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Brandenburg/Havel Privatschulen beklagen Wettbewerbsnachteil
Lokales Brandenburg/Havel Privatschulen beklagen Wettbewerbsnachteil
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12:43 07.12.2018
Schulleiterin Katja Gohlke betreut Kinder aus der zweiten Klasse der Domgrundschule in ihrer Hofpause. Quelle: JACQUELINE STEINER
Brandenburg/H

Deutschlandweit gibt es zu wenig Lehrer. Um im Wettbewerb besser dazustehen, zahlt das Land Brandenburg daher den Grundschullehrern ab dem 1. Januar 2019 ein höheres Gehalt nach der Tarifgruppe A 13, sofern sie zuvor A 12 bezogen. Das macht nach Angaben von Ralph Kotsch, Sprecher des Bildungsministeriums in Potsdam, eine Gehaltsverbesserung zwischen 415 und 500 Euro monatlich aus. Die Besoldung der Lehrer für die Sekundarstufe I wurde bereits 2017 angehoben. Zudem lockt das Land Brandenburg mit Verbeamtung. Für die freien Schulen bedeutet das einen verschärften Wettbewerb beziehungsweise einen handfesten Wettbewerbsnachteil. „Es wird auf jeden Fall schwieriger, neue Kollegen zu finden“, sagt Katja Gohlke, Leiterin der Evangelischen Grundschule Brandenburg.

Schon jetzt hat die Domgrundschule zwei offene Lehrerstellen. „Der Unterricht ist aber abgedeckt. Alle Klassenlehrerstellen sind besetzt und der Fachunterricht gesichert“, so Gohlke. 18 Lehrer arbeiten an der Schule. Ein erhöhtes Gehaltes kann der Schulträger, die Evangelische Schulstiftung Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, erst mit einjähriger Verspätung zahlen. „Das hoffen wir“, so Gohlke. Derzeit liege das Gehalt der Lehrer an der Domgrundschule um zwei Gehaltsstufen unter denen an einer staatlichen Grundschule. „Wir werben neue Lehrer mit der besonderen Atmosphäre an unserer Schule und den größeren Gestaltungsmöglichkeiten als an einer staatlichen Schule.“

Beamtenstatus lockt die Lehrer

Katja Gohlke fordert vom Land Brandenburg einer gleichberechtigte Unterstützung der freien Schulen. „Ich habe keine Idee, warum wir freien Schulen weiterhin dem Land Brandenburg ein Dorn im Auge sind.“ Ohne das Domgymnasium und die Evangelische Grundschule müsste die Stadt 800 weitere Schüler mit Plätzen versorgen. Wie es in einem der MAZ vorliegenden Mitarbeiter-Brief von Frank Olie, Vorstandsvorsitzendem der Evangelischen Schulstiftung, heißt, könne diese ihren Lehrern nur ebenfalls eine Gehaltserhöhung ermöglichen, wenn das Land bei den Zuschüssen die Anpassung der Gehälter berücksichtige. Nur dann wäre die Mehrbelastung zum größten Teil gegenfinanziert.

Auch Winfried Overbeck, Leiter des Domgymnasiums in Brandenburg, bestätigt die erschwerten Wettbewerbsbedingungen für freie Schulen bei der Gewinnung neuer Lehrer. Um die fehlende Möglichkeit der Verbeamtung auszugleichen, bietet der Schulträger den Lehrern laut Overbeck eine betriebliche Altersversorgung an. Zudem erhielten Kindergeldbezieher vom Schulträger monatlich 100 Euro zusätzlich pro eigenem Kind. „Es kommt immer wieder vor, dass Lehrer der Beamtenstatus und das höhere Gehalt locken, umgekehrt aber wechseln auch Lehrer zu uns, die sich bewusst aus dem Beamtenstatus verabschieden, weil die Freiheit dadurch auch beschnitten wird.“ Auch Winfried Overbeck fordert: „Freie Schulen müssen das gleiche Recht erhalten, vom Staat auskömmlich finanziert zu werden, weil sie ein wichtiges Element in der Bildungslandschaft sind.“ Am Domgymmasium mit 340 Schülern arbeiten über 40 Lehrer, einige wöchentlich jedoch nur mit wenigen Stunden.

Landeszuschüsse und Elternbeiträge

Tatsächlich aber bezuschusst das Land Brandenburg die freien Schulen mit jeweils nur 77 Prozent der Gesamtkosten einer staatlichen Schule. Den Rest können sich die privaten Schulen durch Spenden und Elternbeiträge einholen. Doch die Elternbeiträge sollen so sein, dass möglichst alle Einkommensgruppen ihre Kinder auf freie Schulen schicken können. Deswegen sind etwa bei den Evangelischen Schulen in Brandenburg die Elternbeiträge nach Einkommensgruppen gestaffelt. „Der Schwerpunkt unserer Ausgaben sind natürlich die Personalkosten. Wir legen insgesamt nur 17 Prozent unserer Kosten auf die Elternbeiträge um“, so Christina Reiche, Sprecherin der Evangelischen Schulstiftung, die in den Ländern Berlin und Brandenburg 32 Schulen betreibt. Würde die Schulstiftung wie das Land Brandenburg ebenfalls schon zum 1. Januar das höhere Gehalt zahlen, „würden wir sofort mit mehreren Millionen Euro im Minus sein, da wir den Ausgleich vom Land erst mit einem Jahr Verspätung bekämen“, sagt Stiftungssprecherin Reiche.

Auch Barbara Dietrich, Leiterin der freien Wir-Grundschule, erlebt den Arbeitsmarkt für Pädagogen als zunehmend angespannt. „Theoretisch kann das ein Nachteil für uns sein, doch unsere Lehrerstellen sind alle besetzt. Wir können nicht mit Verbeamtung locken, dafür aber mit kleinen Klassen von je 18 Kindern.“ An der Wir-Grundschule gibt es 7,5 Lehrerstellen für 103 Jungen und Mädchen. Katrin Maybaum, stellvertretende Geschäftsführerin des Wir-Vereins, verweist darauf, dass der Schulträger seine Lehrer in Anlehnung an den öffentlichen Tarif bezahle. „Aber die Schülerkostensätze, die wir vom Land erhalten, werden verspätet der Tariferhöhung angeglichen. Das ist schon ein Nachteil für die freien Schulen.“

Ministeriumssprecher Kotsch kündigte die Erhöhung der Zuschüsse zum neuen Schuljahr an. Das bedeutet für die freien Schulen eine achtmonatige Verspätung.

Von Marion von Imhoff

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