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Vehlen: Mufflons fühlen sich heimisch

Schalenwildart Vehlen: Mufflons fühlen sich heimisch

Fast 50 Jahre nach seiner Einbürgerung fühlt sich der ursprünglich aus Korsika und Sardinien stammende Mufflon in der Region heimisch. In Potsdam-Mittelmark sind laut Torsten Fritz von der Unteren Jagdbehörde 107 Tiere gemeldet, die bei Vehlen, Altbensdorf teilweise bis Neu-Plaue anzutreffen sind. Der Bestand ist heute gesund.

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Quelle: Peter Geisler

Vehlen. Fast 50 Jahre nach seiner Einbürgerung fühlt sich der ursprünglich aus Korsika und Sardinien stammende Mufflon in der Region heimisch. In Potsdam-Mittelmark sind laut Torsten Fritz von der Unteren Jagdbehörde 107 Tiere gemeldet, die bei Vehlen, Altbensdorf teilweise bis Neu-Plaue anzutreffen sind. „Der Bestand ist über Jahre konstant und liegt auf dem richtigen Niveau.“ Früher habe es auch einen im Hohen Fläming bei Raben gegeben, der um 2005 erloschen sei. „Die Ursache ist nicht bekannt“, sagt Fritz. Vermutlich wanderten die Mufflons nach Sachsen-Anhalt ab.

Klaus Weigel

Klaus Weigel

Quelle: Nack

Dort hat alles angefangen. „Dass es hier welche gibt, ist Oberförster Pernack aus Schlagenthin zu verdanken“, weiß Klaus Weigel aus Warchau. Der 61-jährige Jäger und Hundeführer, der in Woltersdorf aufgewachsen ist, und sein Vater Kurt kannten Pernack. Dieser sei nach dem Zweiten Weltkrieg als junger vertriebener Förster aus den Sudeten gekommen und habe von den Mufflons in seiner Heimat, dem Riesengebirge, geschwärmt. Ende der 60er Jahre baute er mit Schlagenthiner Jägern an der Oberförsterei ein Gatter. Zunächst waren es ein halbes Dutzend Tiere, die aus zwei Populationen stammten.

Mufflon-Bestand ist seit Jahren konstant

„Aus dem Harz und aus Zehdenick, wo zu DDR-Zeiten Mufflonforschung betrieben wurde“, erzählt Weigel. „Wir Bensdorfer hatten erst keine Ambitionen, denn wir hatten schon drei Schalenwildarten die das Jagdgesetz damals zuließ.“ Nach fünf, sechs Jahren entließ Pernack zwei Mutterschafe, zwei Lämmer und einen jungen Widder in die Freiheit, die sich zunächst in der Gegend aufhielten. Bei einer großen Treibjagd Mitte der 70-er Jahre habe eine Hundemeute die Mufflons so in Bewegung gebracht, dass sie ihr Einstandsgebiet verließen, auf den Vehlener Berg zogen und blieben. „Das war eine Attraktion für Vehlen“, erinnert sich der 61-Jährige.

Genügsam und standorttreu

Der Mufflon ist eine Wildschafart, genügsam und standorttreu. Der europäische Muffel war ursprünglich nur auf den Mittelmeerinseln Korsika und Sardinien verbreitet, inzwischen in etlichen Gegenden.

Auch im Land Brandenburg gibt es in weiteren Regionen Muffelwild. Zum Beispiel im Schlaubetal bei Eisenhütten, in Oberhavel bei Liebenberg und in der Schorfheide. Zu DDR-Zeiten wurde es ausgewildert, um die Artenvielfalt zu erhöhen. Forschungsreviere gab es in Zehdenick und Freileben (Spreewald).

Keine Chance hat ein Mufflon im Duell mit dem Wolf. Ein kurzer schneller Sprint, dann bleibt das Wildschaf stehen und schaut sich um – ein tödliche Fehler.

Die drei Jagdgruppen aus Schlagenthin, Kleinwusterwitz (Sachsen-Anhalt) und dem brandenburgischen Altbensdorf trafen damals eine Vereinbarung, dass kein Muffelwild erlegt, Hegemaßnahmen erarbeitet und die Population weiter aufgebaut werden soll. Wildbiologen wie ein gewisser Döpke gaben sich ein Stelldichein und hielten Vorträge über Äsungsbedingungen, Fortpflanzung und Krankheiten von Mufflons. Da der Boden zu weich war, verloren einige ihre Schalen oder es kam zu Verwachsungen. „Die Schuhen sich aus“, hieß es in er Jägersprache. Auf Bäumstümpfen wurden Salzlecksteine gelegt mit medikamentös behandelte Klauenmatten davor.

Man verständigte sich darauf, schwer laufkranke Tiere zu erlegen. Kurt Weigel schoss Ende der 70er Jahre den ersten Widder. „Das war eine kleine Sensation. Bis in die Nacht wurde gefachsimpelt, die Leute kamen zum Angucken." Damals wurde spekuliert, dass dieser starke Widder vom Truppenübungsplatz Klietz eingewandert gewesen sei. Mit zunehmender Population wurden Tiere bejagt, etwa wo Schnecken bei Widdern eingewachsen waren oder am Hals scheuerten. Anfang der 80-er suchten sich die Mufflons auch andere Einstände in Richtung Schlagenthin bis Genthin.

Nach der Wende stiefmütterlich behandelt

„Dann kam die Wende. Die Jagdgruppen fielen auseinander und das Muffelwild wurde stiefmütterlich behandelt“, findet Weigel. Bei Neuverpachtungen im Bereich der Jagdgenossenschaft Vehlen/Altbensdorf kamen neben Anhaltinern betuchte Pächter aus den alten Bundesländern zum Zuge. „Die einheimischen Jäger, die sich jahrelang um die Hege des Muffelwildes kümmerten, konnten finanziell nicht mithalten“, sagt er. Bis auf zwei Begehungsscheininhaber sei das für die anderen bitter.

„Im Jagdgesetz sind Mufflons als Schalenwildart definiert, die zu hegen und zu bejagen ist“, erklärt Torsten Fritz von der Unteren Aufsicht. Im vorigen Jahr wurden in der Region zwölf Mufflons zur Strecke gebracht worden und damit weniger als im Plan. Anders als in Sachsen-Anhalt, wo der Wolf als einziger natürlicher Feind schon Mufflons gerissen habe, sei ihm im Landkreis kein Fall bekannt.

Von Claudia Nack

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