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Brandenburg/Havel Vergiftete Bäume im Erholungsgebiet
Lokales Brandenburg/Havel Vergiftete Bäume im Erholungsgebiet
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10:04 02.08.2016
Gruselig sehen die abgestorbenen Bäume an dieser Stelle des Eggertsberges aus. Quelle: Privat
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Wusterwitz

Wer macht denn so was? Unbekannte haben im Wochenendhausgebiet auf dem Eggertsberg mehrere Bäume angebohrt und vergiftet. Folge: Die betroffenen Exemplare vertrocknen jämmerlich, lassen ihre Blätter fallen oder sind bereits komplett kahl. Ein gruseliger Anblick auf dem Naherholungsareal, das schon zu DDR-Zeiten für seine zahlreichen Betriebsbungalows hoch über dem Westufer des Wusterwitzer Sees bekannt war.

Ersatz für Fällungen

Für das Plangebiet Eggertsberg gibt es konkrete Festlegungen zur Erhaltung von Bäumen. Grundsätzlich ist der ausgewiesene Baumbestand zu erhalten. Stehen Fällungen im Zusammenhang mit baugenehmigungsfreien Vorhaben, genügt die Anzeige bei der Gemeinde Wusterwitz beziehungsweise im Amt.

Der Ersatz ist wie folgt festgesetzt: Für Bäume ab einem Stammumfang von 60 Zentimeter ist pro angefangener 30 Zentimeter Stammumfang eine Einzelbaum als Ersatz zu pflanzen. Der Stammumfang der zu fällenden Bäume ist in einer Höhe von 1,30 Meter über dem Erdboden zu messen.

Sollte eine Fällung im Zusammenhang mit der Errichtung oder Erweiterung baugenehmigungspflichtiger Anlagen stehen, ist die Zulassung bei der Baugenehmigungsbehörde des Landkreises zu beantragen.

Der Spuk begann im Mai nach den Pfingstfeiertagen. „Wir saßen auf unserer Terrasse als es plötzlich grüne Blätter regnete. Eine Woche später war die erste Robinie auf dem unter uns liegenden Nachbargrundstück tot“, erinnern sich Gudrun und Bernd Ungnad. Das Ehepaar aus Magdeburg erwarb nach der Wende eine Datsche auf dem Eggertsberg und konnte später das knapp 400 Quadratmeter große Grundstück dazu kaufen. „Wir kommen jedes Wochenende nach Wusterwitz. Es ist wie ein kleiner Urlaub. Gerade der alte Baumbestand macht den Eggertsberg zu einem idyllischen Fleckchen Erde“, finden die Magdeburger.

Gudrun und Bernd Ungnad auf dem Eggertsberg. Im Hintergrund eine vertrocknete Eiche. Quelle: Frank Bürstenbinder

Doch die Freude über den Bungalow im Grünen ist derzeit mehr als getrübt. Es blieb nicht bei einer absterbenden Robinie im Umfeld. Danach ging eine in voller Pracht stehende Birke auf einem weiteren Nachbargrund ein. Schließlich kränkelte eine Eiche auf dem eigenen Grundstück der Ungnads. Nur noch ein kleiner Teil der Krone trägt gesunde Blätter. Nach einer weiteren Robinie traf es ein Ulme direkt vor der Terrasse der Magdeburger. „Wir haben bergeweise Laub weggeschafft“, berichtet Gudrun Ungnad.

Unterhalb dieses inzwischen verschlossenen Bohrlochs sind noch die Späne zu sehen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Alarmiert vom Baumsterben wandte sich das Ehepaar an den Baumpflege-Experten Gernot Räbel aus Ziesar. Dieser entdeckte den unheilvollen Grund für den mysteriösen Laubfall. Alle Stämme sind im untersten Bereich mehrfach angebohrt worden. Die Löcher weisen einen Durchmesser von etwa acht Millimeter und eine Tiefe von rund neun Zentimeter auf. „Alle Manipulationen entstanden durch Menschenhand“, ist Räbel überzeugt. Doch diese Löcher allein bringen noch keinen gesunden Baum um. Sehr wahrscheinlich war Gift im Spiel. Möglicherweise wurde in die Bohrlöcher das Breitbandherbizid Glyphosat injiziert, das als Roundup in Kleingebinden unter Hobbygärtnern bekannt ist. Ähnliche Fälle gab es bereits in anderen Fällen Deutschlands. Das Gift verhindert die Photosynthese, der Ernährungskreislauf wird gestört.

Eine Ulme lässt mitten im Sommer ihre Blätter fallen. Quelle: Frank Bürstenbinder

Unter Nachbarn sind die toten Bäume Gesprächsthema Nummer eins. Bernd Ungnad hat Anzeige bei der Brandenburger Polizei erstattet. Die Ordnungsbehörde des Amtes Wusterwitz war zu einem Lokaltermin auf dem Eggertsberg. „Wir verurteilen diesen Baumfrevel. Aber zu den Hintergründen können wir keine Aussage treffen“, sagte Fachbereichsleiterin Monika Bothe der MAZ.

Bernd Ungnad an einer aufgebohrten Ulme. Quelle: Frank Bürstenbinder

Sollte kein Verursacher der Straftaten ermittelt werden, bleiben die privaten Grundstücksbesitzer auf den Kosten einer sehr wahrscheinlichen Fällung sitzen. Außerdem muss für jeden entnommenen Baum eine Neuanpflanzung erfolgen. So sehen es die Bestimmungen im Bebauungsplan vor, mit dem eine städtebauliche Ordnung auf dem knapp fünf Hektar großen Gelände erreicht werden soll. Weil es sich um ein genehmigtes B-Plan-Gebiet handelt, müssen Baumfällungen nicht beim Landkreis beantragt werden. Sie sind außerhalb der Brut- und Nistzeit ohne besondere Genehmigung möglich. Es genügt die geplante Fällung beim Ordnungsamt anzuzeigen. Um so rätselhafter bleibt das Motiv für die Baumvergiftungen.

Von Frank Bürstenbinder

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