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Brandenburg/Havel Nach 200 Jahren wächst in Brandenburg wieder Wein
Lokales Brandenburg/Havel Nach 200 Jahren wächst in Brandenburg wieder Wein
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00:31 14.09.2015
Der Weinanbau hat im Marienberg eine Jahrhunderte alte Tradition, wie die älteste Darstellung der Stadt Brandenburg zeigt. Quelle: Repro: Hesse
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Brandenburg/H.

Auch wenn man es fast vergessen hat: 600 Jahre lang gehörte in Brandenburg der Weinanbau so selbstverständlich zur Stadt wie der Roland und die Havel. Über 80 Weinbauern und Winzer, sowie etliche Weinschänken in der Brandenburger Altstadt und später in der Neustadt und Klein Kreuz sprachen eine eindeutige Sprache. In der ältesten Darstellung der Stadt Brandenburg von Zacharius Garcäus aus dem Jahre 1582 wird deutlich, wie weit sich der Weinberg, der rund um die Marienkirche auf dem Marienberg angelegt war, hinunter in die Stadt zog.

Im Verhältnis dazu ist der kleine Weinberg auf dem Hochbehälter der stadteigenen Wassertochter Brawag auf dem Marienberg nachgerade winzig. Doch dieser Weinberg ist eine Wiederbelebung einer uralten Brandenburger Tradition und damit ein Stück havelstädtischer Identität. Uwe Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke und der Brawag in Personalunion, ist sichtlich stolz, als er in dieser Woche auf „seinem“ Weinberg steht. Die Mühen der vergangenen beiden Jahre haben sich sichtlich gelohnt: Dicke, süße Trauben hängen von den 3 300 Weißweinstöcke der Sorten Solaris und Johanniter, die vor zwei Jahren dort angepflanzt worden sind.

Am kommenden Mittwoch soll mit der Weinlese begonnen werden. „Ein bisschen aufgeregt sind wir schon“, gibt Müller zu, der das Projekt zusammen mit Madlyn Weber, die für die Brawag sonst die Öffentlichkeitsarbeit organisiert, persönlich betreut hat.

Unvergessen sind die Momente, als im April 2013 Ulrich Fehrenbacher aus dem Schwarzwald mit seinem kleinen Bagger begann, aus dem angekarrten Boden auf dem Hochbehälter Terrassen und Böschungen anzulegen. Und der sich, während die zahlreichen Zuschauer mit angstvollem Blick vermuteten, gleich werde der Bagger kippen, sich stets auf sein „Po- und Bauchgefühl“ verließ. Kein Problem am Nordhang, die 45 Grad dort sind für den Weinberg-Bauexperten Kinderkram. Der Südhang mit Stadtblick bringt es auf 68 Grad. Da gehen Pogefühl und Bagger an ihre Grenzen.

Wenig später werden unter Anleitung des Wein-Gurus Volker Jörger die 30 Zentimeter langen Rebstöcke mit einem stattlichen Wurzelballen in die exakt vorgefertigten Pflanzlöcher gesteckt und perfekt eingebuddelt.

Und während die Weinstöcke beginnen anzuwachsen, kommt der Regen. Sturzregen. Der trägt Teile der Berges wieder ab. Ein Rückschlag. Doch Müller, Jörger und Axel Mehrhoff, der Projektleiter des Weinbergs, lassen sich nicht entmutigen. Im Herbst 2013 zeigt der Wein erstmals sein buntes Herbstlaub. Im Jahr darauf finden sich die ersten kleinen Trauben an den Reben. Inzwischen hat man das Weingut Johner vom Kaiserstuhl für dieses nördliche „Anbaugebiet“ interessieren können. Der renommierte Winzer Karl-Heinz Johner lässt 2014 die ersten Trauben ernten und eine Hand voll Flaschen produzieren.

Doch die erste richtige Ernte wird es jetzt geben. 700 Kilogramm Solaris-Trauben werden Mittwoch gelesen. Zwischen 94 und 97 Öchslegrade, das entspricht einem hohen Zuckergehalt, hat die Traube jetzt, die Johannitertrauben sind mit 63 bis 70 Öchslegraden deutlich trockener und werden Anfang Oktober erst von den Reben geschnitten.

Bereits Anfang August (MAZ berichtete) gab es bereits die „Grüne Lese“. Dabei wurden gut 50 Prozent der Trauben bereits abgeschnitten, damit die Qualität der verbleibenden noch besser wird. Diese abgeschnittenen Trauben wurden als Naturdünger an den Stöcken liegengelassen.

Es muss schnell gehen, am Mittwoch. Etwa 70 Kisten mit je zehn Kilo Trauben und Trockeneis gilt es zu schneiden, ordnungsgemäß zu verpacken und sie dann ab 12 Uhr über 750 Kilometer zum Kaiserstuhl zu bringen, wo ab um 21 Uhr Volker Jörger mit den Vorbereitungen des Kelterns beginnt.

Der Kölner Uwe Müller, ein bekennender Fan des Weins, räumt ein: Auch er habe nicht bis ins letzte Detail geahnt, welch ein Aufwand betrieben werden müsse, bis aus einem baumbewachsenen Hochbehälter ein Weinberg werde und man dann in letzter Konsequenz einen guten Wein im Glas habe. Im Juni 2016, so sagt er siegessicher, werden etwa 800 Flaschen des Brandenburger Weins wieder in die Havelstadt zurückkehren. Zwei Jahre später, dann kann von einem 100-prozentigen Ertrag ausgegangen werden, könnten es 1500 Flaschen sein, die der Weinberg abwirft.

Billig ist der edle Trauensaft vom Marienberg, für den es im Übrigen noch keinen Namen gibt, sicher nicht. zwischen zehn und 15 Euro, so schätzt Uwe Müller, werden Interessenten des Weins im kommenden Jahr berappen müssen. Wo und wann der erste Wein verkostet wird, ist noch offen.

Von Benno Rougk

Er stellt Schulsozialarbeiter, führt Streetworker, leistet Hilfe zur Erziehung, macht therapeutische Angebote, organisiert Jugendfeiern. Aufgaben hat der Humanistische Regionalverband (HRV) genug. Er sei wahnsinnig, musste sich Geschäftsführer Axel Krause sagen lassen, als er auf die Idee kam, das Kinder- und Erholungszentrum (Kiez) zu übernehmen.

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