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Brandenburg/Havel Verstörende Bilder aus Palästina
Lokales Brandenburg/Havel Verstörende Bilder aus Palästina
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15:54 12.07.2017
„Der junge Mann zeigte, was er kann. Ein Rückwärtssalto aus drei Meter Höhe macht nicht jeder. Akrobatik ist im Gazastreifen ,in’. Er machte diesen Sprung immer wieder, bis ich mit dem Bild in meinem Apparat zufrieden war. Quelle: Kerstin Jasinszczak
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Brandenburg/H

Der Blick aus Deutschland auf Palästina, auf die Westbank, den Gazastreifen? Da ist doch Krieg, herrschen Angst und Gewalt, da steht doch kein Stein mehr auf dem anderen. Oder? Die Bilder, die Kerstin Jasinszczak aus dieser Region mitgebracht hat, zeigen etwas anderes. „Fotografien aus einer Krisenregion, die man so nicht sieht“, heißt es denn auch zur Erläuterung ihrer Ausstellung, die am kommenden Samstag in Berlin-Schöneberg öffnet.

Die gebürtige Brandenburgerin Kerstin Jasinszczak, die lange Jahre für die Märkische Allgemeine fotografierte, besuchte von 2011 bis 2015 jährlich den Gazastreifen. Nun zeigt sie zum ersten Mal einen Teil ihrer fotografischen Dokumentation.

Vernissage am Samstag

Ihre Projektdokumentation sieht man im Buch „1:0 Für Rafah“ (Hrsg. Prof. Dr. David Becker).

Die Ausstellung „0 Krieg [Null Krieg | kein Krieg]“ öffnet am 15. Juli im „Neu West Berlin“, Kurfürstenstraße 145, Berlin-Schöneberg, um 21 Uhr.

Dort ist die Schau täglich von 16 bis 20 Uhr bis zum 22. Juli zu sehen.

Dem Angebot in Palästina über mehrere Jahre ein Projekt zu dokumentieren, konnte sie nicht wiederstehen, auch wenn sie sich anfangs nicht ganz sicher fühlte. „Pass bloß auf, dort ist es sehr gefährlich“, hörte sie nicht nur von ihrer Schwester Susanne Grodotzki, sondern sie machte es sich als Ritual, vor jeder Reise ihre Mutter Marlis am Packhof zu besuchen.

Die Fotografin schreibt zu diesem Bild: „Da waren Kinder, die sehr laut waren und eine extreme Freude hatten. Sie holten sich mit dem Eimer Nutzwasser aus einem Brunnen und es war einfach schön diesen Kindern zuzuschauen, wie sie sich unbeschwertersch erfrischen konnten. Trinkwasser ist im Gazastreifen unglaublich knapp, das war denen egal, die Nutzen alles was kommt.“ Quelle: Kerstin Jasinszczak

Die Reisen verliefen immer nach einem festgelegten Schema, 14 Tage Palästina, davon sieben Tage Westbank und sieben Tage Gazastreifen. Und immer in Begleitung einiger Projektmitarbeiter. „Ich hielt meine Erwartungen an diese Region bewusst sehr klein, weil man da ja eigentlich immer nur über Krieg und Bomben hört“, erzählt Kerstin Jasinszczak. Und bekam gleich beim ersten Besuch ein mulmiges Gefühl. Nach dem einzigen, von den Israelis kontrolliertem, Grenzübergang in den Gazastreifen ging es 700 Meter lang durch einen überdimensionierten Hühnerkäfig. Alleine. Zwar wurde sie dann auf der palästinensischen Seite mit einem gepanzerten Fahrzeug abgeholt, aber die Fahrt durch die teilweise zerstörte Stadt und die sichtbare Armut, ließ sie über Stunden verstummen.

„Als dieser bunte Wagen auftauchte, sah es aus, als ob die Szene in Spanien, Portugal oder Italien sein könnte. Aber gleichzeitig dachte ich auch, dass sich die Ware nicht viele leisten können oder wenn die Eltern etwas kauften, sie vielleicht auf etwas anderes verzichten mussten.“ Quelle: Kerstin Jasinszczak

Umso überraschender war der herzliche Empfang auf der anderen Seite. Frauen und Männer nahmen sie in die Arme, Freude war zu spüren, es wurde viel gelacht. „Plötzlich standen diese lebensfrohen Menschen vor mir, alles schien völlig normal, darauf war ich nicht vorbereitet“, sagt Jasinszczak. Es wurde ihr schnell klar, dass sie diesen Alltag dokumentieren wollte und „nicht nur die zerbombten Häuser und Straßen, die man sonst bei uns in den Medien sieht.“

Vor allem die Alltagskultur wird in ihrer Ausstellung „0 Krieg [Null Krieg | kein Krieg]“ zu sehen sein, Bilder von Menschen beim Sonntagsvergnügen, bunten Gegenständen und provisorischen Konstruktionen. „Ich möchte Bilder zeigen, die von der Öffentlichkeit so nicht wahrgenommen werden und unsichtbar bleiben“, sagt sie.

„Als ich die sah, dachte ich, dass ist doch eine Horde von Halbstarken, wie bei uns, total herausgeputzt und Vorlaut um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die kamen ohne Scheu offen auf mich zu und wollten wissen wo ich herkomme, um was von der Außenwelt zu erfahren.“ Quelle: Kerstin Jasinszczak

„Da waren Kinder, die sehr laut waren und eine extreme Freude hatten. Sie holten sich mit dem Eimer Wasser aus einem Brunnen und es war einfach schön diesen Kindern zuzuschauen, wie sie sich unbeschwert erfrischen konnten. Trinkwasser ist im Gazastreifen unglaublich knapp, das war ihnen egal, sie nutzen alles was kommt.“

Von Ilia Castellanos

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