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Warnstreik bei Heidelberger Druckmaschinen

200 Beschäftigte legen die Arbeit nieder Warnstreik bei Heidelberger Druckmaschinen

Zum Warnstreik der Heidelberger Druckmaschinen AG in Brandenburg an der Havel versammelten sich am Dienstag etwa 200 Frauen und Männer. Das waren mehr, als vorab kalkuliert. Die Belegschaft in der Havelstadt setzt sich für fünf Prozent mehr Lohn ein. Die Arbeitgeberseite bietet aktuell nicht einmal die Hälfte.

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Heidelberg-Mitarbeiter der Frühschicht ziehen vors Tor.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Die IG Metall hat am Dienstagmorgen zu knapp kalkuliert. Zum Warnstreik vor dem Werktor der Heidelberger Druckmaschinen AG in Hohenstücken orderte die Gewerkschaft je 150 Buletten und Bockwürste. Das reichte nicht, um die Frühschicht und Gäste aus anderen Metallunternehmen satt zu bekommen. Denn etwa 200 Frauen und Männer hatten sich vor dem Betrieb versammelt.

Gemeinsam für mehr Geld

Gemeinsam für mehr Geld: Die Belegschaft streikte am Dienstag.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Der zweistündige Warnstreik bei Heidelberg ist im laufenden Tarifstreit um mehr Geld schon die zweite Aktion der Gewerkschaft in der Stadt Brandenburg binnen weniger Tage. Bereits am Freitag hatten gut 300 Getriebebauer des ZF-Werks ihre Arbeit für zwei Stunden niedergelegt, um den Forderungen ihrer Gewerkschaft Nachdruck zu verleihen.

Arbeitgeber bietet 2,3 Prozent mehr Lohn

Als Forderung der IG Metall steht nach Ablauf der Friedenspflicht vor wenigen Tagen bundesweit eine Entgelterhöhung von fünf Prozent für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie im Raum, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite bietet aktuell 2,3 Prozent mehr und eine Einmalzahlung, allerdings möchte sie danach zwei Jahre Ruhe haben.

„Mehr als knauserig, mehr als Geiz“, wertete Gewerkschaftssekretär Bernd Thiele dieses Angebot und sprach vor den Heidelberger Beschäftigten von einer Provokation. Er kündigte an, die Warnstreiks in der kommenden Woche fortzusetzen. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, werden sich wieder ZF-Mitarbeiter vor ihrem Unternehmen versammeln.

Die Druckmaschinenhersteller aus dem Industriegebiet Hohenstücken hatten drei Jahre lang Arbeitskampfpause eingelegt mit Rücksicht auf den wirtschaftlich angeschlagenen Arbeitgeber, der um die Zukunft seiner Standorte rang, seine Betriebe restrukturierte und sich konzernweit von tausenden Mitarbeitern trennte.

Bosch Solar vor der Entscheidung

Am 6. Oktober 2015 hatte die Bosch-Konzernleitung bekanntgegeben, dass sie den Entwicklungsstandort in Brandenburg/Havel mit rund 180 Beschäftigten schließen will.

Zwei Investoren haben inzwischen Interesse an dem Werk angemeldet.

Ein chinesisches Unternehmen will offenbar weiter an der Entwicklung der Dünnschichttechnologie arbeiten und würde nach unbestätigten Angaben zwischen 80 und 90 Bosch-Mitarbeitern übernehmen, vornehmlich Entwicklungsingenieure.

Eine europäische Investorengruppe würde in die Produktion gehen und, ebenfalls unbestätigt, 120 bis 130 Brandenburger Bosch-Angestellte weiter beschäftigen.

Noch im Mai soll die Entscheidung am Konzernsitz in Stuttgart fallen, ob einer der Investoren zum Zuge kommt oder das Werk ersatzlos geschlossen wird.

Inzwischen sei Heidelberger Druck stark genug, die Lohnerhöhungen zu zahlen, meinte der Betriebsratsvorsitzende Sven Hutengs. Der Gewerkschafter hält nichts davon, dass die beschworene „Profitabilität im Unternehmen Verzicht der Kollegen“ bedeutet. Verzicht rette keinen Standort, wie das Beispiel Leipzig zeige, wo die Kollegen vor der Schließung Entgeltverluste hingenommen hätten.

Hutengs wies auf die noch laufende Restrukturierung bei Heidelberg hin, die dazu führe, dass in Hohenstücken noch immer keine 38-Stunden-Woche, sondern weiter reduziert gearbeitet wird. Jede Lohnerhöhung sei daher nicht mehr als der Ausgleich für durch die Reduzierung entgangenen Lohn.

Laufende Restrukturierung bei Heidelberg

Zur Verschärfung des Arbeitskampfes nach Pfingsten, den die IG Metall angekündigt hat, falls die Arbeitgeber kein „verhandelbares Angebot“ vorlegten, meinte der Gewerkschafter Hutengs: „Einen 24-Stunden-Streik haben wir noch nicht erlebt, aber wenn es notwendig ist, sind wir dazu bereit.“ Ausreichend Buletten stellte Gewerkschaftssekretär Thiele in Aussicht, wenn es um die Wurst geht.

Als Gäste sind am Dienstag auch mehrere Beschäftigte des Heidelberger Nachbarunternehmens vor das Werktor gekommen. Die Mitarbeiter des von Schließung bedrohten Bosch-Solar-Cistech-Betriebes unterstützten den Warnstreik und wiesen auf ihre Lage hin.

Von Jürgen Lauterbach

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