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Weit und breit kein Flüchtling

Tauziehen um Damsdorfer Kaserne Weit und breit kein Flüchtling

Händeringend sucht der Landkreis Quartiere für neue Flüchtlinge. Dabei steht die Damsdorfer Kaserne immer noch leer. Vor einem halben Jahr warb Potsdam-Mittelmark vehement für den Standort. Er galt angeblich als „alternativlos“.

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Fachbereichsleiter Thomas Schulz spricht auf der Damsdorfer Einwohnerversammlung.

Quelle: Frank Bürstenbinder

Damsdorf. „Der Standort ist alternativlos.“ Das war Thomas Schulz bei einer Einwohnerversammlung in der übervollen Schulsporthalle in Damsdorf am 17. Juni 2015. Der Fachbereichsleiter für Soziales in der Kreisverwaltung stimmte damals die Damsdorfer auf die Belegung der ehemaligen Kaserne mit rund 600 Asylbewerbern ein. Die Behörden hatten die ehemalige Militärliegenschaft als geeignet für eine Massenunterkunft befunden. Fast ein halbes Jahr später ist in Damsdorf weit und breit kein Flüchtling zu sehen.

Ist die Not in Potsdam-Mittelmark in Wahrheit nicht so groß? Doch. Die Lage ist seit dem Sommer sogar noch dramatischer geworden. Waren für dieses Jahr im Landkreis nur 750 Flüchtlinge angekündigt, sollen es bis Ende Dezember bis zu 3000 Asylsuchende werden. Händeringend sucht die Verwaltung Quartiere. Erntelager und Ferienparks werden zu Notquartieren umfunktioniert, Potsdam-Mittelmark mietet Hotels und Pensionen an, bestehende Übergangswohnheime werden auf Maximalkapazität gefahren. Im Sommer mussten in Bad Belzig Zelte für immer mehr Neuankömmlinge reichen. Die Bevölkerung ist aufgerufen, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Ein Unterkunftsgebäude in der Damsdorfer Kaserne wird als Übergangswohnheim angeboten

Ein Unterkunftsgebäude in der Damsdorfer Kaserne wird als Übergangswohnheim angeboten.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Um die Damsdorfer Kaserne ist es dagegen ruhig geworden. „Dabei könnten wir innerhalb von vier Wochen eine erste Etage für 50 Menschen bezugsfertig machen“, sagt Siegfried Klaßen von der gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Arbeit Kubus. Insgesamt hat sich Kubus auf bis zu 200 Flüchtlinge eingestellt. Dies würde eine deutliche Entlastung für die unter Druck stehende Kreisverwaltung bedeuten. Ein konkretes Vertragsangebot liegt dem Landratsamt seit Ende September vor.

Haken an der Sache: Die Kubus gGmbH ist nicht Eigentümerin des Kasernengeländes. Dafür aber Wunschkandidatin der Gemeinde Kloster Lehnin, die seit dem Sommer im Besitz des Areals ist. „Der Kreis hat von uns ein Komplettangebot erhalten. Die Kommune vermietet einen Kasernenteil an Kubus als Betreiber. Der Landkreis zahlt für die Unterbringung der Flüchtlinge an diesen Betreiber“, erklärt Kloster Lehnins Bürgermeister Bernd Kreykenbohm den Kern des Vertragsangebotes.

Einmalig im Landkreis

In Potsdam-Mittelmark ein bislang einmaliger Deal. Bisher vermieten Eigentümer direkt an den Landkreis, der dann die Betreibung organisiert. Die lange Entscheidungszeit begründet Vize-Landrat Christian Stein mit einem gesundes Misstrauen. „Dass ein Eigentümer Bedingungen diktiert, ist für uns neu. Unsere Mitarbeiter wollten wissen, wer überhaupt hinter Kubus steckt und welche Referenzen es gibt. Außerdem sind bei den Kostenerstattungen noch einige Fragen offen“, so Stein, der aktuell den krankgeschriebenen Landrat Wolfgang Blasig vertritt.

Entscheidung in den nächsten Tagen

Der amtierende Landrat lässt keinen Zweifel daran, dass der Kreis weiter an der Damsdorfer Kaserne interessiert sei. „Allerdings nicht um jeden Preis“, so Stein. Er hoffe dennoch, dass sich Kreis, Kommune und Kubus auf eine vertragliche Beziehung einigen können. Der in Kloster Lehnin lebende Kubus-Geschäftsführer Klaßen bezeichnet die jetzige Hängepartie als „hochgradig unbefriedigend“. Erste hauptamtliche Bewerber für die Asylbetreuung hätten wieder abgesagt. Auch die rund 50 freiwilligen Helfer in der AG „Willkommen in Damsdorf“ würden auf ein Signal warten, so Klaßen. Ihnen will der Kubus-Chef am 9. Dezember das auf Betreuung und Integration ausgerichtete Konzept vorstellten. Kubus ist seit 25 Jahren hauptsächlich in Berlin als Arbeitsfördergesellschaft tätig. Über die Hälfte der aktuell rund 400 Teilnehmer haben einen Migrationshintergrund. Seit einigen Jahren betreut Kubus auch Projekte für Jugendliche aus Südosteuropa.

 

 

 

Von Frank Bürstenbinder

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