletzungen, Prellungen und einen gebrochenen Finger. Am Urteilstag begleitet ein Pfarrer den Angeklagten.

Der Rechtsanwalt zitiert mehrere Urteile anderer Gerichte in Deutschland, bei denen bei tödlichen Unfällen nur Bewährungsstrafen verhängt worden waren.

Staatsanwalt fordert posthume Ehrung für Sebastian K.

Das auffällig hohe Strafmaß begründet Staatsanwalt Petersen mit dem Vorwurf, Stefan M. hätte die Anzeichen seinen drohenden Sekundenschlafes bewusst ignoriert und dadurch vorsätzlich den Straßenverkehr gefährdet. Die Folgen, der Tod zweier Menschen und die Verletzung eines damals 22-jährigen Feuerwehrmannes, seien fahrlässig begangen worden. „Der Angeklagte ist mit 89 Stundenkilometern mit einem 20 Tonnen schweren Lastwagen im Blindflug über die Autobahn“, so der Staatsanwalt. „Das wirkt wie ein Selbstmordkommando.“ Als strafverschärfend wirke auch „die Dummheit des Angeklagten, mit dem Auto trotz Führerscheinentzuges zu seiner eigenen Hauptverhandlung zu fahren“, so Petersen.

Eine Prozessbeobachterin hatte am zweiten Verhandlungstag das gesehen und ein Handyvideo davon aufgenommen. Das wurde in der Verhandlung nun von der Richterin auf einem großen Bildschirm abgespielt.

Für den tödlich verunglückten Feuerwehrmann Sebastian K. fordert Petersen eine posthume Ehrung durch den Staat. Der 38-Jährige ehrenamtliche Retter stieß in jener Unglücksnacht im letzten Moment seines Lebens einen Kameraden aus der Gefahrenzone, „um ihm das Leben zu retten“, so Petersen. „Das ist Retten, Löschen, Bergen bis zum letzten Atemzug.“

Die Vorsitzende Richterin überlässt dem Angeklagten das letzte Wort vor der Urteilsverkündung. „Es tut mir sehr leid, es hätte nicht passieren dürfen. Ich kann es nicht rückgängig machen“, sagt Stefan M.

Von Marion von Imhoff

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