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Werder wird zur Immobilienhauptstadt

Potsdam-Mittelmark Werder wird zur Immobilienhauptstadt

Werder ist der große Gewinner im Grundstücksmarktbericht 2016. In keiner anderen Region in Potsdam-Mittelmark wurde so viel Geld für Immobilien ausgegeben. Insgesamt im Kreis wechselten für 657 Millionen Euro bebaute und unbebaute Grundstücke den Besitzer. Ein neuer Rekordwert.

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Werder ist die Immobilienhauptstadt in Potsdam-Mittelmarks: In den Havelauen ist ein neues Wohngebiet entstanden.

Quelle: Olaf Moeldner

Mittelmark. Weiter steigende Bodenpreise befeuern den Umsatz am Immobilienmarkt in Potsdam-Mittelmark. So wechselten im vergangenen Jahr zwischen Havelland und Fläming Häuser und Grundstücke im Gesamtwert von 657 Millionen Euro den Besitzer – so viel wie noch nie. „Obwohl sich die Zahl der Kaufurkunden mit rund 3700 im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert hat, gibt es eine um fast 15 Prozent gestiegene neue Rekordsumme“, teilte Wilk Mross im Bauausschuss des Kreistages mit. Der Vorsitzende des Gutachterausschusses für Grundstückswerte verwies insbesondere auf die rasante Entwicklung in der Stadt Werder.

Wilk Mross leitet den Gutachterausschuss für Grundstückswerte

Wilk Mross leitet den Gutachterausschuss für Grundstückswerte.

Quelle: Heiko Hesse

Mit 155 Millionen Euro haben die Kauffälle in der 25 0000-Einwohner-Stadt den größten Anteil am Umsatzkuchen. Vor allem in den Werderaner Havelauen am Großen Zernsee brummt das Geschäft mit gewerblichen Immobilien, Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern. In Werders neuestem Wohngebiet leben bereits mehr als 1700 Menschen. Deren Zahl soll sich in den kommenden Jahren noch verdoppeln.

Die Preise steigen in Werder schon seit Jahren kontinuierlich. Betrug der durchschnittliche Gesamtkaufpreis für Wohnungseigentum im Jahr 2012 rund 171 000 Euro, wurden 2016 etwa 203 000 Euro gezahlt. Der durchschnittliche Kaufpreis für einen Quadratmeter Wohnfläche nähert sich der 3000-Euro-Mark. „Die Zinsen sind niedrig, die Leute kaufen, was am Markt ist“, so das Fazit von Gutachterchef Mross.

Mit dieser Entwicklung bremst Werder sogar die Regionen Kleinmachnow und Teltow aus, wo Immobilien für jeweils 100 Millionen Euro gehandelt wurden. Ein Grund könnte die langsam abnehmende Baufläche in bestimmten Ortsteilen sein. So hat sich im Gegensatz zum Geldumsatz der Einbruch beim Flächenumsatz auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Knapp 3000 Hektar wurden im vergangenen Jahr umgesetzt. 2014 waren es noch fast 5500 Hektar Grundstücksfläche. Land- und forstwirtschaftliche Grundstücke nehmen den Löwenanteil am Flächenumsatz ein; nämlich 76 Prozent. Unbebaute Baugrundstücke bringen es auf nur noch sieben Prozent.

Gutachter bekommen alle Kauffälle

Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte trennt bei Preisniveau und Preisentwicklung nach dem Berliner Umland und dem sogenannten Weiteren Metropolenraum für selbstständig nutzbare Grundstücke von 150 bis 2500 Quadratmeter. Sämtliche Kauffälle müssen dem Gutachterausschuss gemeldet werden.

Bei den Grundstückspreisen handelt es sich um Durchschnittswerte, an die sich niemand halten muss. Sie sind aber ein Anhaltspunkt für das allgemeine Preisniveau in einer Region.

So ist der Bodenpreis in den letzten sechs Jahren im berlinfernen Raum um ein gutes Drittel gestiegen, im Speckgürtel um fast 50 Prozent.

Tiefergehende Informationen zum Grundstücksmarkt im gesamten Land Brandenburg gibt es im Internet unter www.gutachterausschuss-bb.de.

Im Bodenrichtwertportal „Boris Land Brandenburg“ unter www.boris-brandenburg.de sind die Bodenrichtwerte zur Einsichtnahme verfügbar.

Außerhalb des Berliner Umlandes ging es 2016 bei den Immobiliengeschäften deutlich ruhiger zu. In den Altkreisen Brandenburg und Belzig hält sich die Preisentwicklung mit plus 2,5 Prozent in Grenzen. Die Nachfrage nach Baugrundstücken vor allem in verkehrstechnisch gut erreichbaren Kommunen entlang der Bahnlinien oder der B 1 ist weiter lebhaft, wie Bürgermeister immer wieder berichten. Wegen des hohen Preisniveaus im Speckgürtel weicht so manche Familie bei der Verlegung ihres Lebensmittepunktes auf Immobilien außerhalb des Berliner Autobahnringes aus. Davon profitieren Kommunen wie Beelitz, Kloster Lehnin, Groß Kreutz (Havel) und selbst die Stadt Brandenburg.

Fern von Berlin und Potsdam, wie hier in Zitz, haben sich die Wohnbaulandpreise im Vergleich zu 2015 nur wenig verändert

Fern von Berlin und Potsdam, wie hier in Zitz, haben sich die Wohnbaulandpreise im Vergleich zu 2015 nur wenig verändert. Im weiteren Metropolenbereich reicht die Spanne der Bodenpreise von drei bis 160 Euro je Quadratmeter.

Quelle: Dirk Fröhlich

Wie groß das Preisgefälle zwischen dem Berliner Umland und dem „weiteren Metropolenraum“ ist, zeigt die Auswertung von 667 Kaufverträgen für mit Wohnhäusern bebaute Grundstücke. Fern der Hauptstadt liegt die Hälfte aller Kaufpreise nicht höher als bei 100 000 Euro, ein Drittel aller Geschäfte macht nicht mehr als 300 000 Euro aus. In der Luxuskategorie über 500 000 Euro spielt nur ein Prozent aller Besitzerwechsel mit. Im Berliner Umland fangen die meisten Hausverkäufe erst bei über 300 000 Euro an. Selbst die 500 000-Euro-Grenze wird noch in 20 Prozent aller Verträge überschritten.

Land- und forstwirtschaftliche Flächen erleben in allen Teilen Potsdam-Mittelmarks einen deutlichen Preisauftrieb. Der durchschnittliche Bodenrichtwert für Acker- und Grünland betrug im vergangenen Jahr 66 Cent pro Quadratmeter. 2012 waren es nur 43 Cent. Geradezu explodiert ist der Bodenrichtwert für Wald. Und zwar von 29 Cent in 2012 auf jetzt 51 Cent für den Quadratmeter.

Von Frank Bürstenbinder

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