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Brandenburg/Havel Wenn die letzte Ruhe wackelt
Lokales Brandenburg/Havel Wenn die letzte Ruhe wackelt
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16:26 04.07.2016
Auch diese Grabstelle auf dem Lünower Friedhof soll nicht standsicher gewesen sein. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Lünow

Ruhe sanft – was auf manchem Grabstein steht, kann über Nacht zum Witz werden. Jedenfalls wenn die Friedhofsbürokratie das letzte Wort hat. Auf dem Lünower Totenacker, der vom Pfarrsprengel Päwesin verwaltet wird, ist es seit ein paar Tagen mit dem stillen Gedenken zwischen penibel geharkten Wegen, Buxbäumchen, Begonien und Stiefmütterchen vorbei. Flachgelegte Grabsteine sorgen unter Friedhofsbesuchern für Unmut.

Seit über 30 Jahren liegt der Vater von Monika Tangermann unter der Erde. Bis heute hält die Magdeburgerin, die seit Jahrzehnten den Sommer in Lünow verbringt, die Grabstelle in Ordnung. Jetzt wurde das steinerne Andenken an ihren Vater vom Sockel gestoßen. „Ich bin geschockt, wie würdelos mit der Totenruhe umgegangen wird. Hier möchte ich nicht begraben sein“, sagte sie der MAZ.

Klaus Steglich verliest seine Meinung zur Lage auf dem Lünower Friedhof. Quelle: Volkmar Maloszyk

Ein paar Meter weiter zeigt Klaus Steglich auf die letzte Ruhestätte einer Lünowerin. Sie hatte ihr Erbe der Kirche vermacht. Der Grabstein fiel trotzdem. Lünows Altbürgermeister reagierte empört. „So kann man mit fremden Eigentum nicht umgehen. Wir haben ihn einfach wieder aufgestellt.“ Für Steglich ist der Friedhof ein heiliger Ort, an dem Nachfahren mit ihren Altvorderen sprechen können. Andere Steine liegen noch immer im Sand. Und es könnten weitere hinzukommen. Gelbe Aufkleber der Friedhofsverwaltung sind ein Alarmzeichen für Angehörige, Freunde oder ehemalige Nachbarn, die Gräber aus alter Verbundenheit noch lange nach Ablauf des Nutzungsrechtes in Ordnung halten.

Die Friedhofsverwaltung war da. Quelle: Volkmar Maloszyk

Ein gelber Zettel klebte auch auf dem Stein für die Eltern von Carmen Richter. Ihre Mutter war dem deutlich früher verstorbenen Vater 2009 ins Grab gefolgt. „Es wurde nachbezahlt. Deshalb ärgert mich die ganze Aktion besonders“, so die Angehörige. Doch offenbar geht es der Verwaltung gar nicht um Liegezeiten oder längst abgelaufene Verträge. Denn der aufgeklebte Hinweis „Nutzungsrecht abgelaufen“ ist durchgekreuzt, was für noch mehr Verwirrung unter den Betroffenen sorgt. Waltraud Albrecht traut dem Frieden auf dem Lünower Friedhof jedenfalls nicht mehr: „Die Kinder sollen mich nach Brandenburg auf die grüne Wiese bringen.“

Kein schöner Anblick auf dem Lünower Friedhof. Quelle: Volkmar Maloszyk

Arnd Mannzen, der im Pfarrsprengel Päwesin für den Einsatz des Friedhofsarbeiters auf den sechs kirchlichen Friedhöfen rund um den Beetzsee zuständig ist, versteht die ganze Aufregung nicht. „Als Friedhofsträger sind wir zur Kontrolle der Standsicherheit von Grabsteinen verpflichtet. Was schon beim Auflegen der flachen Hand ins Wanken gerät, darf so nicht stehen bleiben“, erklärt Mannzen. Danach bleibe den Angehörigen immer noch eine mehrwöchige Frist, um den Mangel abstellen zu lassen. Er bedauert, dass nur in den wenigsten Fällen Kontakt mit dem Pfarramt aufgenommen wurde, obwohl auch die Telefonnummer auf den Aufklebern vermerkt ist. Kontrollen der Standfestigkeit gibt es nicht nur in Lünow, sondern auch auf allen anderen Friedhöfen.

Eigene Recherchen der Verwaltung nach Hinterbliebenen würden sich schwierig gestalten. Entweder seien auch die ehemaligen Vertragspartner längst verstorben oder es gebe überhaupt keine Unterlagen, so Mannzen. Leer geräumt werden soll der Lünower Friedhof von alten Grabstellen keinesfalls. Denn an Platz fehlt es auf dem Gelände rund um die Dorfkirche nicht. Pfarrerin Johanna-Martina Rief sprach sich gegenüber der MAZ für einen sensibleren Umgang mit der Friedhofsgeschichte aus. „Hier wurde aber nicht in böser Absicht gehandelt. Gegenseitige Vorwürfe bringen deshalb nichts.“ Betroffenen Angehörigen empfiehlt sie in jedem Fall Kontakt mit dem Friedhofsträger aufzunehmen.

Von Frank Bürstenbinder

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