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Wenn der lästige Sohn einfach nicht ausziehen will

Vor Gericht Wenn der lästige Sohn einfach nicht ausziehen will

Lieselotte K. (85) hat nur ein Kind, ihren Sohn Andreas (51). Als der unerwartet wieder bei ihr einzieht, verzweifelt die Mutter auf engstem Raum im kleinen Gartenbungalow – und setzt per Gericht durch, dass ihr Sohn auszieht. Doch der rückt ihr trotz Kontaktverbots auf die Pelle. Nun hat ein Gewaltschutzprozess vor dem Amtsgericht Brandenburg ein Ende gefunden.

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Der Sohn, der seiner Mutter monatelang zur Last fiel, erreicht vor dem Strafgericht einen Freispruch.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. Mit einem Freispruch endet am Montag ein ungewöhnlicher Prozess vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel. Lieselotte K. (85) hatte Strafantrag gegen ihren eigenen Sohn Andreas (51) gestellt, weil der ihr trotz eines Kontaktverbots wieder zu nah auf die Pelle gerückt war. Zuvor hatte sie gerichtlich durchgesetzt, dass er bei ihr ausziehen musste.

Wie sehr unterschiedliche Lebensauffassungen gepaart mit einem Zusammenleben auf engem Raum das Verhältnis einer Mutter zu ihrem Sohn belasten kann, zeigt das Beispiel der Rentnerin, die seit mehreren Jahrzehnten in einem Gartenbungalow in Borkheide lebt.

Rentnerin verliert auf engstem Raum ihren Lebensmut

Alles war gut, bis sich im September 2014 der erwachsene Sohn bei der gelernten Schneiderin einquartiert. In den Anfangsmonaten arrangiert man sich zwar. Doch mit der Zeit wird das gemeinsam Wohnen in dem relativ kleinen Häuschen für die Mutter zur Qual.

Nachbarn und Bekannte beschreiben, wie sehr sich die alte Frau durch die Gegenwart ihres Sohnes verändert. Die lebensfrohe Rentnerin wird immer wortkarger und verzweifelter, sie ist von der Rolle gewesen, berichtet einer ihrer Nachbarn.

Eine weitere Zeugin vor Gericht erzählt, wie sich die Rentnerin ihren Lebensmut verliert, „in sich zusammenfällt“ und ihr anvertraut, dass sie jetzt sterben oder ins Altersheim möchte. Der Grund: Ihr Sohn, der ihr einziges Kind ist, will und will trotz ständiger Bitten nicht ausziehen.

Sohn versperrt den Weg zur Toilette

Die alte Dame leide an seiner von Nichtstun begleiteten Gegenwart, an seinen Spitzfindigkeiten und seinem Verhalten, das zumindest einmal darin gipfelt, dass er sich der Mutter in den Weg stellt, als sie zur Toilette gehen will, mit der Bemerkung, sie müsse lernen, ihren Darm zu trainieren.

Am dritten Verhandlungstag am Montag bestätigt Lieselotte K. diesen Vorfall, misst ihm aber keine sonderliche Bedeutung bei. Sie berichtet dem Gericht, was sie so lästig fand: Dass „er nur da saß mit seinem Laptop, mir kein Holz aus dem Wald geholt hat, mir im Haus nicht geholfen hat, obwohl er handwerklich begabt ist und alles kann“. Lieselotte K.: „Mein Sohn hat einen anderen Rhythmus als ich, er lag noch im Bett, wenn ich aufstand, und hat nichts gemacht.“

Sohn durchbricht Bannkreis nach Gerichtsbeschluss

Mit Hilfe ihrer Nachbarn und einem Antrag beim Familiengericht erreicht die Rentnerin nach mehreren vergeblichen Anläufen im Juni 2015 ihr Ziel. Ihr Sohn muss ausziehen, er tut es im letzten Moment, ehe die Polizei erscheint. Doch einige Wochen kehrt er zurück auf das Grundstück der Mutter, um einige Sachen zu holen. Das darf er nicht, weil das Gericht ihm verboten hat, seiner Mutter in einem Bannkreis von hundert Metern nahe zu kommen.

Weil er dagegen im folgenden Juli verstoßen haben soll, zeigt die Mutter ihn an und erhebt die Staatsanwalt Anklage vor dem Amtsgericht Brandenburg. Am gestrigen Montag zieht die Mutter ihren Strafantrag zurück. Nach dem Auszug ist dass Thema für sie erledigt, sie will ihrem Sohn nichts Böses und wünscht sich auch keine Bestrafung. Seit er nicht mehr bei ihr wohnt, sei sie richtig erleichtert, berichten ihre Bekannten.

Andreas K. sieht sich als Opfer

Aus Andreas K.’s Sicht stellt sich der ganze Konflikt anders dar. Er sei nicht faul und untätig gewesen, sondern habe sich in einer Notlage befunden, in der er Hilfe von seiner Mutter erwartet habe. Mit ihrer Aktion vor Gericht habe sie erreicht, dass er zwei Monate lang ohne Bleibe war und im Auto schlafen musste. Das findet er ungerecht und belastend.

Richterin Karin Eichmann-Hoormann gibt dem freigesprochen Angeklagten ihre moralische Wertung mit auf den Weg : „Eltern sind zu unterstützen, nicht zusätzlich zu belasten.“

Von Jürgen Lauterbach

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