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Brandenburg/Havel Vom Sanierungsfall zur Perle an der Havel
Lokales Brandenburg/Havel Vom Sanierungsfall zur Perle an der Havel
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14:39 16.09.2016
Havelseee-Bürgermeister Günter Noack (l.) und Pritzerbes langjähriger Chefsanierer Friedhelm Wolko Quelle: Frank Bürstenbinder
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Pritzerbe

Für Friedhelm Wolko war es ein bewegender Abschied. 25 Jahre lang begleitete er als Chefsanierer die Erneuerung der Pritzerber Altstadt von der Planung bis zur Abrechnung. Am Ende flossen rund 6,7 Millionen Euro für ein schöneres Havelstädtchen.„Ich habe auch andere Kommunen betreut. Aber Pritzerbe lag mir immer etwas mehr am Herzen“, sagte Wolko am Donnerstag bei einem Empfang der Stadt Havelsee aus Anlass der Auflösung des Sanierungsgebietes.

Wie fast jede ostdeutsche Stadt, so hatte auch Pritzerbe nach der Wende einen hohen Bedarf in der Erneuerung seiner Gebäude und der städtischen Infrastruktur.

Der 1990 gewählte Bürgermeister Dietrich Freidank und das neu gewählte Stadtparlament bemühten sich frühzeitig auch mit Unterstützung der Partnergemeinde Emmertal in Niedersachsen den Erneuerungsprozess für die Stadt in Gang zu bringen.

Die Big-Städtebau bewarb sich 1991 als Treuhänderischer Sanierungsträger und übernahm die erste Antragstellung im Städtebauförderprogramm für die Stadt Pritzerbe. Der Treuhändervertrag wurde 1992 geschlossen.

Mitte der 1990er-Jahre wurden die ersten Förderanträge von privaten Bauherren gestellt. Für mehrere kleinteilige Maßnahmen gab es Zuschüsse. Doch überstieg die Nachfrage das vorhandene Budget. Trotzdem sanierten viele Eigentümer nach den Straßenerneuerungen ihre Häuser.

Vier Gebäude wurden über geförderte Maßnahmen abgerissen. Darunter ein Denkmal am Markt 14.

Warum? Im Krieg unzerstört war die historische Mitte Pritzerbes samt dem Original-Straßenmaterial über die Jahrzehnte unverändert erhalten geblieben. Trotzdem wiesen von den 238 Gebäuden im rund 20 Hektar großen Sanierungsgebiet 80 Prozent mehr oder weniger starke Schäden auf. Kita und Schule waren modernisierungsbedürftig. Die Straßen und der Uferbereich der Havel waren in einem schlechten baulichen Zustand. Für Stadtsanierer mit Phantasie war es eine verlockende Herausforderung aus Pritzerbe wieder eine Perle an der Havel zu machen.

Die neue Ablage mit dem aufgespannten Segel ist das neue Wahrzeichen Pritzerbes. Quelle: JACQUELINE STEINER

Beeindruckt war Wolko auch vom festen politischen Willen der Stadtväter die zu DDR-Zeiten verschlissene Infrastruktur und Bausubstanz mit vereinten Kräften wieder auf Vordermann zu bringen. Dafür brachten Pritzerbe und später die Stadt Havelsee insgesamt über zwei Millionen Euro an Eigenkapital auf. In historisch kurzer Zeit sind 17 Straßen, Wege und Plätze grundhaft saniert worden. Überall gibt es neue Straßenlampen. Das gesamte Netz der Ver- und Entsorgung ist neu. Es gibt einen Schulneubau, eine schmucke Ablage, und auch die Kirche hat von der Stadterneuerung profitiert. „Es hat sich gelohnt, um bestimmte Dinge zu kämpfen“, sagte Wolko, dem im Verlauf von über 20 Jahren Bautätigkeit nicht nur Jubel zuflog.

Das Haus der Begegnung in der Havelstraße vor der Sanierung. Quelle: Privat

Pritzerbe war zugleich Wolkos letzte Wirkungsstätte für die Big-Städtebau GmbH. Das Unternehmen war als treuhänderischer Sanierungsträger an der Havel tätig. Als Ruheständler kam er gern noch einmal an seinen alten Arbeitsplatz zurück.

Das Haus der Begegnung in der Havelstraße nach der Sanierung. Quelle: JACQUELINE STEINER

Bürgermeister Günter Noack würdigte Wolkos Engagement mit einem Präsentkorb und den Worten: „Sie haben sich um Pritzerbe sehr verdient gemacht.“ Persönlich bedankte sich das Stadtoberhaupt auch bei Anka Zwetz Fiedler von der Bauverwaltung des Amtes Beetzsee und bei dem in den Ruhestand verabschiedeten Stadtarbeiter Klaus Taege.

Das Privathaus Dammstraße 16 vor der Sanierung (heute Apotheke). Quelle: Privat

In seiner Rede erinnerte Bürgermeister Noack an den Start Pritzerbes in die Erneuerung der Altstadt, wo bald nach der Wende als erstes kommunales Bauvorhaben die Kirchstraße saniert wurde. „Der anschließende Einstieg in das Bund-Länder-Programm zur Stadterneuerung war eine weise Entscheidung der damaligen Volksvertreter“, sagte Noack.

Das Privathaus Dammstraße 16 (Apotheke) nach der Sanierung. Quelle: JACQUELINE STEINER

Inzwischen hat das Land nach einem Abschlussbericht befunden, dass die Sanierungsziele erreicht und die städtebaulichen Missstände beseitigt sind. Das Sanierungsgebiet ist aufgehoben worden. Eine Erhaltungssatzung samt Gestaltungsfibel soll für die Zukunft den Charakter der historischen Altstadt bewahren.

Von Frank Bürstenbinder

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