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Brandenburg/Havel Vermieter zahlt nicht: Ab Freitag kein Strom
Lokales Brandenburg/Havel Vermieter zahlt nicht: Ab Freitag kein Strom
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00:20 27.08.2017
Familie Hüwelthewes mit ihrem Bretterverschlag. Das ist derzeit nicht das drängendste Problem. Quelle: Jürgen Lauterbach
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Vor gut einem Jahr sind Nadine (33) und Matthias Hüwelthewes (30) mit sechs Kindern aus Niedersachsen in die Carl-Ferdinand-Wiesike-Straße gezogen. Sie waren froh, eine ausreichend große 7-Raum-Wohnung zu finden, die das Jobcenter Brandenburg derzeit finanziert.

Doch sechs Wochen später begann der Ärger. Zweimal drohte ihren Angaben zufolge der städtische Wasserversorger Brawag den Wasserhahn zuzudrehen, weil der Vermieter die Rechnung nicht bezahlt habe. Das Jugendamt machte wenig später Stress, weil die Heizkörper noch nicht eingebaut waren.

Mängel in der Wohnung wurden nach Angaben der Mieter trotz Versprechungen nicht oder erst nach langem Warten behoben. Bis heute fehlt der Balkon. Wer die Balkontür öffnet, kann an dem losen Bretterverschlag rütteln, der verhindert, dass die kleinen Kinder der großen Familie direkt rausfallen.

Auch das Treppenhaus ist heruntergekommen. Quelle: Jürgen Lauterbach

Nach Angaben der Mieter funktioniert die Heizung im Kinderzimmer nicht, was im Winter zum Problem werden dürfte. Sie beklagen, dass die Fenster undicht sind, sich Schimmel an der Wand bildet und gelegentlich Dachziegel zu Boden stürzen. Doch alle diese Dinge sind nicht die akuteste Sorge. Die gilt einem Schreiben der Stadtwerke Brandenburg vom Montag. Die Mieter werden informiert, dass die Stromversorgung an der Hausanlage nicht bezahlt worden sei. Der städtische Energieversorger sieht sich gezwungen, die Stromversorgung an diesem Freitag zwischen 10 und 16 Uhr „aufgrund der Zahlungsrückstände des Vermieters/Eigentümers einzustellen“.

Vermieter 40.000 Euro im Rückstand

„Dann hätten wir und die Kinder kein warmes Wasser mehr“, begründet Matthias Hüwelthewes seinen Hilferuf. Die Sorge scheint begründet. Denn die Forderungen der Stadtwerke an den Eigentümer summierten sich auf 40.000 Euro, berichtet Geschäftsführer Uwe Müller. „Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem es nicht mehr weitergeht“, sagt der Stadtwerke-Chef.

Vom Dach sollen öfter Dachziegeln fallen. Quelle: Jürgen Lauterbach

Das Unternehmen versuche zwar stets einen Weg der Einigung zu finden. Aber wenn Vereinbarungen über lange Zeit nicht eingehalten würden, müssten die Stadtwerke handeln. Zwar sei gerade ein Teil der Schulden bezahlt worden, doch der betreffe nicht die Wohnadresse der erwähnten Familie. Sollte der Vermieter kurzfristig noch zahlen, werde die Stromversorgung nicht gesperrt. Da es sich letztlich um Geld des Jobcenters handelt, wird sich nun auch die Behörde um den Sachverhalt kümmern, wie Bereichsleiter Martin Blatt verspricht.

Aus Vermietersicht stellt sich alles anders dar

Florian Reddemann als Vertreter der Eigentümerin sieht das Verschulden bei den Mietern und den Stadtwerken. Die Mieter seien Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen. Gleichwohl müssten sie keinen Warmwasserengpass befürchten, weil der Hausstrom nur das Flurlicht betreffe.

Vor zwei Jahren hatte diese Familie ähnliche Probleme mit dem gleichen Vermieter. Sie ist inzwischen ausgezogen Quelle: Jacqueline Steiner

Die Stadtwerke hätten sich ihrerseits nicht an Ratenzahlungsvereinbarungen gehalten, die Summe von 40.000 Euro sei im Übrigen falsch. Reddemann kritisiert den Energieversorger wegen dessen unordentlichen Buchungssystems und der fehlenden Bereitschaft, ihm als Kunden Buchungslisten auszudrucken. Hinsichtlich der Mängel weist er darauf hin, dass die Wohnungen baurechtlich abgenommen worden seien.

Vor zwei Jahren berichtete die MAZ über eine junge Familie des gleichen Vermieters in derselben Straße, die ähnliche Klagen führten: fehlende Stromversorgung, Baumängel wie lose Kabel, Ankündigungen, wegen nicht bezahlter Rechnungen des Vermieters die Energiezufuhr zu kappen. Diese junge Familie ist inzwischen ausgezogen und hat die Stadt verlassen.

Von Jürgen Lauterbach

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