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Viesener wollen Urnengrabstätte

Grünes Licht für grüne Wiese Viesener wollen Urnengrabstätte

Fast zwei Jahre währte der Kampf um eine grüne Wiese in Viesen (Potsdam-Mittelmark). „Jetzt haben wir vom neuen Pfarrer Holger Zschömitzsch und dem Gemeindekirchenrat grünes Licht für eine Urnengrabstätte bekommen“, berichtet Doris Kahle, die selbst Kirchenälteste ist. Unterstützt wird sie von Hannelore Schramm und anderen aus dem 180-Seelen-Dorf.

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Haben sich für eine Urnengrabstätte in Viesen stark gemacht: Doris Kahle (r.) und Hannelore Schramm.

Quelle: Claudia Nack

Viesen. Die knapp 50 Quadratmeter große Fläche neben der kleinen Trauerhalle auf dem kirchlichen Friedhof in Viesen ist bereits abgesteckt. „Sobald das Wetter offen ist, geht es weiter“, sagt Doris Kahle. Fast zwei Jahre währte der Kampf um eine grüne Wiese. „Jetzt haben wir vom neuen Pfarrer Holger Zschömitzsch und dem Gemeindekirchenrat grünes Licht für eine Urnengrabstätte gekriegt“, berichtet die 63-Jährige, die selbst Kirchenälteste ist . Sie hatte sich gemeinsam mit Hannelore Schramm den Hut aufgesetzt.

„Denn die Viesener wollen eine grüne Wiese“, sagen beide. Vor allem Ältere, die keinen mehr haben, der die Gräber pflegt. Den Kindern, die entweder weit weg wohnen oder beruflich eingebunden sind, sei die Grabpflege nicht zuzumuten. Nachdem es im Nachbardorf Mahlenzien, das ebenfalls zum Kirchspiel Zitz gehört , noch zu Zeiten von Pfarrer Lück um die grüne Wiese ging, kam das Gespräch auch im 180-Seelen-Dorf auf. Den Stein ins Rollen gebracht habe die Tatsache, dass der gebürtige Viesener Paul Friedrich vor etwa zwei Jahren auf dem kommunalen Friedhof in Rogäsen beigesetzt wurde, weil es dort eine Urnenbegräbnisstätte gibt.

Vor allem Ältere wollen die grüne Wiese

„Wer in Viesen geboren worden ist, der will doch auch in Viesen seine letzte Ruhe finden“, stimmen Doris Kahle und Hannelore Schramm überein. Also luden sie im Herbst 2014 in die Dorfkirche ein. „Das Interesse war beachtlich. Auch Jüngere waren dabei“, erinnert sich Schramm, die Fotos vor Urnenstätten aus der Umgebung wie Ziesar, Paplitz und Tucheim herumzeigte. Zwei Varianten standen zur Wahl: Eine Wand mit Namenstafeln oder als Platten auf der Erde. „Die Mehrheit entschied sich für letztere“, sagen sie. Eine Bestattung bis zwei Urnen pro Platz sei möglich.

Kommunal und kirchlich

Im Amtsbereich Wusterwitz gibt es fünf kommunale Friedhöfe. Zwei befinden sich in Wusterwitz, jeweils einer in Rogäsen sowie in Neu- und Altbendorf.

Davon gibt es inzwischen auf vier Friedhöfen (außer Wusterwitz Dorf) die Möglichkeit der Bestattung auf anonymen Urnenbegräbnisstätten.

Ebenfalls fünf Friedhöfe sind in Besitz und Verwaltung der Kirche. Und zwar in Warchau, Gollwitz, Viesen, Zitz und Woltersdorf. Im Kirchspiel wären Mahlenzien und Viesen mit einer grünen Wiese die Ersten.

Die grüne Wiese in Viesen soll in Abstimmung mit dem Pfarrer und mit finanzieller Unterstützung der Kirchengemeinde in Eigeninitiative angelegt werden. „Die Genehmigung haben wir seit der letzten Versammlung, so Kahle. Unterstützung erhalten die Frauen von ihren Ehegatten, den Familien Post und Görn sowie von Sven Zagermann und Gerald Friesecke. „Die Männer haben in ihrer Freizeit die Fläche ausgemessen und die Markierung gesetzt, den Winter über die Metallpfosten selber gebaut und gestrichen“, erzählen beide. Die Kette, die ringsum gespannt werden soll, sei bestellt worden. „Sobald es das Wetter zulässt wird gebaut.“

Fläche ausgemessen und Markierung gesetzt

Am Ende eines noch anzulegenden Plattenweges wird ein alter Granitstein aufgestellt, der von einer längst abgelaufenen Grabstelle ohne Hinterbliebenen stammt. Er soll von Steinmetz Fischer aus Brandenburg bearbeitet und mit einem Spruch versehen werden. „Das Ehepaar Overfeld aus dem Dorf hat eine schöne Bank gesponsert, die ab Frühjahr ihren Platz an der Friedhofsmauer unter dem Ahorn finden wird“, freut sich Viesens Kirchenälteste, die sich die fertige Urnengrabstätte schon im geistigen Auge vorstellen kann.

Sorge bereitet ihr der Zustand der 1953 damals noch von der Kommune mit Hilfe von Viesenern errichten kleinen Trauerhalle, an der bis auf den nach der Wende errichteten Carport seit Jahrzehnten nicht viel gemacht worden sei. „Ich geniere mich manchmal, sie aufzuschließen“, sagt die 63-Jährige. Die Fenster sind marode, der Betonfußboden gerissen. Feuchteschäden ringsum, die noch schlimmer geworden seien seit Diebe die Zinkfallrohre der Regenrinne geklaut hätten. „Da muss was passieren“, sagt Kahle. Der Pfarrer habe ihr zugesichert, dass eine Firma einen Kostenvoranschlag mache.

Von Claudia Nack

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