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Waldbrandgefahr ist hierzulande riesengroß

Brandenburg an der Havel Waldbrandgefahr ist hierzulande riesengroß

525 Hektar Wald brannten 2015 in Deutschland. Davon entfielen allein 57 Prozent in der Region Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und Brandenburg an der Havel. Am häufigsten ist es noch immer fahrlässiges Verhalten des Menschen, das ein Feuer verursacht. Mit ausgeklügelter Technik versucht die Feuerwehr, der Waldbrandgefahr zu entgegnen.

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Meter für Meter fressen sich die Flammen auf dem Waldboden voran.

Quelle: Julian Stähle

Mittelmark. Der Hochsommer ist in Brandenburg angekommen. Die Waldbrandgefahr steigt auf die höchsten Stufen. Und besonders das Gebiet, für das die Brandenburger Feuerwehr zuständig ist, hat es in sich. Potsdam-Mittelmark, Brandenburg an der Havel, Potsdam und Teltow-Fläming gehören zu den gefährdetsten Gebieten in ganz Deutschland. Im Jahre 2015 brannte auf einer Gesamtfläche von rund 525 Hektar Wald im Bundesgebiet, darunter gut 300 Hektar zwischen Havel, Teltow und Fläming. Zwar wird es Brände immer geben und in einem gewissen Maße sind sie notwendig, damit sich der Wald regenerieren kann.

„Aber von diesen Zahlen war selbst ich überrascht“, sagt Mathias Bialek, Leiter der Fachgruppe Feuerwehr und Rettungswesen in der Brandenburger Stadtverwaltung. In der Havelstadt sitzt die Rettungsleitstelle, die die Einsätze in Deutschlands feuergefährlichster Gegend koordiniert. „Aufgrund dieser hohen Waldbrandgefahr hat die Europäische Union das Land Brandenburg als Gebiet mit hohem Waldbrandrisiko klassifiziert“, sagt der Experte.

„Das Land ist damit auf gleichem Niveau wie Flächen in Südfrankreich, Spanien, Portugal und Griechenland – also die Gegenden, die man deswegen häufig in den Nachrichten sieht.“ Aktuell ist die Region Pedrógão Grande in Portugal stark betroffen, in der bisher 62 Menschen bei den verheerendsten Waldbränden seit Beginn der Auszeichnungen starben.

Das größte Problem der Brandenburger Region sei der Sandboden. Er könne nur wenig Wasser speichern, sagt Bialek. Deswegen reicht nur wenig Sonne, um den Waldboden wieder trocken werden und dadurch die Brandgefahr steigen zu lassen. Zudem bestehen die märkischen Wälder zu einem großen Teil aus Monokulturen, vorwiegend Kiefernwälder. Auch das trägt zu einem erhöhten Risiko für Brände bei.

Hinzu kommt das viele Kriegsmaterial, das nach wie vor im Boden schlummert. Auf einer Grafik, die die Munitionsbelastung im Land zeigt, ist die komplette Mark mit Punkten gesprenkelt wie ein Dalmatiner. Die Munition wird aber in Hinsicht auf Brände erst richtig gefährlich, wenn es schon zu einem Feuerausbruch gekommen ist. „In Folge von Flächenbränden kann die Munition explodieren“, erzählt Mathias Bialek. „Die Feuerwehr muss deswegen in den Wäldern Brandenburgs unbedingt auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, deswegen sind Brände in solchen Flächen langwierig und äußerst gefährlich in der Brandbekämpfung.“

Das sind die Gefahrenstufen

Gefahrenstufe 1: Sehr geringe Gefahr. Noch schaut der Forstmann recht gelassen in den Wald.

Gefahrenstufe 2: Geringe Gefahr. Selbst wenn es immer wieder Regenschauer gibt, kann sich ein Brand entwickeln.

Gefahrenstufe 3: Mittlere Gefahr. Die Förster sind in Bereitschaft, die Waldbrandzentralen werden besetzt.

Gefahrenstufe 4: Hohe Gefahr. Von jetzt an ist höchste Aufmerksamkeit geboten, es kann jederzeit brennen.

Gefahrenstufe 5: Sehr hohe Gefahr. Die Gefahrenlage ist extrem, eine Sperrung des Waldes ist nun möglich.

Um zu verhindern, dass Forst in großen Flächen in Flammen aufgeht, wird in der Bundesrepublik jeder Quadratmeter Wald beobachtet. Das passiert mit dem Waldbrand-Früherkennungssystem „Fire-Watch“. Dafür sind auf Türmen Kameras installiert, die den Horizont beobachten und eventuelle Rauchentwicklungen erkennen können. Diese weichen mit ihren Grauwerten nämlich von der normalen Umgebung und dem Horizont ab.

Kommt es zur ersten Rauchentwicklung, sendet die Kamera die Koordinaten der kritischen Stelle sofort per Internet an die nächste Waldbrandzentrale. Auch in Brandenburg stehen solche Türme. So erfüllt die Friedenswarte nicht nur ihren Zweck, einen atemberaubenden Blick über die Stadt zu ermöglichen. Auf ihrem Dach ist auch ein „Fire-Watch“ installiert.

Und warum kommt es zum Brand? „Die häufigste Ursache ist der fahrlässige Umgang mit offenem Feuer oder Licht“, sagt Michael Brandt, Beigeordneter des Fachbereichs Ordnung und Sicherheit der Brandenburger Stadtverwaltung. Außerdem entzünde sich immer wieder Müll, den Menschen zurücklassen, zum Beispiel Glasflaschen „Unsere Gebrauchsgegenstände sind mehr geworden, deswegen steigt auch die Fahrlässigkeit.“

Insofern könne jeder Mensch dazu beitragen, das Risiko eines Brandes zu senken. Aber auch andere Maßnahmen sind dazu geeignet. So weiß Michael Brandt: „Es findet ein Waldwechsel statt, weg von den Monokulturen, die ja nun mal leicht entzündlich sind. Das wird in Zukunft zumindest das Risiko nicht verschlimmern.“

Und auch dieses gehöre dazu. Immer wieder legen Feuerteufel mutwillig Brände. Derzeit bangt man in und um Netzen bei Lehnin, dass weitere Brände folgen.

Von Annika Jensen

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