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Brandenburg/Havel Mieter sauer: Gleicher Preis für schlechtere Wohnungen
Lokales Brandenburg/Havel Mieter sauer: Gleicher Preis für schlechtere Wohnungen
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21:03 26.02.2018
Wohnungen in den Mietshäusern der WBG in der Barnimstraße in Nord kosten nach der jüngsten Mieterhöhung unabhängig vom Sanierungsstand bei gleicher Größe die gleiche Miete. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg an der Havel

Hans Klein (richtiger Name der Redaktion bekannt) ärgert sich. Der langjährige Mieter der Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg (WBG) hat vor wenigen Wochen eine Mieterhöhung von fast 14 Prozent für seine knapp 60 Quadratmeter große Wohnung in Nord erhalten, in der er seit 35 Jahren lebt.

Der 69 Jahre alte Rentner weiß, dass die Erhöhung rechtlich nicht zu beanstanden ist, sein Vermieter sich an geltende Gesetze hält. „Weil es dabei aber ungerecht zugeht, sind allein in unserem Block sechs bis acht Mieter empört darüber“, versichert Klein.

Gleiche Miete, aber nicht gleich Zustand

Eine Befragung unter Nachbarn brachte zutage: Erhöhung ist nicht gleich Erhöhung und Wohnung nicht gleich Wohnung. Das will heißen: Für Wohnungen gleicher Größe mit ganz unterschiedlich gutem Ausstattungszustand nimmt die WBG zum 1. April 2018 jeweils fast auf den Cent genau gleiche Miete.

Dieses Badezimmer ist seit dem Einzug vor 35 Jahren unverändert. Quelle: Jacqueline Steiner

Nachbarn, die in schöneren Wohnungen leben mit Bad und Küche neu gefliest und neuer Wohnungstür zahlten bisher ein paar Euro mehr als Hans Klein in seiner seit 50 Jahren unveränderten Wohnung. Von April an möchte die WBG trotz der Unterschiede von allen die gleiche Miete haben.

Klein wird aus diesem Grund rund 30 Euro mehr bezahlen, andere 10 Euro oder gar nichts zusätzlich. Diese „Ungerechtigkeit“ leuchtet Mieten wie Hans Klein nicht ein.

Neu gekachelt und gefliest ist das Bad eines Nachbarn, der ab April die gleiche Miete zahlt wie Hans Klein. Quelle: Jacqueline Steiner

Mietspiegel als Maßstab

Die WBG-Vorstände Matthias Osterburg und Gerhard Zapff erläutern ihre Sicht. Von allen Mietern im Bestand habe die WBG für das laufende Jahr 637 Mietparteien Erhöhungen angekündigt. „Maßstab war allein der qualifizierte Mietspiegel der Stadt Brandenburg an der Havel“, versichert Osterburg.

Vorstand und Aufsichtsrat der WBG hätten sich zur Mietpreisbildung darauf verständigt, dass als Maßstab für die Entwicklung der Bestandsmieten der Mittelwert des Mietspiegels für die dort festgelegten Quartiere gilt. Zudem sei festgelegt, dass eine einzelne Mieterhöhung nicht mehr als 50 Cent pro Quadratmeter Wohnfläche betragen soll.

Matthias Osterburg weist darauf hin, dass der Mietspiegel der Stadt Brandenburg eine Staffelung anhand des Alters der Ausstattung nicht hergibt. So unterscheide er beispielsweise nur, ob ein Bad vorhanden ist oder nicht. Wie schön es saniert ist, interessiert den Mietspiegel also nicht.

Marktgängige Preisbildung bei Neuvermietung

Die Mietpreisbildung bei der WBG Brandenburg eG umfasst im Wesentlichen zwei Bereiche, erklärt der Vorstand: die Neuvermietung und die Mieten der Bestandsmieter.

Die Neuvermietung erfolgt den Angaben zufolge anhand einer Bepreisung der einzelnen Wohnungen, so dass diese marktgängig vermietbar sind, die ordnungsgemäße Bewirtschaftung gesichert ist und die WBG gleichzeitig ihrem genossenschaftlichen Anspruch gerecht werden kann, Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten anzubieten.

Die unterschiedlichen Prozentsätze einzelner Mieterhöhungen ergeben sich, weil die Ausgangsmieten unterschiedlich sind, erklärt die WBG. Langjährige Mieter hätten zum Teil noch Mieten deutlich unterhalb des Mittelwerts Mietspiegel.

Die Mieteinnahmen setzt die WBG ein, um ihre Wohnungen zu bewirtschaften. Dazu gehören auch Programme zur Strangsanierung der Steigeleitungen, Kellerdeckendämmung und Dämmung oberster Geschossdecken, Balkonsanierung und Außenanlagengestaltung.

Langjährige Mieter haben Osterburg zufolge aber bisher noch zum Teil Mieten, die deutlich unterhalb des Mittelwerts im Mietspiegel liegen. Dieser liegt im vorliegenden Fall bei 4,15 Euro.

Marianne Rehda, Vorsitzende des Brandenburger Mietervereins, ist beeindruckt von der Fleißarbeit und der klaren Analyse des künftig benachteiligten WBG-Mieters, sieht aber so wenig wie Vereinsgeschäftsführer Frank Schulze eine rechtliche Möglichkeit, dagegen vorzugehen.

Bekommen Altmieter eher Mieterhöhungen?

Aufgefallen ist dem Mieterverein, dass sich nicht nur die WBG, sondern auch andere Wohnungsunternehmen in der Stadt eher Altmieter mit Mieterhöhungen behelligen, weil sie deren Auszug nicht so leicht fürchten müssen. „Junge Leute, die vielleicht erst frisch eingezogen sind, sind eher bereit, sich bei einer Mieterhöhung eine neue Wohnung zu suchen“, berichtet Frank Schulze.

Matthias Osterburg widerspricht für die Wohnungsbaugenossenschaft. Bei den aktuell 637 Mieterhöhung „ist eine Auswahl nach Altmieter und junge Mieter nicht erfolgt“, versichert der Vorstand. Altmieter Klein bliebt ein Trost: „In unserem Haus kennen und vertrauen wir einander schon seit vielen Jahren. Verliert jemand mal etwas im Hausflur, kann er sicher sein, dass er es zurück bekommt.

Von Jürgen Lauterbach

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