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Vier Stunden „Zwangshaft“ auf der Autobahn

Hitze-Tortur im Stau Vier Stunden „Zwangshaft“ auf der Autobahn

Autobahnunfälle haben in den letzten Tagen lange Staus bewirkt. Was bei normalen Temperaturen eine Geduldsprobe ist, wird bei der aktuellen Hitze zur Tortur. Anfang August waren auf der A 2 zwischen Wollin und Brandenburg an der Havel nach einem Lkw-Unfall alle Fahrspuren in Richtung Berlin gesperrt. Ein Stauopfer beklagt die unnötig lange „Zwangshaft“.

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Vier Stunden lang mussten Reisende wegen eines Unfalls bei großer Hitze auf der A 2 ausharren.

Quelle: Stähle

Brandenburg an der Havel. Walter Hollmann gehörte vor einer Woche zu den Unglücksraben, die „wie tausende andere“ mit ihrem Auto vier Stunden lang bei sengender Hitze im Stau gestanden haben, auf dem Autobahnstück zwischen Wollin und Brandenburg an der Havel. Denn dort waren am Nachmittag des 6. August zwei Sattelzüge aus Polen verunglückt, so dass die Polizei die Autobahn Richtung Berlin komplett sperrte. Der staugeplagte Berliner Autofahrer stöhnt über die aus seiner Sicht „katastrophale Abwicklung“. Aus anderen Gründen übt auch Feuerwehr-Einsatzleiter Andy Laube Kritik.

„Man hat uns bei 34 Grad Hitze vier Stunden lang in Zwangshaft sitzen lassen“, schimpft Walter Hollmann. Er äußert zwar Verständnis dafür, dass Rettungskräfte und Polizei ihre Zeit brauchen, um Leben zu retten, Verletzte oder Tote zu bergen und dem ganzen Geschehen Herr zu werden. Doch rechtfertigten diese Aufgaben aus seiner Sicht keine vierstündige Vollsperrung.

Spuren zu spät freigegeben?

Denn obwohl ein 52 Jahre alter Lkw-Fahrer getötet wurde, sei der Unfall, was das Ausmaß der Sachschäden und Behinderung angehe, eher „läppisch“ gewesen. Walter Hollmann sah, als er nach vier Stunden die Unfallstelle passierte, wie beiden verunglückten Lastwagen auf der rechten Fahrspur standen, so dass die übrigen Spuren frei gewesen seien.

„Die Polizei hätte zumindest eine Spur früher – vielleicht nach ein, zwei Stunden – freigeben können, damit der Verkehr wenigstens langsam abfließen kann“, sagt der staugeplagte Mann, der an die Kinder, Alten, Kranken und Schwachen erinnert, die stundenlang in der prallen Sonne ausharren mussten.

Unorganisiert und ungeschickt empfand der Autofahrer das Unfallmanagement an dem Nachmittag. Offenbar habe die Polizei in Brandenburg nicht ausreichend Geld und Personal mehr, um die Lage mit mehr Beamten und einem Hubschrauber besser zu beherrschen.

Die Brandenburger Polizei und auch Amtsbrandmeister Andy Laube, der den Feuerwehreinsatz leitete, widersprechen dieser Darstellung. Die Polizei schätzt die Einsatzbewältigung auch im Zusammenwirken mit anderen als „zielführend“ ein.

Polizeisprecher Axel Schugardt bestätigt, dass die Vollsperrung von etwa 15.15 Uhr etwa vier Stunden andauerte und erst am nächsten Morgen um 2 Uhr wieder alle Fahrspuren frei waren. Der Stau zwischen der Unfallstelle und der Anschlussstelle Wollin betrug seinen Angaben zufolge zehn Kilometer. Nach polizeilichen Erkenntnissen war gegen 21.20 Uhr ein Rückstau bis zum Rastplatz Buckautal festzustellen.

Die Rettungsgasse hat nicht funktioniert

Der Autobahnabschnitt zwischen Wollin und Brandenburg gilt als unfallträchtig. Ziesars Amtsbrandmeister Andy Laube bittet Autofahrer, die im Stau stecken, für die Einsatzfahrzeuge eine Rettungsgasse zwischen der mittleren und der linken Fahrspur freizulassen. Das habe bei dem Unfall gar nicht geklappt.

Drei Lastwagen standen im Stau an manchen Stellen dicht nebeneinander, so dass die Retter nicht schnell genug durchkamen. Einsatzleiter Andy Laube musste sogar mit einigen Lastwagenfahrern diskutieren, ehe sie Platz machten. Laube: „Das hat besonders am Anfang des Einsatzes wertvolle Zeit gekostet.“

Doch kaum hätten sich einmal Einsatzfahrzeuge einen Weg durch die Gasse gebahnt, habe man im Rückspiegel beobachten können, wie sich der „Reißverschluss gleich wieder geschlossen“ habe, berichtet der erfahrene Feuerwehrmann. Auch das verzögerte die Rettung.

Reisende sollten wegen eines möglichen Staus immer ausreichend Getränke dabei haben, die nicht zu stark gekühlt sein sollten, damit der Körper nicht zu sehr ins Schwitzen gerät. Die Klimaanlage im Auto sollte man nur zum schnellen Abkühlen des Innenraums auf die niedrigste Stufe einstellen und anschließend auf maximal sechs Grad unter Außentemperatur.

Die stundenlange Vollsperrung war aus polizeilicher Sicht erforderlich. Die Bergung des getöteten Fahrers aus dem Führerhaus sei schwierig gewesen. Um auszuschließen, dass sich noch weitere Insassen in dem zerquetschten Fahrerhaus befanden, musste dieses noch an der Unfallstelle zerlegt werden. Außerdem befand sich im verunglückten Sattelzug eine Gasflasche, aus der Propangas strömte. Auch der Dekra-Gutachter habe seine Zeit gebraucht.

Im Stau sind wegen der Hitze einige Menschen kollabiert. Der Katastrophenschutz des Landkreises habe sich um die Versorgung gekümmert. Der zuständige Fachdienstleiter beim Landkreis Potsdam-Mittelmark Alexander Engel bestätigt, dass zwei Fahrzeuge des Katastrophenschutzes die gesamte Länge des Staus durchfahren hätten, um Schlimmeres zu verhindern. 300 Flaschen Wasser seien an die Wartenden im Stau verteilt worden, „auch wenn das nicht zu unseren Aufgaben gehört“, wie Engel sagt.

Von Jürgen Lauterbach

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