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Brandenburg/Havel Verbundvertrag sichert Zukunft des Theaters
Lokales Brandenburg/Havel Verbundvertrag sichert Zukunft des Theaters
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02:15 10.11.2017
Die Entführung aus dem Serail am Brandenburger Theater.  Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

 Wenn die Brandenburger Stadtverordneten der Vorlage des Fachbereichsleiters Kultur Tim Freudenberg zur „Vereinbarung über Ziele, Leistungen und die Finanzierung des Theater- und Konzertverbundes 2017 bis 2018“ am 29. November zustimmen, dann hat das Brandenburger Theater (BT) zumindest für das Jahr 2018 und ein Verlängerungsjahr 2019 die Sicherheit, von Landesseite her wie bisher finanziert zu werden.

Für das Jahr 2018 kann das Theater wie im laufenden Jahr mit Zuschüssen in Höhe von 3,60 Millionen Euro vom Land rechnen – vorausgesetzt, die Stadt zahlt ebenfalls 3,6 Millionen Euro. Zusammen mit den Einnahmen in Höhe von knapp einer Millionen Euro im Jahr verfügt das BT über einen Etat von etwa acht Millionen Euro.

Die Vereinbarung bildet die Fördergrundlage des Landes für die Brandenburger Theater GmbH. Ursprünglich sollte der Verbundvertrag, der die Zusammenarbeit der Bühnen in Potsdam, Frankfurt/Oder, Brandenburg, Schwedt, Senftenberg und teilweise auch mit dem Staatstheater Cottbus regelt, längst in trockenen Tüchern sein. Dabei sind viele Vertragsbestandteile unverändert fortgeschrieben worden. „Naturgemäß überlagern sich bei einer Vielzahl von Vertragspartnern individuelle Interessenlagen“, schreibt Tim Freudenberg.

Die „individuellen Interessenlagen“ seien, wie der Kulturbeigeordnete Wolfgang Erlebach (Linke) einräumt, durchaus aus Brandenburg in die Diskussion geworfen worden. Denn hier tut man sich seit 15 Jahren schwer mit der Einhaltung des Vertrages: Ursprünglich war das BT für die Produktion des Musiktheaters im Verbund bestimmt: Also Musical, Operette, Oper.

Allerdings baute Brandenburg Sänger, Werkstätten, Tänzer und Fundus in kürzester Zeit ab – übrig blieb das Orchester. Ein großes Orchester aber steuert Frankfurt/Oder mit dem Staatsorchester zum Verbund bei. „Das alles hat zur Folge, dass wir mehr einkaufen mussten, als wir verkaufen können“, sagt der Kulturbeigeordnete Erlebach. Das Delta habe sich bisher auf 120 000 Euro im Jahr summiert, mit dem neuen Vertrag werde Brandenburg noch 35 000 Euro mehr für Gastspiele bezahlen als es durch den Verkauf einnehme.

Im Übrigen, so Erlebach, sei es „inzwischen akzeptiert, dass man mit uns produzieren muss, wenn man Musiktheater im Verbund haben möchte.“ Die Anfänge dafür seien mit dem Konzept von Katja Lebelt gemacht worden. Erlebach: „Die Möglichkeiten sind da, das sah man an der Café-Oske-Revue.“

Gescheitert sind die Brandenburger Verhandler aber mit dem Versuch in Verbundvertrag folgende Forderungen zu verankern: dass die Vertragspartner nach einem öffentlichen Verteilungsschlüssel gleichberechtigt gefördert werden; dass die Förderung der Theater und Orchester des Verbundes institutionell erfolgt und dass die Abnahmeverpflichtungen der Häuser durch einen Abnahmepool oder freiwillige bilaterale Verabredungen ersetzt werden.

Dem Vertragsentwurf liegt eine „Abnahmetabelle“ für die Jahre 2017 bis 2018 ab. Nach der nimmt das BT jetzt weniger Vorstellungen im Bereich Schauspiel und Jugendtheater aus Potsdam ab, es gibt auch nur noch ein Konzert des Staatsorchesters Frankfurt in zwei Jahren und auch die Cottbusser Operninszenierungen, bei denen vor Ort die Brandenburger Symphoniker die Orchesterbegleitung stellten, wurden von zwei Inszenierungen (mit je zwei Aufführungen) in zwei Jahren auf eine Inszenierung im gleichen Zeitraum reduziert.

Wie geht weiter am BT? „Wir wollen unseren Gästen wieder mehr bieten“, sagt BT-Aufsichtsratchef Erlebach dennoch. Derzeit erarbeitet das Theater den Entwurf eines künstlerischen Profils, den er nicht kenne. Er sei überzeugt, dass sich das Profil-Konzept am Vorschlag der vorherigen künstlerischen Leiterin Katja Lebelt orientiert, sagt Erlebach zur MAZ.

Das Konzept, mit dem Orchester und freien Kräften wieder zu produzieren, sei „von ausnahmslos allen Seiten gelobt worden.“ Vier Aufsichtsräte aus dem politischen Raum hätten, so Erlebach, dazu gehört und die Richtung gewiesen. BT-Geschäftsführer Klaus Deschner, sei gut beraten, die Ideen aufzugreifen, bevor Pläne im politischen Raum diskutiert würden.

Auch personell zeichnen sich am BT Veränderungen ab. Mehrfach wurde offen unter den Partnern im Theaterverbund spekuliert, dass Brandenburg Victoria Tafferner wohl als Orchesterdirektorin auch zur Lebelt-Nachfolgerin gemacht würde. Das kann sich Erlebach vorstellen. Allerdings werde es „eine Ausschreibung geben, wenn das Konzept steht. Und das nicht nur proforma.“ Bewegung kommt auch in die Suche nach einem Chefdirigenten und einem Geschäftsführer.

Aufsichtsrat Florian Schmidt (CDU) hatte jüngst den Stand der Suche nach einem Nachfolger für Deschner (73) abgefragt. Ein solches Auswahlverfahren werde in drei bis vier Monaten über die Bühne zu bringen sein, so Erlebach. Bis zum Sommer 2018 sei Zeit, man gehe das Unterfangen nun an.

Für die Wahl des Nachfolgers von Dirigent Peter Gülke (83) stehe zum Spielzeitende im Sommer „ein Kandidat fest. Vielleicht werden es auch zwei.“ Aber auch das Thema wolle er als BT-Aufsichtsrat und Beigeordneter zur Spielzeit 2018/19 zum Abschluss bringen.

Von Benno Rougk

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