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Virtuos und wagemutig

Giovanni Sollima spielt eigenes Stück Virtuos und wagemutig

Das Beste, das Aufregendste, kam zum Schluss. Nach der Pause des 2. Sinfoniekonzerts der Brandenburger Symphoniker betrat der Sizilianer Giovanni Sollima das Podium des Theaters. Er brachte eine eigene Komposition in die Havelstadt mit, das Cellokonzert "Folktales".

Brandenburg/h.. Es ist eine unkonventionelle Musik, die Barockes und Modernes verbindet. Improvisatorische, tänzerische, jazzige und folkloristische Andeutungen sind nicht von der Hand zu weisen, bei der sich aber auch manch äußerliche Aktion an Aktion reiht.

Als Sizilianer habe er beim Komponieren, wie er selbst sagte, eine Art Schmelztiegel verschiedener Klänge in den Ohren. Sollima scheint der beste Anwalt seines Werks zu sein. Er musizierte "Folktales" hoch konzentriert und sehr impulsiv. Expressiv-virtuos und dabei bisweilen wagemutig ist seine Spieltechnik.

In den singenden Passagen kann er aber auch mit einem edlen Celloton aufwarten. Die fast unbändige Musizierlust, die er versprühte, sowie das mit Show-Elementen nicht geizende Spiel des Solisten rief das Publikum zu Beifallsstürmen heraus. Sollima ließ nämlich den Cellobogen vor Freude tanzen, wenn sich andere Kollegen mit ihrem Part abquälen.

Das groß besetzte Orchester zeigte unter der Leitung von Michael Helmrath eine bemerkenswerte Aufnahme- und Reaktionsbereitschaft im komplexen Stimmgewebe und in den facettenreichen Ausdruckswechseln.

Sollimas Cellokonzert hielt beste Unterhaltung parat. Darin reihte es sich in das Programm des Sinfoniekonzerts ein, das wiederum mit Crossover-Charakter aufwartete.

Alle Kompositionen, die im Brandenburger Theater musiziert wurden, sind unter der Sonne Italiens geschrieben. Auch die von Nino Rota. Der 1979 verstorbene Komponist ist in erster Linie bekannt als Schöpfer von Musik für 157 Filme, obwohl er auch Opern, Sinfonien, Konzerte, Kammermusik und Chorwerke schrieb, insgesamt 190 Kompositionen. Aus diesem Fundus hätte man sicherlich Werke finden können, die einem Sinfoniekonzert mehr Gewicht hätten geben können. Michael Helmrath wählte die Ballmusik aus, die Rota für Luchino Viscontis berühmten Film "Der Leopard" schrieb und in der er Motive aus Verdis Oper "La Traviata" benutzte. Ein Neutöner war der Komponist gewiss nicht, denn er blieb nachgerade seiner melodiösen Klangsprache treu.

Die Tanzmusik ist eklektisch, bietet keine bahnbrechenden Innovationen. Sie hat einen ausgesprochenen Spielmusikcharakter, doch mit zu wenig Abwechslung versehen und hat dadurch im Konzertsaal erhebliche Längen. Die Brandenburger Symphoniker versuchen der musikalischen Langeweile mit feiner Leichtigkeit zu begegnen.

Der 200. Geburtstag Giuseppe Verdis war Anlass, ihn mit zwei konzertanten Werken zu ehren. Als "Ouvertüre" musizierten die Symphoniker die Ballettmusik "Die Jahreszeiten" aus seiner selten gespielten Oper "Die sizilianische Vesper": frisch heraus, mit Temperament und richtig al dente.

Dann gab es zwei Sätze aus Verdis einzigem Streichquartett in e-Moll für großes Orchester, das Andantino sowie das Prestissimo. Michael Helmrath instrumentierte sie für großes Orchester.

Durch die farbkräftige Mischung des Klangs machte sich ein leichter und sicherlich unbeabsichtigter Schwulst breit, die vibrierende und wunderbare Intimität des Stücks ging verloren.

Von Klaus Büstrin

Nächste Aufführung an diesem Samstagabend ab 19.30 Uhr im Großen Haus des Brandenburger Theaters.

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