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Verschollener Arbeiter klagt gegen Kündigung

Monatelang unentschuldigt gefehlt Verschollener Arbeiter klagt gegen Kündigung

Viel Geduld, Fürsorge und Nachsicht hat ein Brandenburger Unternehmen gegenüber einem Mitarbeiter aufgebracht, der zweieinhalb Monate lang nicht zur Arbeit erschienen war und sich weder krankgemeldet noch sonst wie entschuldigt hatte. Das erste, was der Betrieb nach langer Abwesenheit von seinem Arbeiter hörte, war dessen Kündigungsschutzklage.

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Quelle: dpa

Brandenburg/H. Viel Geduld, Fürsorge und Nachsicht hat ein Brandenburger Unternehmen gegenüber einem Mitarbeiter aufgebracht, der zweieinhalb Monate lang nicht zur Arbeit erschienen war und sich weder krankgemeldet, noch sonst wie entschuldigt hatte. Das erste, was der Betrieb nach langer Abwesenheit von seinem Arbeiter hörte, war dessen Kündigungsschutzklage.

Carsten Z. begann vor fast zehn Jahren seine Ausbildung in dem Industrieunternehmen und wurde anschließend als Facharbeiter übernommen. Der Rechtsanwalt seines Arbeitgebers zählte vor dem Arbeitsgericht auf, dass er bereits mehrere Abmahnungen kassiert hatte, weil er nicht zur Arbeit erschienen war, ohne sich abzumelden.

Nach Fehltagen im April und Mai erschien er auch am 29. Juli nicht zum Schichtbeginn. Statt ihm sofort die fristlose Kündigung ins Haus zu schicken, bemühte sich sein Arbeitgeber darum, das Fehlen aufzuklären. Doch ein Einschreiben kam zurück in den Betrieb.

Am 10. August machten sich zwei Mitarbeiterinnen auf den Weg zum ihm nach Hause. Doch sie standen vor verschlossenen Türen und erfuhren nichts über seinen Verbleib.

Wenig später begannen die Sommerbetriebsferien. Doch nach deren Ende Anfang September gab es kein Lebenszeichen von Carsten Z., der offenbar spielsüchtig ist. Der Betriebsrat wusste etwas mehr, machte aber mit Rücksicht auf den jungen Mann nur nebulöse Andeutungen.

Der Brandenburger Betrieb kündigte seinem Mitarbeiter daraufhin fristlos und hilfsweise ordentlich. Dagegen wehrte er sich anschließend mit einer Kündigungsschutzklage und mit Hilfe eines DGB-Rechtsbeistandes.

In der Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht klärte der junge Mann zumindest teilweise auf, was los war. Er begründete sein unentschuldigtes Fernbleiben damit, dass er von anderer Seite im Unternehmen erpresst werde. Da die Ermittlungen dazu noch nicht abgeschlossen seien, könne er Näheres nicht dazu sagen.

Nach den Betriebsferien habe er sich entschuldigen wollen, doch im September habe er eine Ersatzfreiheitsstrafe antreten müssen. Aus dem Gefängnis heraus habe er seinen Arbeitgeber nicht anrufen dürfen, behauptete Carsten Z. Auf den Vorhalt von Arbeitsgerichtsdirektor Toralf Engelbrecht, das hätten doch Angehörige erledigen können, gab es wiederum nur nebulöse, unbefriedigende Erklärungen.

Der junge Arbeiter startete im Verfahren einen letzten Versuch, vielleicht doch noch in Arbeit zu bleiben. Im Gefängnis habe er sich beraten lassen wegen seiner Spielsucht. Er wolle nun eine Therapie machen und ein neues Leben in einer anderen Stadt beginnen. Ob er nicht an einem anderen Standort seines Betriebs versetzt werden könne?

Ganz so weit ging die Fürsorge seines langjährigen Arbeitgebers dann doch nicht. Immerhin gewährte sie ihm seinen zweiten Wunsch, eine Finanzspritze zur Überbrückung. Carsten Z. wird nun ordentlich gekündigt zum Jahresende. Solange erhält er noch seinen Lohn, ohne noch einmal an seinem Arbeitsplatz erscheinen zu müssen.

Die Personalleiterin schärfte dem scheidenden Mitarbeiter ein, dass er die mutmaßliche Erpressung seinem Arbeitgeber hätte melden müssen. „Denn wir sind die einzigen, die dann etwas machen können“, erklärte sie.

Von Jürgen Lauterbach

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