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Verwahrloste Kleingärten jenseits von Eden

Missstände in Brandenburg/H. Verwahrloste Kleingärten jenseits von Eden

Seit mehr als 30 Jahren ist Klaus Krispin Pächter in der Kleingartensparte Immergrün in Brandenburg an der Havel. Die Entwicklung in seiner Anlage bereitet ihm Sorgen. Etwa jeder siebte Garten befindet sich nach seiner Auffassung in beklagenswertem Zustand. Der Kreisverband gibt ihm in Teilen Recht.

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Kritiker Klaus Krispin achtet natürlich darauf, dass sein eigener Kleingarten in Schuss ist.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Seit mehr als 30 Jahren ist Klaus Krispin Pächter in der Kleingartensparte Immergrün an der Gördenallee. Die Entwicklung in seiner Anlage bereitet ihm Sorgen. Etwa jeder siebte Garten befindet sich nach seiner Auffassung in beklagenswertem Zustand. Der Kreisverband gibt ihm in Teilen Recht.

Seine wiederholten Klagen beim „Immergrün“-Vorstand und beim Kreisverband führten bisher nicht zum Erfolg. Rentner Klaus Krispin zählt zehn Kleingärten in seiner 60-Parzellen-Sparte, in denen er massive Verstöße gegen die Vorschriften der Landes-Rahmengartenordnung feststellt.

Krispin fasst seine Sicht so zusammen: „Die Gärten sind eine Katastrophe.“ In zwei Fällen äußert er wegen schwerer gesundheitlicher Beeinträchtigungen Verständnis und Nachsicht, in den anderen jedoch nicht.

Nach dem Eindruck und den Beobachtungen des Kleingärtners wird dort mehr gegrillt, getrunken und gefeiert, als dass der Garten in Schuss gehalten wird. Tatsächlich zeigt er mit dem Finger auf die Parzellen, die alles andere als kleingartengerecht aussehen. Seit einigen Jahren stelle er die Tendenz zur Verwahrlosung von Gärten fest.

Seine Kritik tropfe vor allem beim „selbstherrlichen Vorsitzenden“ des Kleingartenvereins ab. Krispin empfindet den Vorstand als untätig, weiß aber auch um seinen Ruf, dass er dort als Stänkerer und Meckerkopf gilt.

Zu einem Drittel kleingärtnerische Nutzung

Der Kreisverband Brandenburg/Havel der Gartenfreunde ist zuständig für etwa 5400 Kleingärten in der Stadt. Er wacht als Verpächter auch über die Einhaltung der „Rahmengartenordnung“.

Diese Ordnung sieht vor, dass ein Drittel der Gartenfläche kleingärtnerisch zu nutzen ist, also Obst und Gemüse in der typischen Vielfalt anzubauen sind.

„Nicht „päpstlicher als der Papst“ will der Kreisverband bei der Durchsetzung der Bestimmungen sein, sagt der Vorsitzende Fred Schenk. Doch schreite er ein, wenn die Erholungsnutzung Überhand nimmt

Seit November 2016 habe der Kreisverband, der die Gärten verpachtet, 58 Abmahnungen ausgesprochen und etwa 15 Kündigungen.

97 Kleingärten sind in den vergangenen sechs Jahren in der Stadt Brandenburg verloren gegangen.

Der Immergrün-Vorsitzende Jürgen Barz bestätigt diese Einschätzung. Gleichwohl spricht auch er von „Problemfällen“ im Verein, die „wir hoffentlich in den Griff kriegen“. Einige Gärten seien „nicht in der Form wie wir uns das wünschen“. Inzwischen lägen die gerichtlichen Bescheide vor, dass zwei Parzellen neu verpachtet werden dürfen.

Nach Barz’ Angaben stehen mitunter private Härten dahinter, Trennungen, ausgeschlagene Erbschaften oder Krankheiten von Mitgliedern, die seit Jahrzehnten dabei sind.

Fred Schenk, Vorsitzender des Brandenburger Kreisverbandes der Gartenfreunde, hat sich die beanstandete Anlage gemeinsam mit Peter Saemann angeschaut. „An einem Bundeswettbewerb kann die Sparte derzeit nicht teilnehmen“, bestätigt er. Doch er erkenne nicht, dass der Zustand wesentlich schlechter sei als andernorts. Zudem sehen es nach Schenks Kenntnis 58 von 59 Vereinsmitgliedern so, dass es noch einigermaßen gehe.

Bei Pächterwechseln könne man nicht in kürzester Zeit eine Verbesserung erwarten, findet der Kreischef, der es gleichwohl toll findet, wenn ein Kleingärtner wie Klaus Krispin darauf achtet, dass die Gärten ordentlich aussehen.

In der Tendenz gibt er dem Kritiker durchaus recht. Die Gartenordnung müsse eingehalten werden, auch wenn schwieriger wird, Pächter dafür zu begeistern und „der ein oder andere die Grenzen austestet“.“Wir legen sehr großen Wert darauf, dass es vernünftig läuft“, versichert Schenk. In Feinheiten wie die Weggestaltung, die Klaus Krispin ebenfalls bemängelt, will sich der Kreisverband nicht einmischen. Solche Angelegenheiten sollen die Vereine intern regeln und klären, heißt es.

Von Jürgen Lauterbach

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