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Wenn die Tochter den Chefsessel vom Vater übernimmt

Brandenburg an der Havel Wenn die Tochter den Chefsessel vom Vater übernimmt

Jedes Jahr stehen in der Region einige hundert Unternehmen zur Übernahme an, weil die alten Chefs sich zur Ruhe setzen. Wie unterschiedlich die Betriebsübergabe laufen kann, machten drei Unternehmer beim 3. Nachfolgeforum Westbrandenburg deutlich. Beispiel Metallbau Maserowski: Hier hat Petra Müller den Chefposten von ihrem Vater übernommen.

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Petra Müller ist Chefin von Metallbau Maserowski in Brandenburg/Havel. Die Firmenübernahme von ihrem Vater war anfangs gar nicht geplant.

Quelle: JACQUELINE STEINER

Brandenburg/H. Jedes Jahr stehen in der Region Westbrandenburg einige hundert Unternehmen zur Übernahme an, weil die alten Chefs sich zur Ruhe setzen. Wie unterschiedlich die Betriebsübergabe laufen kann, machten vor wenigen Tagen drei Unternehmer beim 3. Nachfolgeforum Westbrandenburg deutlich.

Petra Müller (52) aus Brandenburg/Havel dachte viele Jahre lang nicht daran, einmal Chefin ihres Unternehmens zu werden. Zwar beginnt die Diplom-Ingenieurin schon im Alter von 25 Jahren im Metallbaubetrieb ihres Vaters Gerhard Maserowski, der den Stahlwerkzulieferer im Januar 1989 übernommen hatte.

Doch damit ist der weitere Gang der Dinge nicht vorgezeichnet. Mehr und mehr führen Vater und Tochter das Unternehmen aber gemeinsam. „Irgendwann wurde klar, dass mein Vater auf absehbare Zeit in Rente gehen würde und ein langsamer Übergang beginnen muss“, erzählt Petra Müller.

Selbst diese Phase endet nicht abrupt, als Petra Müller im Januar 2002 Geschäftsführerin der Gesellschaft Metallbau Maserowski mit Sitz in der Barnimstraße wurde. Die Chefin schmunzelt. „Es war auch für meinen Vater ein langsamer Übergang, denn er durfte immer noch mitarbeiten.“

Die Mitarbeiter sind früh eingeweiht und erleben mit, wie Vater und Tochter die Stühle tauschen. Da sind Hausbank, Steuerberater und Kunden auch schon im Boot. Petra Müller: „Wir haben uns Zeit gelassen, daher war alles relativ entspannt.“

Verglichen mit der Brandenburgerin läuft bei dem Potsdamer Tilo Happich (45) alles in Windeseile ab. Vor zwei Jahren möchte der Diplom-Volkswirt mit seiner Frau aus Niedersachsen zurück in seine Heimatregion und sucht auf der „Exchange-Börse“ der IHK nach einer passenden Führungsposition.

„Auf meine Bewerbung hin haben sich daraus acht ernsthafte Kontakte ergeben – vom Start-Up-Betrieb bis zu einer 30-Millionen-Euro-Umsatz-Firma aus Erkner“, berichtet Happich den rund 60 Gästen des Nachfolgeforums im TGZ.

Die „Mikroskop Technik Rathenow“ war schnell mein Favorit“, erzählt der führungserfahrene Volkswirt. Der Betrieb hat nach seiner Recherche eine solide Basis, weist konstante Umsätze aus und erzielt immer Gewinne. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und vor allem passt das Zwischenmenschliche mit Carla und Ralf-Peter Lautenschläger, die das Unternehmen 1995 gegründet haben und in den Ruhestand wechseln wollen.

Etwa ein Dreivierteljahr lang verhandeln die beiden Vertragspartner und bauen Vertrauen auf, bis Tilo Happich als Geschäftsführender Gesellschafter der Askania Mikroskop Technik Rathenow am vergangenen 1. März die Leitung übernimmt – fast reibungslos, auch wenn ursprünglich am 1. November 2016 gewechselt werden sollte.

Happich: „Emotional am schwierigsten war es, den rechten Zeitpunkt zu finden, um die Mitarbeiter einzuweihen. Der neue Chef ist daher mehr als froh, dass alle an Bord geblieben sind.

Von der Wissenschaft wechselte Andreas Gerecke (28) in die Wirtschaft. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Hochschule Magdeburg-Stendal hatte wegen seiner Projekte Kontakte zu seiner heutigen Firma, der Rathenower Mechanik- und Werkzeugfertigung (RMW), die seit 1992 Optikzubehör entwickelt, konstruiert und herstellt.

Der Geschäftsführer spricht ihn 2014 auf die Nachfolge an. Im folgenden Januar fällt die Entscheidung dafür und im Oktober ist die Sache schon perfekt. In seiner Freizeit lernt Gerecke zuvor Mitarbeiter, Kunden und Technik kennen. Sein dringender Rat: „Bei allem immer erst mit der Ehefrau sprechen.“ Denn in der Anfangszeit komme man als neuer Chef erst spät oder gar nicht nach Hause. Doch das bessere sich von Monat zu Monat.

Die neuen Chefs haben einige Dinge im Betrieb verändert, Strukturen, Umgangston, Geräte. „Meine hohen Qualitätsanforderungen stressen die Mitarbeiter am meisten“, vermutet Gerecke. Happich hat Zettelaushänge im Betrieb verschwinden lassen, die Aufschriften trugen wie: „Private Telefongespräche sind verboten.“

Petra Müller hat als Chefin nach 15 Jahren das Thema Nachfolge im Hinterkopf. Sie denkt an zwei Schlosser, die ihre Meisterausbildung abgeschlossen haben. Die Bau-Ingenieurin: „Ich hoffe, dass sich dort etwas entwickelt.“

Von Jürgen Lauterbach

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