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Brandenburg/Havel Versorgungsnot und Verkehrsinfarkt
Lokales Brandenburg/Havel Versorgungsnot und Verkehrsinfarkt
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00:48 10.03.2018
Gut gefüllt war die Krugpark-Pyramide zur jüngsten Bürgerversammlung, den Scholle-Bewohnern fehlt es an Infrastruktur. Quelle: André Wirsing
Brandenburg/H

Insofern waren sie am Dienstagabend auf der „falschen“ Veranstaltung, doch der Druck in dem größten Siedlungsstadtteil mit mehr als 2000 Bewohnern ist groß: Es ist zwar das letzte größere zusammenhängende Baugebiet für 40 Einfamilienhäuser Am Rehhagen/Eichhorstweg, dass entsteht. Doch es wird auf freien Flächen weiter verdichtet, es gibt immer mehr Bewohner, aber Straßen/Wege und soziale Einrichtungen „wachsen“ nicht mit. Zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung noch vor dem Aufstellen eines Bebauungsplanes waren die Scholle-Bewohner eingeladen, im Verfahren gibt es dann noch ein förmliches Beteiligen.

Investor Hartmut Schulz will mit seiner Göttiner Grundstücksentwicklungsgesellschaft das 3,7 Hektar große Areal erschließen und 40 Grundstücke parzellieren. Die Häuser dürfen maximal zweigeschossig mit einer Gesamthöhe von 9,50 Metern sein, nicht mehr als 30 Prozent der Grundstücksfläche dürfen mit Bauten oder Wegen versiegelt sein. Das B-Plan-Verfahren wird noch dieses Jahr über dauern, vermutet Wolfgang Görlich von der Bauleitplanung. „Wenn es zum Jahresende einen Satzungsbeschluss gibt, beginnt im Frühjahr die Erschließung, parallel dazu können die einzelnen Bauanträge für die künftigen Häuser gestellt werden.“

Ans Straßennetz angebunden wird das Baugebiet von Südosten über den Eichhorstweg mit einer kleinen Ringstraße, im Nordwesten gibt es eine Zufahrt über Am Rehhagen bis zum Buchenweg. Gleichzeitig wird die Straße aber an der Westgrenze direkt am Wald gekappt. Offiziell aus Naturschutzgründen, behauptet Planerin Julia Kläring vom Berliner Büro Plan und Recht. Die Straße soll auf der Länge des Baugebietes zum Weg für Fußgänger und Radfahrer werden. Nachbarn hingegen sprechen offen aus, was sie tatsächlich vermuten. Die Grundstücke in verkehrsruhiger Lage lassen sich teurer verkaufen, als wenn die Straße vor dem Fenster vorbeiführt.

Es gibt am Dienstag keinen offenen Widerstand gegen das konkrete Projekt, doch die Menschen ahnen, dass es mit dem Verkehr immer schlimmer wird.

Sobald es auf der A 2 mal wieder gekracht hat, es Bauarbeiten gibt oder eine Havarie am Plane-Bahnübergang – schon bekommen es die Scholle-Anwohner zu spüren, wenn sich die Blechlawine durch ihre Siedlung wälzt. Das sind dann nicht nur die Pkw, sondern auch 40-Tonner. Anett Schulze beispielsweise spricht die Befürchtungen vieler aus: „Im Eichhorstweg beispielsweise können sich keine zwei Lkw begegnen. Und als Mutter mit Kinderwagen hat man auf dieser Straße ohne Gehweg einfach nur Angst.“ Jeder Lkw-Fahrer, der ein Navigationsgerät besitzt, versuche sich durch die Siedlung zu kämpfen. Selbst der Nachtbus quetsche sich neuerdings auch immer über die winzige Eichspitzbrücke. Der städtische Straßen- und Tiefbauexperte Peter Reck hält dem entgegen, dass diese einst Teil der Panzermarschstraße war und somit locker 30 Tonnen Gewicht aushalte.

Spott und Gelächter erntet er allerdings mit der Bemerkung die Eigene Scholle sei relativ gut mit Straßenbeleuchtung versorgt. Das ist aber nicht das größte Problem: Es gebe außer dem immer noch zu kleinen und abgelegenen Netto-Markt keinen Supermarkt, keinen Baumarkt und keinen Geldautomaten, beklagt ein Anwohner, er müsse für jede noch so kleine Besorgung immer in die Stadt fahren. „Das Problem wird von unserer Wirtschaftsförderung ernst genommen, mittlerweile gibt es erste Gespräche mit verschiedenen Handelsketten“, sagt Görlich. Vor wenigen Jahren noch hätten sie überhaupt keine Dialogbereitschaft gezeigt.

Über einen steigenden Bedarf an Plätzen in Kindertagesstätten und Schulen müssten die Stadtverordneten entscheiden, sagt der Stadtplaner auf die Frage, was man den neu zuziehenden Familien anbieten wolle, wenn Krugparkschule und Scholle-Kita bereits überlastet sind.

Reinhard Reiher ist Chef des Scholle-Bürgerbeirats, er sieht dringenden Diskussionsbedarf über die reine Bauleitplanung hinaus. Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) habe zur Wahlkampftour versprochen wieder zu kommen, Reiher hofft auf einen Termin im Sommer. „So lange wird es nicht dauern“, verspricht Görlich.

Von André Wirsing

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