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Brandenburg/Havel Weseramer entschlüsseln uralte Flaschenpost
Lokales Brandenburg/Havel Weseramer entschlüsseln uralte Flaschenpost
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07:15 29.09.2016
Carola Klingberg mit einer Kopie der jetzt entzifferten Flaschenpost. Quelle: Frank Bürstenbinder
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Weseram

Ein Liter Milch kostete drei Mark. Der Herrenanzug war für 1500 bis 2000 Mark zu haben. Das waren Anfang September 1921 die Preise für die Weseramer. Die heraufziehende Inflation ließ grüßen. Alles nachzulesen auf einer Papierrolle, die im vergangenen Jahr beim Abtragen des maroden Kriegerdenkmals vor dem Ostgiebel der Kirche entdeckt wurde. Das Schriftstück steckte in einer Flasche, die im gemauerten Sockel verborgen war. Leider war der Korken nicht mehr dicht, so dass die Aufzeichnungen teilweise nur noch schwer zu lesen sind.

Doch gelang es innerhalb des Pfarrsprengels Päwesin den ziemlich genauen Wortlaut des an die Nachwelt gerichteten Briefes zu entziffern. „Wie bereits vermutet, stammt die Flaschenpost von der Einweihung des Kriegerdenkmals“, berichtet Carola Klingberg vom Weseramer Förderverein für die Dorfkirche. Demnach hat Pfarrer Philipp Ullmann die Weiherede gehalten. Zu erfahren ist auch, dass der erste Spatenstich für das 15 000 Mark teure Denkmal am 17. April 1921 von dem Lohnarbeiter Köhler getan wurde. Er hob umsonst die Grube aus, wie auch die Maurer Liere, Neuendorf und Albrecht die Fundamentierungsarbeiten ohne Entgelt ausführten. Erbauer war Bildhauer Eduard Voigt aus Brandenburg.

Das Weseramer Kriegerdenkmal auf einer zeitgenössischen Ansichtskarte. Quelle: Sammlung Bürstenbinder

Bei der Gründung wurden fünf Särge aus „sehr alter Zeit stammend“ entdeckt. Die Gebeine wurden rechts vom Denkmal wieder vergraben. Das Schreiben schließt mit den Zeilen der eigens gegründeten Denkmalskommission: „Ihr, die Ihr diese Urkunde nicht findet, möget wieder in einem freien Deutschland wohnen, in welchem die alte deutsche Treue wieder gilt. Es grüßen Euch Eure Vorfahren.“

Das Kriegerdenkmal erinnert an 18 Männer aus Weseram, die nicht mehr aus dem Ersten Weltkrieg nach Hause kehrten. Darunter sogar Brüder wie Richard und Paul Tschätsch sowie Ernst und August Maier. Mit Spendenmitteln soll das in seine Einzelteile zerlegte Denkmal wieder errichtet werden. „Zuvor werden wir eine Kartusche mit aktuellen Zeitzeugnissen in den bereits sanierten Sockel versenken“, so Vereinsvorsitzende Klingberg.

Von Frank Bürstenbinder

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