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Viele Projekte hoffen auf Fördergeld

Mittelmark Viele Projekte hoffen auf Fördergeld

Aus Kirchen werden Begegnungsstätten. Bierbrauer ziehen in eine alte Feuerwache. Der Zauche-Radweg nimmt Gestalt an. Ideen zur Entwicklung des ländlichen Raumes gibt es viele. Doch nur ein Teil der neuen Projekte kann auf Fördermittel der EU hoffen. Es gibt mehr Anträge, als Geld zu verteilen ist.

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Juliane Beer will aus der Briester Kirche den Havel-Prater machen. Frank Bürstenbinder

Bollmannsruh. Vor zehn Jahren kaufte Juliane Beer die Briester Kirche. Die Kirchengemeinde sah für eine weitere Nutzung des sanierungsbedürftigen Gotteshauses keinen Bedarf mehr. Inzwischen hat die in Berlin aufgewachsene Filmproduzenten ihren Traum von einem Ort der Begegnung und der Kultur an der Havel wahr gemacht. Nun hat Beer, die Briest seit Kindertagen kennt, neue Ideen für eine Nachnutzung des Backsteinbaus im neogotischem Stil. Unterm Dach sollen Übernachtungsmöglichkeiten entstehen. Sie will vier Internetarbeitsplätze einrichten, die sich Selbstständige mieten können. Eine kleine Fahrradwerkstatt ist geplant.

Entwicklung des ländlichen Raumes

Eine LEADER-Förderung erhalten Projekte grundsätzlich nur dann, wenn der Ort, an dem sie umgesetzt werden, in einer LEADER-Region liegt. Potsdam-Mittelmark und die Stadt Brandenburg gehören dazu.

LEADER ist eine französische Abkürzung, die sich mit „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung des ländlichen Raumes“ übersetzen lässt. Das Programm wird von Lokalen Aktionsgruppen begleitet. Für unsere Region ist es die Lokale Aktionsgruppe Fläming-Havel (LAG) mit Sitz in Wiesenburg.

Ein positives Votum der LAG ist ganz entscheidend dafür, ob ein Projekt gefördert wird. Dabei kommen überwiegend Fördermittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) zum Einsatz. Zuvor durchlaufen alle Anträge ein strenges Auswahlverfahren. Die LAG unterstützt, begleitet und fördert Projekte.

„Havel-Prater“ heißt der Arbeitstitel unter dem Juliane Beer in dieser Woche ihr Projekt vor der in Bollmannsruh tagenden Lokalen Aktionsgruppe Fläming-Havel (LAG) vorstellte. In der LAG läuft gerade das aktuelle Auswahlverfahren für eine mögliche Förderung aus dem EU-Topf für die ländliche Entwicklung, kurz LEADER genannt. Auch die Briester Kirchenbesitzerin hofft auf einen Zuschuss für das mit 255 000 Euro angesetzte Vorhaben.

In der alten Schmerzker Feuerwache soll in Zukunft Bier gebraut werden

In der alten Schmerzker Feuerwache soll in Zukunft Bier gebraut werden.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Doch Juliane Beer steht im Wettbewerb mit über 60 anderen Privatleuten, Gewerbetreibenden, Kommunen und Vereinen aus Potsdam-Mittelmark und der Stadt Brandenburg. „Der Förderbedarf liegt bei rund 15 Millionen Euro. Dagegen stehen im aktuellen Förderabschnitt nur etwa 4,6 Millionen Euro zu vergebende Zuschüsse“, sagte Regionalmanager Heiko Bansen von der in Wiesenburg ansässigen LAG. So gibt es in dem hoffnungslos überzeichneten Förderprogramm immer wieder Träger, die ihre Projekte zum zweiten oder dritten Male einreichen.

Hier soll ein Kinderbauernhof in Götz einziehen

Hier soll ein Kinderbauernhof in Götz einziehen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Auf Fördermittel hofft zum Beispiel auch die Kirchengemeinde Klein Kreutz/Saaringen, die dem Klein Kreutzer Gotteshaus seine historische Kirchturmspitze zurückgeben will. Pfarrer Christian Bochwitz aus Kirchmöser warb für das Vorhaben seiner Gemeinde die 1929 errichtete Westkirche zu einem Begegnungsort für Menschen in und um Kirchmöser zu machen. Dafür muss zunächst die bauliche Hülle saniert werden.

Das Krahner Gutshaus wird saniert und  zu einem Teil mit Ferienwohnungen ausgestattet

Das Krahner Gutshaus wird saniert und zu einem Teil mit Ferienwohnungen ausgestattet.

Quelle: Frank Bürstenbinder

In Schmerzke machen sich vier Privatleute Gedanken über das alte Feuerwehrgerätehaus, das im nächsten Jahr freigezogen wird. Zusammen mit dem benachbarten Bürgerhaus soll eine Aufwertung des Dorfkerns erreicht werden. Und zwar mit dem Einbau einer Brauerei samt Abfüll- und Waschanlage. Im Bürgerhaus sollen Küche und Sanitäranlagen umgebaut werden. Einheimische Bauern könnten die Braugerste liefern. Rund 325 000 Euro soll das Projekt mindestens kosten.

Der Brandenburger Projektentwickler Bernd Jansen will aus dem seit Jahren leer stehenden Alten Krug in Wilhelmsdorf eine Seniorenwohnanlage mit verschiedenen Betreuungsformen machen. „Die Nachfrage nach altersgerechten Wohngemeinschaften ist da. Wir laufen dem Bedarf entgegen“, ist Jansen überzeugt.

Der Alte Krug (ehemalige Schule) in Wilhelmsdorf hat eine Zukunft als Seniorenwohnanlage

Der Alte Krug (ehemalige Schule) in Wilhelmsdorf hat eine Zukunft als Seniorenwohnanlage.

Quelle: Volkmar Maloszyk

In Götz will der neu gegründete Verein Kulturwert auf dem brach liegenden Gelände der einstigen Melioration einen Kinderbauernhof einrichten. Das Ortsbild würde sich mit einer Sanierung des Schandflecks deutlich verbessern. „Wir wollen jungen Leuten die Grundlagen des Lebens auf dem Lande vermitteln“, sagte Till Sebastian bei der Vorstellung des Projektes.

Ob der Förderantrag aus Götz Erfolg hat, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Bis zum Jahresende erhalten alle Träger eine Nachricht über den Ausgang ihres Antrages, so Regionalmanager Bansen. Ein positives Votum der LAG im Rahmen des jetzt anlaufenden Auswahlverfahrens ist Voraussetzung für das sich anschließende förmliche Antragsverfahren beim Land. Auf Zuschüsse hoffen unter anderem auch die Sportler von Grün-Weiß Klein Kreutz beim Ausbau ihres Vereinsheims, die Gemeinde Kloster Lehnin für einen Radweg zwischen Rietz und Gollwitz (Zauche-Radweg) und ferner die Stadt Brandenburg für die Einrichtung einer Dorfbegegnungsstätte in Wust sowie eine neue Wanderwegebeschilderung in allen Ortsteilen. In Lehnin treibt das Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin die Sanierung des Elisabethhauses auf dem Stiftsgelände weiter voran. Unter dem Motto „Erhalt durch Nutzung“ soll das Gebäude eine Zukunft für Seminare und Tagungen bekommen.

Von Frank Bürstenbinder

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