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Brandenburg/Havel Versuchter Mord: Staatsanwalt will zügig ermitteln
Lokales Brandenburg/Havel Versuchter Mord: Staatsanwalt will zügig ermitteln
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12:43 23.04.2019
Mordprozesse finden vor der Schwurgerichtskammer in Potsdam statt, die mit drei hauptamtlichen Richtern und zwei Laienrichtern besetzt ist. Quelle: Julian Stähle
Brandenburg/H

Knapp zwei Wochen liegt der Messerangriff auf der Eigenen Scholle zurück, den das schwer verletzte 32 Jahre alte Opfer nur knapp überlebt hat.

Die Frau aus Brandenburg/Havel, Lebenspartnerin des mutmaßlichen Täters, liegt nach der komplexen und langen Operation noch immer auf der Intensivstation des städtischen Klinikums. Sie ist ansprechbar und es geht ihr den Umständen entsprechend soweit ganz gut.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den mutmaßlichen Täter, einen 36 Jahre alten Brandenburger, wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Die MAZ erklärt, was bis zu einem wahrscheinlichen Gerichtsprozess voraussichtlich geschehen wird.

Wann kommt der Fall vor Gericht?

Wie viel Zeit die ermittelnde Staatsanwaltschaft Potsdam bis zur Anklage benötigen wird, kann die Behörde zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehen.

„Strafrechtliche Ermittlungen gegen Untersuchungshäftlinge erfolgen jedenfalls nach dem Grundsatz der besonders beschleunigten Bearbeitung“, betont Dorina Dubrau, stellvertretende Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Potsdam.

Dass ein Prozess stattfinden kann, setzt voraus, dass die Staatsanwaltschaft Potsdam Anklage erhebt und das zuständige Gericht die Anklage zulässt und das Verfahren eröffnet.

Was geschieht mit dem Beschuldigten?

Der 36-jährige Brandenburger sitzt nach seinem kurzen Krankenhausaufenthalt seit dem vorvergangenen Donnerstag in Untersuchungshaft. Wie lange er dort bleiben wird, ist nicht sicher. Die Untersuchungshaft darf in der Regel höchstens sechs Monate dauern.

Die Ermittlungen liegen derzeit in den Händen der Mordkommission. Sie wird den verdächtigen 36-Jährigen zu gegebener Zeit vernehmen. Üblicherweise nimmt der für den Fall zuständige Staatsanwalt Peter Petersen an diesen Vernehmungsterminen teil. Auch der Rechtsanwalt des Beschuldigten ist in aller Regel zugegen.

Der beschuldigte Mann kann Auskunft geben zu der Tat und den Hintergründen, er kann dazu aber auch schweigen. Oft folgen Beschuldigte in solchen Fällen den Empfehlungen ihrer Rechtsanwälte.

Welche Zeugen kommen in Frage?

Sobald die schwer verletzte Frau vernehmungsfähig ist, werden die Kriminalbeamten diese wichtigste Zeugin zu der Tat und den Hintergründen befragen. Wäre sie Ehefrau oder eingetragene Lebenspartnerin, hätte sie aber das Recht zu schweigen.

Geschulte Kriminalbeamte werden auch mit der neun Jahre alten Tochter ein kindgerechtes Gespräch darüber führen, wie sie das Geschehen erlebt hat. Das Mädchen hatte in der Tatnacht die Rettungsstelle angerufen und ihrer stark blutenden Mutter damit das Leben gerettet.

Weitere Zeugen in einem späteren Gerichtsverfahren könnten die Polizeibeamten werden, die am Tatort waren, vor allem diejenigen, die als erste an Ort und Stelle erschienen sind und einen unmittelbaren Eindruck von der Gesamtsituation vermitteln können.

Welche Beweise gibt es?

Für die Beweisaufnahme sind alle mit der Tat zusammenhängenden, kriminaltechnisch gesicherten Spuren im Haus von Bedeutung. Dazu gehören in erster Linie die Tatwaffe, Fingerabdrücke und Blutspuren sowie alles, was näheren Aufschluss gibt über den Ablauf des Geschehens.

Was müssen die Ermittler noch tun?

Staatsanwaltschaft und Polizei werden versuchen zu ermitteln, in welchem Zustand sich der mutmaßliche Täter zur Tatzeit befunden hat. Ob er womöglich unter Alkohol- oder Drogeneinfluss gestanden hat. Auch die psychische Verfassung des Mannes in jener Stunde könnte in einem späteren Prozess von Bedeutung sein.

Vermutlich wird die Staatsanwaltschaft ein Gutachten in Auftrag geben. Die Behörde und später das Gericht werden wissen wollen, ob der Verdächtige sein Verhalten zur Tatzeit steuern konnte oder ob diese Fähigkeit womöglich eingeschränkt war.

Warum Gutachten?

Insgesamt spielt in solchen Fällen die Frage der Schuldfähigkeit oft eine zentrale Rolle bei der Bewertung der Tat. Um das einschätzen zu können, wird der mutmaßliche Täter von einem beauftragten Sachverständigen untersucht. In der Regel handelt es sich um Psychiater.

Auch um die Art und Schwere der körperlichen und seelischen Verletzungen des Opfers beurteilen zu können, benötigt ein Gericht üblicherweise medizinische Expertise. Es geht dabei auch um mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen der Tat.

All das kann im Falle einer Verurteilung eine Rolle dafür spielen, wie hoch die Strafe ausfällt.

Was geschieht nach der Anklage?

Die Staatsanwaltschaft Potsdam wird am Ende der Ermittlungen entscheiden, ob und vor welchem Gericht sie Anklage erhebt und mit welchem Straftatbestand sie die Anklage begründet. Derzeit wird wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt.

Der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter. Quelle: Julian Stähle

Am Ende könnten versuchter Mord oder versuchter Totschlag in der Anklageschrift stehen. Der Staatsanwalt entscheidet je nach Ergebnis der Ermittlungen, ob aus seiner Sicht eine verminderte Schuldfähigkeit vorliegt oder der Angeklagte womöglich im Zustand der Schuldunfähigkeit so brutal auf seine Partnerin losgegangen ist.

Wird am Ende versuchter Mord angeklagt, kommt der Fall vors Landgericht Potsdam, wo die 1. Große Strafkammer zuständig ist, das sogenannte Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richter Theodor Horstkötter.

Ehe die Strafkammer das Verfahren eröffnet, prüft sie im sogenannten Zwischenverfahren, ob die Staatsanwaltschaft ausreichend ermittelt hat und sie auf dieser Grundlage das Hauptverfahren führen kann.

Von Jürgen Lauterbach

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