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Verkehrssünder im „Rotlicht-Milieu“

Brandenburg an der Havel Verkehrssünder im „Rotlicht-Milieu“

Zwei Dutzend Autofahrer ignorieren in nur vier Stunden an einer Kreuzung in Brandenburg an der Havel das Rotlicht an der Ampel. Die Polizei sieht sich darin bestätigt, ihre Kontroll- und Informationsoffensive in diesem Jahr auf die Schwerpunkte Ampeln, Abbiegen, Vorfahrt und Toter Winkel auszurichten.

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Polizeioberkommissar Mario Eichberger steuert die Videotechnik im Wagen und alarmiert bei Vergehen seine Kollegen.

Quelle: André Wirsing

Brandenburg/H. 23 Autofahrer sind innerhalb von vier Stunden am Mittwochmorgen über die Ampel Rathenower Landstraße/Upstallstraße bei Rotlicht gefahren – sie werden nun dafür zur Verantwortung gezogen. Zwölf weitere Verstöße ahndeten die eingesetzten Polizisten „nebenbei“ – vier Fahrer hatten keinen Sicherheitsgurt angelegt, zwei telefonierten, in vier Fällen fehlten Dokumente, bei einem waren die Kennzeichentafeln nicht montiert.

Polizeidirektor Endro Schuster und sein Team vom Direktionsbereich Verkehrsangelegenheiten haben ihre Informations- und Kontrollkampagne mit Abbiege- und Rotlichtfahrkontrollen in der Havelstadt gestartet – direkt an der Kreuzung, an der am 24. Januar ein zehnjähriges Mädchen auf ihrem Fahrrad unter einen abbiegenden Lkw geriet und an den Folgen starb.

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Mit großem Aufwand und spezieller Videotechnik kontrolliert die Polizei in ihrer neuesten Kampagne vor allem das Verhalten der Auto- und Lastwagenfahrer an Kreuzungen – es geht ums Abbiegen, um Vorfahrt und um Rotlichtvergehen.

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„Der tragische Unfall war natürlich der Anlass, gerade hier unsere Offensive zu starten. Vorfahrtsfehler sind die Unfallursache Nummer 1 in den Städten, und wir haben hier sehr viele Kreuzungen“, sagt Schuster. Er hatte sich im Vorfeld bemerkenswerte Zahlen zur Stadt zuarbeiten lassen. „Bei 75 Prozent dieser Unfälle hatten die Verursacher ein BRB-, ein PM- oder ein HVL-Kennzeichen. Das heißt, sie müssten sich eigentlich mit der Verkehrssituation in Brandenburg an der Havel auskennen. Wir sprechen hier von einem so genannten Routineversagen.“ Im Klartext: Im gewohnten Trott und auf vermeintlich sicherem Terrain hapert es oft an Aufmerksamkeit und Konzentration.

Polizeioberkommissar Mario Eichberger steuert die Videotechnik in dem zivilen Caddy, der sonst am Straßenrand zur Geschwindigkeitsüberwachung steht. „Wir haben Gesamtschaltungskenntnis der Ampel, kennen also alle jeweiligen Phasenabläufe. Die Ampeln sind gut geschaltet, diese Schaltungen müssen beantragt, eingereicht und geprüft werden. Diese Daten haben wir.“ Deshalb sei es auch problemlos möglich, beispielsweise nicht nur die Rotlichtverstöße in seiner Blickrichtung zum Stadtausgang nach Rathenow festzustellen, sondern auch die in der rechtwinklig dazu verlaufenden Upstallstraße. Die dabei angefertigten Videos seien auch Beweismittel und gerichtsfest, „weil es ja einen plausiblen Lichtphasenablauf gibt, dann kann ein Verkehrssünder nur bei Rot gefahren sein“. Vor dem Einsatz prüft Eichberger die Genauigkeit der Aufzeichnung. „Wenn die Gelbphase exakt drei Sekunden lang ist, darf die Aufzeichnung der Kamera maximal um 0,02 Sekunden davon abweichen.“

In Empfang genommen wurden die meisten Verkehrssünder von seinen Kollegen nahe der McDonald’s-Filiale. „Ein Lkw-Fahrer hat offen zugegeben, dass er seine Brille nicht getragen hat, als er mit drei, vier Sekunden ,Verspätung’ bei Rot über die Ampel gefahren ist“, sagt Oberkommissar Toni Maaß. Er und seine Kollegen hatten neben den Meldungen aus dem Videowagen auch verdachtsunabhängige Kontrollen bei einzelnen Autofahrern durchgeführt, sie auf den Konsum von Alkohol oder Rauschmitteln überprüft. Doch dann hatten sie genug mit den Rotlicht-Sündern zu tun. „Je höher die zu erwartende Strafe ist, umso verrückter werden die Ausreden“, resümiert Polizeidirektor Schuster.

Das kann Maaß bestätigen: „Bis zum endgültigen Auswerten der Beweisvideos gehen wir von der berühmten Sekunde mit 90 Euro Bußgeld aus, wenn es sich aber in Richtung 200er-Strafe bewegt, werden die Begründungen blumiger.“

Von André Wirsing

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