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Villa Wiesike: Retter dringend benötigt

Brandenburg an der Havel Villa Wiesike: Retter dringend benötigt

Ein denkmalgeschütztes Ensemble – die Villa Wiesike in Plaue – steht kurz vor dem Zusammenfallen. Ein Berliner Bauherr will es retten und 1,5 Millionen Euro in seinen möglichen Altersruhesitz investieren. Noch sind Fragen offen – aber der potentielle Käufer will nun die öffentliche Diskussion darüber führen und eine Lösung anstreben.

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Die Villa Wiesicke am Plauer Margarethenhof in voller Pracht – auf einer Ansichtskarte aus dem Jahr 1908.

Quelle: Repro: Sammlung Hesse

Brandenburg/H. „Die Wiesikesche Villa war bei seinem Eintreffen an dieser Stelle nicht viel besser als eine Lehmkate gewesen, die nur gerade den Ansprüchen eines Meiers oder Wirtschaftsinspektors genügen konnte. Wiesike hat dem ungeachtet nicht viel daran geändert und statt Umbauten vorzunehmen, sich darauf beschränkt anzubauen, wie es das Bedürfnis erheischte“, beschreibt Theodor Fontane im fünften Band seiner Fünf-Schlösser Tour durch die Mark Brandenburg ziemlich genau das Konstruktionsprinzip des Hauses von Hermann Wiesike. „So war etwas wenig Künstlerisches, aber dafür etwas Pittoreskes und zugleich sehr Praktisches entstanden.“

Stefan Hornbostel ist mit seiner Frau Regine Rathmann schon seit geraumer Zeit auf Haussuche – ein Grundstück am Wasser im 100-Kilometer-Umkreis von Berlin, weil er sich vor zwei Jahren bereits ein historisches Boot gekauft hat. „Ich bin im Internet auf die Offerte für die Wiesike-Villa gestoßen, habe sie mir angeschaut und wollte gleich wieder wegfahren“, erzählt der Professor vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Das Haus eine Ruine, in direkter Nachbarschaft ein Campingplatz und ein Gartenbaubetrieb, direkt vor der Wasserlinie ein 160 Meter langer Bootssteg – das erschien nicht idyllisch und einladend genug.

Ronald Menzel von der Fischereischutzgenossenschaft, Ortsvorsteherin Lieselotte Martius und Gunter Dörhöfer vom Fontaneverein hätten ihn aber mit ihren Geschichtsschilderungen begeistert: „Ich fühlte mich dann wie in einer Szene von ,Effi Briest’ mit dem bürgerlichen Haus, dem Schloss gegenüber und der verbindenden alten Plauer Brücke als Industriedenkmal“, beschreibt es der potentielle Erwerber. Es habe günstigere Angebote gegeben, um einen Altersruhesitz für das Paar zu erwerben und herzurichten, doch hätten sich die Beiden ausgerechnet in das verwahrloste Ensemble aus Haus und Park mit den Sichtachsen zum Schloss verliebt.

1,5 Millionen Euro werden wohl gebraucht, um das Haus und den kleinen Park instand zu setzen – es ist auch die finanzielle Schmerzgrenze für das Paar. Sie wollen keine gewerbliche Nutzung, möchten nur denkmalgerecht sanieren und die alten Raumgrößen wiederherstellen. Gepflegt werden sollen zeitgemäß die Traditionen des Hauses – Wiesike war ein Anhänger der Homöopathie und der Schopenhauerschen Philosophie. So soll das Ensemble beispielsweise an Tagen des offenen Denkmals für Gäste offen stehen, denkbar seien auch öffentliche Veranstaltungen wie ein Gartenfest mit Lesungen.

Um seine Pläne umsetzen zu können, hat Hornbostel den renommierten Architekten Achim Krekeler verpflichtet, der die Immobilie seit mehr als 20 Jahren kennt und auf dessen Rettung drängt: „Es ist unmittelbar 5 vor 12, zwei Jahre hält das Haus nicht mehr durch ohne eine bauliche Rettung. Der nächste größere Wassereintrag oder eine nennenswerte Schneelast könnten sein Schicksal bereits vorzeitig besiegeln.“

Schon vor Monaten habe er gemeinsam mit dem Bauherren die Bauantragsunterlagen eingereicht, eine Antwort aus dem Rathaus steht aus. Es gibt Faktoren und „Nebenkriegsschauplätze“, welche ein zügiges Bearbeiten erschweren. Die Fischereischutzgenossenschaft verfügt über das 11.000 Quadratmeter große Grundstück und will es verkaufen. Im vorigen Jahr hatte sie – scheinbar grundlos – eine Mauer errichtet, um den Uferweg unpassierbar zu machen und die Vermarktungschancen zu erhöhen. Diese Mauer wurde zerstört – und wieder aufgebaut (siehe Infokasten). Jetzt streiten Fischer und Kommune vor Gericht.

Mauer-Drama an der Havel

Die Fischereischutzgenossenschaft zieht im Juli 2017 eine Mauer nahe des Havelufers hoch, um ein Passieren des Uferweges zu verhindern.

Die Kommune ordnet den Rückbau an und begründet dies mit dem freien Betretungsrecht der Natur.

Die Fischer hatten im Jahr zuvor schon einmal verloren.

Ein Unbekannter zerstört die Mauer, dann wird sie wieder aufgebaut.

Die Stadt droht mit Zwangsgeldern und Ersatzvornahme, setzt den Vollzug aber aus, weil die Fischer mit ihrem Rechtsanwalt Dirk Stieger vors Oberverwaltungsgericht ziehen.

Der potentielle Erwerber will den Weg aber offen lassen.

Hornbostel hingegen versichert, den Weg offen zugänglich zu halten und den kleinen Park landschaftsgärtnerisch so zu gestalten, dass sich nicht jeder Fremde bis zum Haus „verläuft“. Doch Teil des Bauantrages ist auch ein Bootshaus, um sein wertvolles Boot unterzubringen – an der südlichen Grundstücksgrenze, nahe des vorhandenen Bootsplatzes von der Steganlage. Auf älteren Karten ist solch eine kleine Hafenanlage mit einem (vermutlich) Bootshaus zu sehen. Hier gibt es Nachfragen von Stadtverordneten, vor allem wegen der Gleichbehandlung beim Errichten von privaten Steganlagen.

Stefan Hornbostel will nun in die Offensive gehen und sich allen Fragen stellen – in Plaue, möglicherweise bei einer Sitzung des Unabhängigen Bürgervereins, aber auch im Stadtentwicklungsausschuss, dessen Chef Georg Riethmüller (CDU) signalisiert bereits Interesse.

Von André Wirsing

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