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Brandenburg/Havel Wenn die Pose zittert, kommt der Biss
Lokales Brandenburg/Havel Wenn die Pose zittert, kommt der Biss
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10:38 09.11.2017
Team-Angler Veit Wilde, der eigentlich für mordsmäßige Zander bekannt ist, verhalf Elias Ritter (11) zu seiner ersten Forelle. Quelle: Frank Bürstenbinder
Rottstock

„Lass die Pose zittern! Das lockt die Fische an. Und die Schnur immer leicht gespannt.“ Um einen guten Rat ist Marc Ziolkowski nicht verlegen. Kein Wunder, der Mann ist Deutscher Meister im Forellenangeln. Was es mit der Zitterangelei auf sich hat, erklärt der Profi dem 82-jährigen Gerhard Teschmidt. Der Rentner aus Zerbst hat noch nie eine Angel in der Hand gehabt. Auf dem Forellenhof Rottstock lernt er die Kniffe der jungen Generation kennen. Dahinter verbirgt sich eine relativ neue Angeltechnik aus Italien, dem Mutterland des Forellenangelns – in der Szene Tremarella (zittern, wackeln) genannt.

Der Deutsche Meister im Forellenangeln, Marc Ziolkowski (l.), zeigt dem 82-jährigen Gerhard Teschmidt aus Zerbst wie das Tremarella-Angeln funktioniert. Quelle: Frank Bürstenbinder

Teschmidt entschied sich für seine Premiere am Teich für eine klassische Posenmontage. „Bei der Tremarella-Methode kommt es darauf an, den Köder aktiv anzubieten“, erklärt der amtierende Deutsche Meister. Die Folgen bekommt die Forelle im Wasser zu spüren. Die aus dem Handgelenk geführten Vertikal- und Seitwärtsbewegungen erzeugen Lockreize, die der Fisch über seine hochempfindliche Seitenlinie aufnimmt. Der Einschlag lässt nicht lange auf sich warten. Eine schöne Portionsforelle kann den wackelnden Bienenmaden nicht widerstehen und saugt den Köder samt Haken ein. Dem Rentner aus Zerbst gelingt unter Anleitung eine sichere Landung mit dem Unterfangkescher. An Land geht es waidgerecht zu. Der gekescherte Fisch wird zunächst betäubt und dann mit einem Stich ins Herz getötet.

Das Ehepaar Jens und Bianka Tomczak aus Halle ist auch beim Angeln ein eingespieltes Team. Quelle: Frank Bürstenbinder

So ging es bei der Veranstaltung „Angeln für alle!“ Schlag auf Schlag. Über einhundert angemeldete und noch mehr spontan angereiste Petrijünger aus allen Teilen Deutschlands waren nach Rottstock gekommen, um zwei Tage dem Zielfisch Regenbogenforelle nachzustellen. Gehörte Gerhard Teschmidt zu den ältesten Teilnehmern war Lennhard Koppe aus Merseburg mit drei Jahren der jüngste Spund unter den Anglern. Allerdings unter Aufsicht seines Papas Carsten. Das Vater-Sohn-Gespann schaffte es dank gut besetzter Teiche schnell zum Erfolgserlebnis. Als Duo kamen auch Bianka und Jens Tomczak aus Halle an der Saale in den Vorfläming. Die Arbeitsteilung ist perfekt: Sie keschert, er fängt. Das Ehepaar gehört seit drei Jahren zum Stammpublikum auf dem von Matthias und Susanne Engels betriebenen Forellenhof, dessen Teiche vom kühlen Wasser des Gesundbrunnenbachs gespeist werden. „Was wir fangen wird filetiert oder als ganzer Fisch geräuchert. Da freut sich schon die ganze Familie drauf.“ Mit dem Startgeld ist der Fang abgegolten.

Forellenliebhaber aller Altersklassen trafen sich in Rottstock. Quelle: Frank Bürstenbinder

Obwohl als Volksangeltage angelegt, geht es nicht ohne Regeln. Die Angelplätze wurden zweimal am Tag ausgelost, um Chancengleichheit für alle zu bieten. An den Haken durfte nur, was Forellen fressen können. Also Teig, Bienenmaden, Mehlwürmer oder Tauwurmstücke. Kunstköder dagegen waren nicht erwünscht. Fachmännisch betreut wurden die Forellenangler vom Team der Firma Fishing Tackle Max, darunter Forellenprofis wie Michael Kahlstadt und Lars Lindemann, Vizeweltmeister 2011 im modernen Forellenangeln. Warum ihn das Forellenvirus nicht mehr los lässt? „Ich angle seit dem sechsten Lebensjahr, habe tolle Gewässer in ganz Europa kennengelernt. Die Vielfalt der Salmoniden ist groß. Es kann auf Saiblinge, Bachforelle oder Meerforelle gehen“, schwärmt Lindemann.

Auf die Forelle fertig los: Vom Regen ließen sich die Angler nicht abhalten. Quelle: Frank Bürstenbinder

Der Ex-Vizeweltmeister und seine Mitstreiter zeigten gerne jedem Angler ihre Tremarella-Tricks am Forellenteich, informierten über moderne Ruten, verteilten neu entwickelte Teigvarianten. Mit dabei Veit Wilde. Der Team-Angler ist den Brandenburger Petrijüngern als Raubfischprofi an Elbe und Havel bekannt. „Das Fischen von kampfstarken Forellen mit leichtem Gerät hat unbedingt seine Reize“, findet Wilde. Wer unter die ernsthaften Tremarella-Angler gehen will, findet im Handel die passenden Ruten, Montagen, Schnüre und Köder. Zurück zu Angel-Opa Gerhard Teschmidt. Stolz zeigt der 82-Jährige auf eine beachtliche Strecke. Für den Senior könnte das Forellenangeln mit zitternder Pose zum neuen Hobby werden.

Von Frank Bürstenbinder

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