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Vier Multicar schwimmen auf der Havel

Seitenwechsel mit Pritzerber Fähre Vier Multicar schwimmen auf der Havel

Auf dem Weg zu einem Fahrzeugtreffen haben vier Multicar-Oldtimer aus dem Jerichower Land mit Hilfe der Autofähre die Havel bei Pritzerbe passiert. Am Donnerstag wollen die über 50 Jahre alten Kleintransporter made in DDR Finowfurt erreichen. Die Technik scheint zu halten.

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Die Multicar-Kolonne verlässt nach einer reibungslosen Überfahrt die Havelfähre in Pritzerbe. Ziel ist das Ostfahrzeugtreffen am Wochenende in Finowfurt.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Pritzerbe. Alles was Beine oder Räder hat, bringen sie über die Havel. Bei 150 Querungen in zwei Schichten. An 365 Tagen im Jahr. Doch was am Mittwochmittag den Fährleuten Stefan Grabow und Thomas Behns beim Dienstwechsel in den Ohren klingelte, ist nicht alle Tage zu hören. Der eigene Diesel war es jedenfalls nicht. Das Tuckern gleich mehrerer Viertakter made in DDR kam von Westen auf den Kützkower Fähranleger zu.

Vier Oldtimer eines berühmten ostdeutschen Herstellers rollten nach kurzer Einweisung auf die Autofähre. Die Multicar-Kolonne war um 8 Uhr morgens in Parey an der Elbe aufgebrochen. Mit einer Reisegeschwindigkeit von zwölf Stundenkilometer arbeitete sich der Treck fleißig wie eine Ameise auf Nebenstraßen und Feldwegen zum Havelübergang vor. Der Vergleich verrät alles. Dieselameisen wurden die im thüringischen Waltershausen produzierten Kleintransporter vom Volksmund genannt.

Matthias Kutzner aus Parey fährt die Dieselkarre (DK3)

Matthias Kutzner aus Parey fährt die Dieselkarre (DK3).

Quelle: Frank Bürstenbinder

Zu den Freunden der betagten aber tipptopp restaurierten Allzweckfahrzeuge gehört eine Gruppe von Männern aus dem Nachbarkreis Jerichower Land. „Wir sind auf dem Weg nach Brieselang. Nach einer Übernachtung geht es weiter zum Ostfahrzeugtreffen in Finowfurt“, berichtete Lutz Katerbaum aus Möckern, der den Treck mit einer sogenannten Stehameise (M 21) anführte. Sein froschgrünes Gefährt ist Baujahr 1962. In vierjähriger Arbeit machte Katerbaum den „Kneipenkauf“ möglichst originalgetreu straßenfertig. Nur ein Navi gab es vor über 50 Jahren an der Fahrertür noch nicht Nachteil der scheinbar unverwüstlichen Modellreihe: Die eigentlich für innerbetriebliche Transporte gedachten Fahrzeuge haben einen offenen Fahrerstand, in dem alle Bedienelemente angeordnet sind. Bei Regen wird es für den Frontmann schnell ungemütlich. Irre ist die Fußlenkung, die einige Übung verlangt.

Fährmann Stefan Grabow (2vr) begrüßt die Multicar-Liebhaber vor dem Übersetzen

Fährmann Stefan Grabow (2.v.r.) begrüßt die Multicar-Liebhaber vor dem Übersetzen.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Da ist Uwe Bernau aus Güsen im Nachfolgermodell M 22, Baujahr 1966, schon besser aufgehoben. Er rollte als letzter Fahrer auf die Havelfähre mit Kurs Pritzerbe. Ihn schützt eine geschlossene Einzelfahrerkabine – samt Lenkrad. Mitstreiter Torsten Pinkes, der Mann aus Möckern mit dem Stahlhelm, besetzte die Fähre mit einem in NVA-oliv lackierten M 21. Weniger aus Ostalgie, sondern in Erinnerung an den Einsatzort der Dieselameise. Der Multicar war viele Jahre für die Küche einer Raketeneinheit in Weißwasser im Dienst. Vierter Oldtimer-Freund im Bunde ist Matthias Kutzner aus Parey auf einer Dieselkarre (DK3), dem Vorläufer des Multicar. Mit dem Baujahr 1956 ist sein Fahrzeug die älteste Ausführung im Quartett der Anhaltiner Multicar-Fans.

Lutz Katerbaum bedankt sich mit zwei Bierchen bei Fährmann Stefan Grabow (r)

Lutz Katerbaum bedankt sich mit zwei Bierchen bei Fährmann Stefan Grabow (r.)

Quelle: Frank Bürstenbinder

Mit großem Hallo wurden die außergewöhnlichen Gäste auf der Fähre begrüßt. Initiator und Landtechnik-Händler Katerbaum überraschte die Fährleute mit zwei Flaschen Möckerner Bier. „Solch eine Ansammlung von Multicar-Oldtimern ist außergewöhnlich“, freute sich Fährmann Grabow. Den Anblick betagter Schlepper sind die städtischen Angestellten dagegen gewohnt. Wenn im havelländischen Knoblauch das jährliche Treckertreffen ist, wollen viele Oldies der Landwirtschaft auf die andere Havelseite. Für die Multicar-Gruppe war die Überfahrt nach wenigen Minuten vorbei. Ohne Zwischenfälle tuckerte sie durch Pritzerbe. Eine Rückkehr auf eigener Achse wird es nicht geben. Ein Laster bringt die Fahrzeuge zurück nach Hause.

Von Frank Bürstenbinder

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