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Vom Professor zum Wahlbeobachter

Reiner Malessa in El Salvador in internationaler Delegation Vom Professor zum Wahlbeobachter

Eigentlich arbeitet Reiner Malessa in Mittelamerika mit Hilfe seiner Studenten der FH Brandenburg an Energieprojekten. Doch plötzlich fand sich der Maschinenbauprofessor mitten in den Präsidentschaftwahlen in El Salvador wieder. Die Partei FMNL hatte den Umwelttechniker im vergangenen Jahr gefragt, ob er als Wahlbeobachter zur Verfügung stehen würde.

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Reiner Malessa (li.) mit dem späteren Wahlgewinner Ortiz.

Quelle: privat

Brandenburg an der Havel. „Die beiden dominierenden Parteien, die linksgerichtete FMLN und die rechte Arena- Partei, nominieren Wahlbeobachter, um der Weltöffentlichkeit ein ordnungsgemäßes Wahlverfahren zu demonstrieren und die internationale Akzeptanz ihrer Kandidaten zu erhöhen“, erklärt der Brandenburger Professor, den das Oberste Wahlgericht des 7,3-Millionen-Einwohner-Staates seinerzeit akkreditierte.

Am Wahltag gehörte er einer Beobachtergruppe aus südamerikanischen Ministern, zwei Bundestagsabgeordneten und Dolmetschern an. Reiner Malessa lernte Óscar Ortiz kennen, bummelte mit dem heutigen Vizepräsidenten des Landes abends durch die Kneipen, begleitet von Juan Montero, dem er das ganze Abenteuer zu verdanken hat. Denn Montero hat vor ein paar Jahren Technologie- und Innovationsmanagement bei Bettina Burger-Menzel an der FH Brandenburg studiert und führt seither in seinem Heimatland Firmen aus Lateinamerika und Europa zusammen.

Der Beobachter und die Wahl

Reiner Malessa (62) lehrt seit 1993 als Professor im Fachbereich Technik der FH Brandenburg Physikalische Chemie, alternative Energien und Verfahrenstechnik. Er unterhält zahlreiche internationale Kontakte.
In El Salvador unterstützt Reiner Malessa seit sechs Jahren Umweltprojekte in Santa Tecla. Jedes Jahr verbringt einer seiner Studenten dort sein Praxissemester, erstellt bei einem Kafeeproduzenten Energiebilanzen oder optimiert Teilprozesse bei der Trocknung der Kaffeebohnen.
In einem künftigen Projekt geht es darum, die Grundkonzeption für ein Wasserkraftwerk zu erarbeiten, um Siedlungen mit Strom zu versorgen, die nicht ans Netz angeschlossen sind.
Der Wahlausgang war ganz knapp. Im zweiten Anlauf schaffte Malessas Kooperationspartner Ortiz den Sprung auf den Vizepräsidentensessel
(s. Grafik). Malessa: „Die Auszählung verlief viel lebhafter als in Deutschland. Jeder Stimmzettel wird in die Höhe gehalten, Anhänger bejubeln jede einzelne Stimme für ihre Partei.“

Den auf Umwelttechnik spezialisierten Malessa brachte Juan Montero vor sechs Jahren mit einem deutschen Kaffeeproduzenten in Santa Tecla zusammen. So entstand auch der Kontakt zu Óscar Ortiz, dem Bürgermeister der 150.000-Einwohner-Stadt und späteren Wahlgewinner. „Ein sehr volksnaher Mensch“, sagt Malessa. Die äußerst knappe Wahl, bei der nur gut 6.000 Stimmen den Ausschlag gaben, erlebte Reiner Malessa aus nächster Nähe mit, nachdem am Vorabend Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Manchu aus Guatemala die Besonderheiten der Wahl erläutert hatte.

Um 6.30 Uhr begann der Beobachtungsdmarathon. Der Brandenburger FHB-Professor erzählt: „Wahllokale in El Salvador sind für jemanden, der deutsche Maßstäbe ansetzt, eine große Überraschung. Schon von weitem war eine volksfestartige Stimmung mit ohrenbetäubender Musik zu hören. Zahllose Imbiss- und Getränkestände sowie Tanzgruppen und eine unüberschaubare Menschenmenge umsäumten das erste Wahllokal, eine Sportarena.

Damit die Stimmung nicht gänzlich ausufert, ist der Alkoholverkauf am Wahltag sowie am Tag davor und danach im ganzen Land streng verboten. Die Absicherung der Wahlorte durch Polizei und schwer bewaffnetes Militär war nicht zu übersehen. Schwer kriminelle Jugendbanden hatten mit Überfällen gedroht, die Sicherheitslage ist in manchen Gegenden El Salvadors nicht unbedenklich. Zum Glück gab es aber im ganzen Land keine Übergriffe.“

Von Jürgen Lauterbach

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