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Brandenburg/Havel Viel Handarbeit auf kleinem Acker
Lokales Brandenburg/Havel Viel Handarbeit auf kleinem Acker
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00:37 26.09.2015
Klaus Genz auf seinem kleinen Feld im Lankenweg. Quelle: Claudia Nack
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Brandenburg an der Havel

Hobby-Bauer Klaus Genz bestellt sein kleines Feld am Lankenweg im Lauf der Jahreszeiten. Mit Blick auf den schönen Wusterwitzer See. Er bewirtschaftet 0,9 Hektar, noch einmal so viel ist Wiese. „Überschwemmungsgebiet“, erklärt er.

Gerade erntet der Noch-75-Jährige mit Hacke und Drahtkorb die Kartoffeln, die er im Frühjahr auf 1000 Quadratmetern mit der Hand gelegt hatte. „Nach einer alten Bauernregel sollte das Pflanzgut am 100. Tag des Jahres in den Boden kommen.“ Das Pflanzgut holt er von Bernd König aus Bensdorf. „Diesmal etwas später, weil’s zu kalt war, sonst werden sie glasig.“ Im Juni wird meist angehäufelt. Die Ernte sei durchschnittlich. „Doch dafür, dass es im Juli und August zu trocken war, sind die Kartoffeln erstaunlich gut geworden“, sagt er. Mehr kleine seien dabei. Täglich fünf Säcke fährt der Kirchmöseraner jetzt mit seinem Honda im Anhänger nach Hause in die Siedlungsstraße, die „dort drüben“ hinter den Büschen liegt.

Vier Stunden am Tag auf dem Feld

Die Knollen kellert Familie Genz ein, die damit über den Winter kommt. „Ich bin von Frühjahr bis Herbst ja immer nur drei, vier Stunden auf dem Acker. Von montags bis freitags. Dann haue ich wieder ab.“ Ein paar Stängel Mais hat er noch. Der ist nach den Kartoffeln dran. Was sich die Schwarzkittel nicht geholt haben, schneidet er mit dem Messer ab, um Kolben und Grünzeug an seine beiden Hausschweine zu verfüttern. „Zu DDR-Zeiten hatten wir sechs bis acht Stück, die wir mit 200 Kilo über einen Mastvertrag an den Schlachthof verkauft haben“, sagt der Schlosser, der bei der Bahn in Kirchmöser gearbeitet hat. Bis zum Vorruhestand.

Familiengeschichte

Der Großvater von Klaus Genz, weiß dieser aus Unterlagen, erwarb die knapp zwei Hektar im 19. Jahrhundert. Geboren und getauft worden sei Gustav Els auf dem Forsthaus Gränert und habe 35 Jahre lange bei der Reichsbahn als Schrankenwärter gearbeitet.

Um die Familie besser ernähren zu können, betrieb er nebenbei Landwirtschaft und hielt Kühe. Nach seinem Tod 1947 führte dessen Frau Anna Els gemeinsam mit ihrer Tochter Johanna, der Mutter von Klaus Genz, die kleine Landwirtschaft weiter. Sein Vater war im Krieg geblieben. 1960 musste seine Mutter im Zuge der Kollektivierung wie alle Landeigentümer in die Genossenschaft und auch die Kühe einbringen. Seinerzeit war es die LPG „Roter Banner“ Kirchmöser, die laut Genz noch in der DDR aufgelöst wurde. Danach wurden die Flächen vom Wusterwitzer Agrarbetrieb bewirtschaftet.

Seit der Rückübertragung zur Wendezeit bestellt Klaus Genz den kleinen Acker am Lankenweg. „Als Hobby, aber auch, weil ich damals Angst hatte, arbeitslos zu werden.“ Die Bewegung an der frischen Luft sei ein schöner, wenn auch anstrengender Ausgleich.

Inzwischen verarbeitet ein Hausschlachter aus dem Jerichower Land das Genz’sche Borstenvieh zu Wurst. Fleisch wird eingefroren. Der Vorrat reicht für ein Jahr. Auch die Luzerne, die sich erst nach dem Regen entwickelt habe, wird an die Hausschweine verfüttert. Und die Futterrüben, die in zwölf Reihen wachsen. Für Hühner und Kaninchen von Bekannten bleibe aber noch genügend übrig. „Die Rüben sind recht arbeitsintensiv“, weiß er, denn sie müssen verzogen und mehrmals gehackt werden, damit kein Unkraut wuchert. Während seine Hände sonst die Hauptarbeitsin-strumente sind, kommt beim Drillen dieses Saatguts nach dem Mai-Frost seine zehn Jahre alte Dippelmaschine zum Einsatz. „Eine ähnliche hatten von der Funktionsweise her schon meine Großeltern“, erzählt der Rentner.

Beim Ziehen der Furchen, um das Saatbett fürs nächste Jahr zu bereiten, hatte Genz bisher Unterstützung von Werner Dieckmann aus Kirchmöser, der zum Freundschaftspreis mit seinem Geräteträger anrollte. „Ein universell einsetzbares Nutzfahrzeug“, erklärt er. Doch sein Bekannter, den er fast sein ganzes Leben lang kenne, habe es mit der Hüfte und seine Technik inzwischen verkauft. „Mal rumhorchen, ob mir jemand anderes den Acker pflügt.“

Noch ein Jahr, dann ist Schluss

Auch Genz ist gesundheitlich angeschlagen. Daher will er im nächsten Jahr seine letzten zwei Schweine halten und für sie sein kleines Feld noch einmal bestellen. „Dann ist Schluss“, sagt er. „Dann werde ich 77 und habe genug gewurzelt im Leben.“

Genz bekam das Familienland nach der Wende zurück, hat aber schon als Kind beim Aufstellen der Getreidegarben geholfen. Sein Großvater Gustav Els, der noch ein paar Morgen an der Viesener Straße hatte, erwarb es im 19. Jahrhundert und betrieb nebenbei Landwirtschaft. Zu DDR-Zeiten wurde der Boden erst von der LPG Kirchmöser bewirtschaftet, dann von Wusterwitz. „Ab 2017 wird er wohl Stilllegungsfläche oder es findet sich jemand, der ihn haben will“, überlegt Genz. Für große Technik sei das Stückchen zu klein.

Von Claudia Nack

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