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Brandenburg/Havel Vater wollte eigenes Baby vergiften
Lokales Brandenburg/Havel Vater wollte eigenes Baby vergiften
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17:33 19.07.2014
Das Baby wurde in der Kinderstation des Klinikums Brandenburg/Havel untersucht. Quelle: dpa-Archiv
Brandenburg an der Havel

Einen Mordversuch an einem zwölf Monate alten Baby gab es offenbar am Städtischen Klinikum Brandenburg/Havel Ende Juni, wie Klinik-Geschäftsführerin Gabriele Wolter sagt. Wegen des "dringenden Verdachts der versuchten Tötung" wurden am 30. Juni die Eltern in der Klinik festgenommen. Inzwischen ist die Mutter frei, der Vater sitzt in der JVA Brandenburg. Er hat offenbar versucht, das Kind im Klinikum zu vergiften. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt nun wegen versuchten Totschlags.

Dass Julia Berger (Name geändert) Anfang Juli ihren ersten Geburtstag erlebte, verdankt sie nach einem monatelangen Martyrium der Geistesgegenwart und dem medizinischen Geschick des Kinderärzteteams um Chefarzt Hans Kössel.

Leidensgeschichte beginnt in Schleswig-Holstein

Julia war am 26. Juni im Koma liegend als Notfall von der Helios-Kinderklinik in Brandenburg-Hohenstücken ins Städtische Klinikum verlegt worden. Im Helios-Klinikum war das als körperlich zurückgeblieben und unterernährt beschriebene Kind einige Wochen lang zur Rehabilitation. Die Leidensgeschichte hatte vor Monaten in Neumünster in Schleswig-Holstein begonnen, als das Kind nicht mehr zunahm, nicht aß und nicht mehr wuchs. Weil es nicht mehr schluckte, war ihm ein Zugang über den Magen gelegt worden, über den es ernährt wurde. Nach dem Krankenhausaufenthalt kam Julia mit den Eltern nach Hohenstücken. Kurz vor der Entlassung aus der Helios-Klinik verschlechterte sich der Zustand wieder und das Mädchen fiel ins Koma, nachdem der Vater mit ihm spazieren war.

Retter des Babys: Dr. Hans Kössel, Chafarzt der Kinderstation. Quelle: Daniela Wagner

Schrecklicher Verdacht wird zur Gewissheit

Im Städtischen Klinikum wurde das Kind umfassend untersucht und wachte nach einigen Stunden überraschend auf. Nach einer längeren Wachphase, die Julia mit ihren Eltern verbrachte, fiel sie wieder ins Koma und musste beatmet werden. Als alle Untersuchungen eine organische Ursache ausschlossen, kam den Ärzten der Verdacht, dass die Eltern damit zu tun haben könnten, da die Verschlechterung nur in ihrem Beisein auftrat. Eine Untersuchung des Blutes und des Mageninhalts ließen den Verdacht zur vorläufigen Gewissheit werden. Festgestellt wurden dem Vernehmen nach Reste von Alkohol, Nikotin und Desinfektionsmitteln, die über den künstlichen Magenzugang verabreicht wurden. Tathergang und Mix wollte die Polizei nicht bestätigen. Die Untersuchungen des Landeskriminalamtes dauern an.

Vater könnte an Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leiden

Inzwischen besteht ein "dringender Tatverdacht wegen des Vorfalls im Klinikum gegen den Vater", sagt Staatsanwalt Christoph Lange. Allerdings wird weiter ermittelt – auch mit Blick auf mögliche vorangegangene Straftaten. Offen ist, ob der Vater sein Kind töten wollte oder die "Tötung nur billigend in Kauf nahm", wie Kössel vermutet. Er hält es für wahrscheinlich, dass der Vater an einem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet. Das ist eine seltene Krankheit, zu der das Verursachen von Krankheiten bei Dritten, meist eigenen Kindern, gehört, um dann deren medizinische Behandlung zu verlangen. Diese Form der Kindesmisshandlung kann zum Tod des Opfers führen und geht meist von Müttern aus.

Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom

  • Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom ist das Erfinden oder Verursachen von Krankheiten bei Dritten, meist Kindern, um die medizinische Behandlung zu verlangen.
  • Es handelt sich um eine subtile Form der Kindesmisshandlung, die bis zum Tod des Opfers führen kann.
  • Eine eindeutige Erklärung für die Verhaltensweise gibt es in der medizinischen Fachliteratur bisher nicht. Vermutet wird allerdings, dass die Erkrankten über das kranke Kind Aufmerksamkeit und Zuwendung von Angehörigen und medizinischem Personal für sich einfordern.
  • Die wahren Ursachen für das angegebene oder vom Kind gezeigte Beschwerdebild werden bei medizinischen Vorstellungen nicht angegeben.
  • Benannt ist das Sympton nach Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, dem sogenannten Lügenbaron.

Inzwischen geht es Julia besser. Das Kind hat zugenommen "und entwickelt sich den Umständen entsprechend prächtig", sagt Chefarzt Kössel. Das Mädchen wurde in die Helios-Klinik verlegt. Dort will man sich mit dem Verweis auf "die ärztliche Schweigepflicht" nicht äußern. Auch auf die Frage, warum man dort nicht erkannte, in welcher Gefahr das Kind offenkundig schwebte, gibt es keine Antwort.

Von Benno Rougk

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