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Brandenburg/Havel Von Aalschnüren, Peetzen und Kreuel
Lokales Brandenburg/Havel Von Aalschnüren, Peetzen und Kreuel
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13:17 11.07.2018
Die Ausstellung zur Geschichte der Fischerei in Plaue erzählt viel über den Werdegang des Handwerks und des Städtchens.  Quelle: Tobias Wagner
Plaue

Plaue an der Havel, traumhafte Gewässer, die von märkischen Kiefern und Sumpflandschaften eingebettet sind. Ideale Bedingungen also für die Fischerei. Bereits die Semnonen und nach ihnen die Slawen betrieben das Gewerbe vor mehr als 1000 Jahren.

Im Hochmittelalter entstanden entlang der Havel Fischergemeinden, die zumeist auf Kietzen nahe den Burgen Brandenburg, Spandau, Potsdam oder Plaue angesiedelt waren. Auch heute noch ist die Jagd nach Fischen Teil des Alltags in der Ortschaft, die seit 1952 zur Stadt Brandenburg gehört.

Die Ausstellung im Hofladen entführt die Besucher in die Zeit, als es in dem kleinen märkischen Landstädtchen noch Dutzende Familien gab, die vom Fischfang lebten.

„Aktuell arbeiten hier drei Fischerfamilien“, sagt Monika Schröter (65), Mitglied im Heimatverein Plaue. „Von immerhin ehemals 30 Familien“. Zunehmende Schifffahrt, Wasserentnahmen der Industrie, Wilderei und Verschmutzungen verursachten Behinderungen, die es bei fallenden Fischpreisen nicht mehr zuließen, dass sich die Familien ausschließlich vom Fischen ernährten. Ein schwindendes Gewerbe, dessen es sich zu erinnern lohnt.

Zu diesem Zweck betreiben Schröter und der Heimatverein ein Fischereimuseum auf dem umgebauten Dachboden des Plauer Hofladens nahe der alten Plauer Brücke. Seit April 2015 werden hier Gerätschaften zum Fang, der Verarbeitung und zum Verkauf der Fische ausgestellt. „Alles Leihgaben und Dachbodenfunde“, sagt Schröter.

Allerlei Geräte

Aalkörbe, Aalschnüre und Zugnetze lassen erahnen, wie anstrengend und eng es auf den Fischerkähnen zuging. Utensilien, die dem Fischerei-Interessierten ein Begriff sind. Weniger bekannt sind Gegenstände wie die Peetze oder der Kreuel. Die Peetze ist ein Riemen zum Ruder des Kahns, der über Dollen gespannt ist, die an der Bordwand des Kahns angebracht wurden.

Der Kreuel half bei der Suche nach versunkenen Aalschnüre. War das Ende der Aalschnur im Wasser verloren gegangen, wurde an der Stelle so lange mit dem Kreuel auf dem Grund des Gewässers gesucht, bis sich die Schnur am Anker verfing und dann wieder hinaufgezogen werden konnte.

Blick in die Nettestube

Bemerkenswert ist die Nachbildung einer Fischerhütte innerhalb der Ausstellung. Sehr detailliert verdeutlicht der Bereich das Leben eines Fischers in den eigenen vier Wänden. Die traditionelle Berufsbekleidung am Haken, Essgeschirr und die Stiefel an der Wand – fast meint man, den Geruch des Frischgefangenen und den Tabak aus der Pfeife in der Nettestube riechen zu können. Diese Nettestube war ein warmer und trockener Platz, an den sich der Fischer zurückzog, um seine Netze zu flicken.

Denn während heute Netze zumeist gekauft werden, hat man früher, vor allem in den Wintermonaten, die Netze in mühsamer Handarbeit geknüpft. Nicht selten war dieser Raum zugleich Küche oder der gemeinsame Essenraum, in dem die Netze aufbewahrt, Arbeitssachen, Materialien und Geräte getrocknet wurden.

Adresse und Öffnungszeiten

Das Fischereimuseum befindet sich nahe der alten Plauer Brücke in der Genthiner Straße 2 in 14774 Brandenburg an der Havel, Ortsteil Plaue.

Geöffnet ist es mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Der Eintritt ist frei.

Wer eine Führung oder mit einer Gruppe vorbei schauen möchte, meldet sich an unter 03381/403244.

Das Museum ist nicht barrierefrei.

Die Ausstellung zeigt, wie so ein Platz zum Flicken ausgesehen haben kann und stellt die unterschiedlichen Materialien und Werkzeuge vor, die man zur Herstellung verschiedener Fischereigeräte benötigte. Dazu gehören Netznadeln, die der Fischer selbst hergestellt hat, zum Knüpfen von Netzen oder Schwimmer, die das Netz an der Wasseroberfläche halten.

Ohne Fisch ging es früher im Winter dann jedoch nicht. Viel stärker als heute war der Fisch damals Grundnahrungsmittel und der Verkauf im ganzen Jahr möglich. Seit Jahrhunderten nutzten die Fischer daher die Möglichkeit des Eisfischens, um im Winter wenigstens einige Einkünfte zum Überleben der Familien zu erzielen.

Die Jacke am Haken.  Quelle: Tobias Wagner

Diesen spannenden Aspekt der Fischerei stellt das Museum in einem eigenen Abschnitt vor. Denn die Gefahr des Einbrechens beim Eisfischen war allgegenwärtig. Auf den ausgestellten Eisschlitten, den sogenannten Pickböcken, fuhr man über das Eis zum Fanggebiet. Ebenfalls zu sehen sind Äxte, mit denen das Eis aufgeschlagen wurde, um die Netze in das Wasser zu lassen. Genau wie spezielle Fußeisen, die der Fischer unter die Stiefel schnallte, um einen festen Stand zu gewährleisten. Abgerundet wird die Ausstellung mit einem Überblick über die Geschichte der Ortschaft.

„Wenn die Leute schon mal in der Fischereiausstellung sind, dann können sie auch gleich was über Plaue erfahren“, sagt Schröter. Auch wenn das Museum etwas versteckt auf dem Hinterhof des Hofladens liegt, finden viele Besucher den Weg in die Ausstellung.

Schließlich ist die Fischerei das älteste Gewerbe. Zumindest in Plaue. Doch nicht nur Familien und einzelne Gäste besuchen das Museum, auch Gruppen sind gerne gesehen. „In diesem Fall führen fischereierfahrene Vereinsmitglieder mit interessanten Anekdoten durch die Ausstellung“, schließt Schröter ab. „Und die Gäste dürfen auch mal selbst ein Netz flicken.“

Von Tobias Wagner

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