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Brandenburg/Havel Wendeverbot bedeutet Odyssee für Anwohner
Lokales Brandenburg/Havel Wendeverbot bedeutet Odyssee für Anwohner
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07:55 24.03.2018
Das Wendeverbotsschild an der Kreuzung Zentrumsring/Wilhelmsdorfer Straße ist neu und schafft Verdruss bei Anwohnern. Quelle: JACQUELINE STEINER
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Brandenburg/H

Der flüchtige Autofahrer bemerkt es kaum, dieses kleine Schild, das seit einigen Wochen stadtauswärts kurz vor der Ampel und der Kreuzung Wilhelmsdorfer Straße am Zentrumsring steht. Das Verkehrsschild heißt „Verbot des Wendens“, Es stört Anwohner empfindlich.

Kleines Zeichen, große Wirkung. Ein 180-Grad-Wenden auf die Gegenfahrbahn ist dort auch bei grünem Ampellicht inzwischen verboten. Das ist blöd für die Bürger, die in den Häusern Otto-Sidow-Straße 11 bis 23 wohnen und über das Tor neben der Hausnummer 17 zu ihren Parkplätzen gelangen. Sie sind gezwungen zu einer kleinen Odyssee durch Brandenburger Straßen.

Rund 70 Anwohner und Kleingärtner sind betroffen

Wenn sie auf dem Zentrumsring Richtung Hauptbahnhof unterwegs sind, konnten sie bisher bei grünem Linksabbiegerpfeil an der großen Kreuzung die Kehrtwende machen und waren ruckzuck auf ihrem Parkplatz. Damit ist jetzt Schluss.

Anwohner Helmuth Mende (80) beschreibt die Situation, die nicht nur ihn trifft, sondern etwa 70 weitere Anwohner sowie Kleingärtner von zwei Sparten und natürlich Versorgungsfahrzeuge. Denn auf dem Hof zwischen dem Zentrumsring und der Franz-Ziegler-Straße befinden sich einige Garagen sowie in nicht zu knapper Zahl für Mieter hergerichtete und wilde Parkplätze.

Bei Missachtung droht ein Bußgeld von 20 Euro

Einen neuen Konflikt sieht Helmuth Mende auf Brandenburger Verkehrsteilnehmer zukommen, wenn das Gelände der ehemaligen Stärkefabrik an der Ecke Zentrumsring/Neuendorfer Straße mit dem Rewe-Markt bebaut wird.

An der Stelle erwartet er, dass nach Eröffnung des Marktes das Wenden an der Stelle ebenfalls verboten wird und es sich dann rächt, dass die stadt die Ausfahrt Wiesenweg nicht zu einem möglichen Wendepunkt gemacht hat.

Bei Missachtung des aus Sicherheitsgründen angebrachten Vorschriftzeichens Wendeverbot droht Verkehrsteilnehmern ein Bußgeld von mindestens 20 Euro, jedoch in der Regel keine Punkte in Flensburg und kein Fahrverbot.

Um zu ihren Häusern zu gelangen, müssen die betroffenen Bewohner nun an der genannten Kreuzung links abbiegen in die Wilhelmsdorfer Straße, von dort rechts in die Linienstraße, dieser danach folgen bis zu den Abzweigungen Gödenstraße oder Tismarstraße, von diesen beiden Straßen dann nach links in die vor allem zu Stoßzeiten viel befahrene Wilhelmsdorfer Straße, um von dort dann rechts in die Otto-Sidow-Straße einbiegen zu können zu den Parkplätzen hinterm Torbogen.

Der Stadtverwaltung fällt noch ein dritter Umweg ein

Die Alternative, die der Brandenburger Rentner skizziert, wäre von besagter Stelle rechts in die Wilhelmsdorfer Straße einzubiegen, dann rechts in die Grüne Aue oder links Koppehlstraße, dort irgendwie umständlich wenden, danach zurück in die Wilhelmsdorfer Straße und schließlich wieder links in den Zentrumsring.

Der Stadtverwaltung fällt nach Angaben des für Ordnung und Straßenverkehr zuständigen Beigeordneten Michael Brandt (CDU) noch ein dritter Umweg ein, nämlich: Um die Häuser der Otto-Sidow-Straße 11-23 anzufahren, könnten die Bewohner von der Havelbrücke kommend den Wiesenweg nutzen, danach weiter über die Franz-Ziegler- oder Gutenbergstraße in die Jahnstraße fahren. Von dort könnten sie dann über die Wilhelmsdorfer Straße die Otto-Sidow-Straße 11-23 anfahren, heißt es.

Helmuth Mende fordert den einfacheren Weg, nämlich dass die Stadt das Wendeverbot zurücknimmt. Die dadurch erzwungenen Umwege hält er für umständlich, unnötig , ökologisch unsinnig und sogar gefährlich.

Es geht auch ums „konfliktfreie Abbiegen“

Der Brandenburger weist darauf hin, dass die Anwohner nach dem zweispurigen Ausbau der Sidow-Straße ohnehin schon zum ein Kilometer langen Umweg gezwungen sind. Denn wollen sie in Richtung Hauptbahnhof fahren, müssen sie erst in die entgegengesetzte Richtung steuern bis zur Einmündung Caasmannstraße – ihre erste Chance, eine Kehrtwende zu machen.

Michael Brandt macht dem Rentner wenig Hoffnung, dass das Schild so bald wieder wegkommt. Denn es ist eine der Folgen, die der jüngste Umbau der Kreuzung und die Beseitigung der eigenen Rechtsabbiegerspur in der Wilhelmsdorfer Straße mit sich bringen.

Sicherheitsgründe machen Brandt und seine Verkehrsplaner geltend für das neue Wendeverbot. Denn ohne das Schild würden deren Einschätzung nach die Verkehrsströme in Konflikt geraten. Denn die Rechtsabbieger der Wilhelmsdorfer Straße und die Linksabbieger des Zentrumsrings bekämen mit den grünen Abbiegepfeilen freie Fahrt signalisiert. Deren „konfliktfreies Abbiegen“ würde gestört werden von Autofahrern, die an der Stelle auf dem Zentrumsring eine Kehrtwende machen.

Helmuth Mende widerspricht: „Eine Lösungsmöglichkeit besteht in der Veränderung des Zeitregimes an der Kreuzung.“

Von Jürgen Lauterbach

Er ist Herr über 140 000 Bücher und liebt klare Worte. Die findet Michael Bader, Leiter der Kreisbibliothek, auch aus Anlass seines bevorstehenden Ruhestandes. Kritik äußert er an mehreren Bibliothekskonzepten der Region.

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