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Wie Brandenburger die Terrornacht erlebten

Terror in Paris Wie Brandenburger die Terrornacht erlebten

Der Brandenburger Architekt Moritz Krekeler und seine Frau Luise sind zwei der 80.000 Besucher, die am Freitagabend das Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland in Paris erleben wollen. Doch statt eines ausgelassenen Abends erleben sie eine Horrornacht. In der MAZ erinnern sie sich an Freitag, den 13.

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Während in Paris der Terror wütet, geht im Stadion Stade des France das Spiel noch weiter.

Quelle: Moritz Krekeler

Brandenburg/Paris. Der Brandenburger Architekt Moritz Krekeler und seine Frau Luise sind zwei der 80 000 Besucher, die am Freitagabend das Länderspiel zwischen Deutschland und Frankreich im Pariser Stade de France erleben wollen. Kaum eine Viertelstunde ist gespielt, als gegen 21.20 Uhr die erste Explosionen der Selbstmordattentäter im Stadionrund zu hören ist. Wenig später folgt die zweite, kurz darauf die dritte Detonation. „Gerade der dritte Knall war wahnsinnig laut und hallte sekundenlang durch das Stadion“, erinnert sich Moritz Krekeler im Gespräch mit der MAZ. Krekeler: „Dass das kein Böller war, war mir schon klar. Doch was wirklich dahinter steckt, haben wir nicht im Traum geahnt.“ Während in Paris das Morden beginnt, läuft das Spiel weiter.

Während die Familie am Fernseher in Brandenburg die ersten Informationen darüber bekommt, dass sich in Paris schreckliches tut, sind Moritz und Luise Krekeler ahnungslos. „Das Internet war zusammen gebrochen. Es gab keinen Kontakt nach außen.“ Kurz nach der Halbzeit laufen die ersten besorgten SMS dann auf dem Handy ein. Von Bomben uns Schießereien ist dort zu lesen. „Wo“, fragt der Brandenburger zurück. „Bei euch, am Stadion. Ganz in der Nähe!

Der Brandenburger Architekt Moritz Krekeler

Der Brandenburger Architekt Moritz Krekeler.

Quelle: privat

„Da war keine Panik im Stadion. Aber ein Zittern in der Luft. Die Leute wurden immer unruhiger.“ Und mit ihnen das Brandenburger Paar, das momentan in Paris lebt, wo Luise derzeit bei der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der UNESCO arbeitet während Moritz seinen Urlaub bei seiner Familie verbringt. Angst macht sich nun doch breit, denn die gemeinsame Tochter ist zusammen mit einem Babysitter allein in der Wohnung. In der 80. Minute des Spiels hält sie nichts mehr auf den Sitzen und sie verlassen das Stadion.

Das ist offenbar genau der Moment, als die Sicherheitskräfte wenige Minuten vor dem Abpfiff die Tore wieder öffnen und die ersten Zuschauer geordnet durch ein Spalier Richtung zur Metro geleiten. „Überall Blaulicht, Polizei, Sirenen. Manche Leute wurden echt panisch und auch wir hatten Angst, in die fast leere U-Bahn zu steigen.“ Kein Taxi fährt, eine leere Metro nach einen Fußballspiel mitten in Paris. Wie unwirklich! Derweil funktioniert das Mobilnetz wieder.

Per Telefon mit Nachrichten versorgt

Leonie Krekeler, die Schwester von Moritz, versorgt ihren Bruder von Leipzig aus am Telefon mit den neuesten Nachrichten. Wo die Anschläge erfolgt sind, wo noch geschossen wird. Auch darüber, dass nur fünf Fußminuten von ihrer Wohnung im jüdischen Viertel ein Café angegriffen wurde. „Es ist so unglaublich, so angsteinflößend“, sagt Leonie Krekeler am Sonntag. Erst vor einer Woche ist die Lehrerin mit 40 Schülern aus Paris zurück gekehrt: „Das ist alles noch so nah, so unwirklich. Das man plötzlich irgendwie zum Teil eines solchen Terroranschlages wird.“

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Entsetzen und Mitgefühl: In Brandenburg sind die Menschen – wie überall in Europa, ja in der ganzen Welt – betroffen. Sie machen sich mitunter Gedanken um die Zukunft oder sehen die Attentate als Angriff auf die Werte der Freiheit. Wir haben einige Stimmen aus Brandenburg zusammengetragen.

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Irgendwann erreichen Moritz und Luise Krekeler ihre Wohnung. Das Kind, der Babysitter – alles sind wohlauf. „Wir sind in Sicherheit“ ändert Moritz seinen Status auf Facebook und sorgt so bei den Daheimgebliebenen für etwas Beruhigung. Doch die Anspannung bleibt. Der junge Familie selbst, Schwester Leonie und Vater Achim Krekeler ist die Anspannung, die Angst noch immer anzumerken.

Respekt vor den Opfern

„Natürlich war die Nacht in Paris dramatisch“, sagt Luise Krekeler. Doch „uns ist ja nichts passiert.“ Ihr Freitagabend lasse sich nicht vergleichen mit dem Unglück der Opfer, das der Terror über Paris gebracht habe: „Das ist schon mit Respekt vor den Opfern kein Grund, dass wir da irgendwo im Mittelpunkt stehen.“

Die Orte der Terrorangriffe von Paris

Die Terroristen von Paris haben am Freitagabend nahezu zeitgleich an unterschiedlichen Orten in der französischen Hauptstadt zugeschlagen. Der für Terrorismus zuständige Staatsanwalt François Molins sprach am Samstag von sechs Anschlagsorten. Das Stade de France liegt nördlich von Paris im Vorort Saint-Denis, die anderen Attacken ereigneten sich im Osten von Paris.

STADE DE FRANCE - Am Fußballstadion gab es mehrere Tote. Ermittler berichten von vier Toten, darunter drei Terroristen.

MUSIKCLUB «BATACLAN» - Der beliebte Veranstaltungsort mit rund 1500 Plätzen war für ein Rockkonzert ausverkauft. Vermutlich vier Terroristen stürmten den Konzertsaal und eröffneten das Feuer. Mindestens 82 Menschen starben. Einer der Angreifer wurde erschossen, die drei anderen sprengten sich in die Luft.

RUE DE CHARONNE - In der Straße im 11. Arrondissement im Osten der Stadt wurden nahe der Bar La Belle Équipe 18 Menschen getötet.

BOULEVARD VOLTAIRE - Auf der Straße zwischen Platz der Republik und Platz der Nation im Osten der Stadt wurde ein Mensch getötet.

RUE DE LA FONTAINE AU ROI - Am Anfang der Straße starben zwischen dem Café Bonne Bière und dem Restaurant Bar Cosa in der Nähe des beliebten Kanal Saint-Martin vermutlich fünf Menschen.

RUE ALIBERT - Vor dem vor allem bei jungen Menschen beliebten Lokal Le Petit Cambodge wurden 14 Opfer gezählt, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Gegenüber liegt das Café Carillon, ebenfalls eine stark frequentierte Bar.

Wie es weitergeht? „Wir sind gerade nicht so motiviert, hier zu bleiben. Ich denke, dass die Stadt gerade nicht so lebens- und liebenswert ist, wie wir sie vorher kennengelernt haben“, sagt der junge Vater. Die kleine Wohnung im jüdischen Viertel erscheint ihm im Augenblick nicht als der sicherste Ort der Welt für seine Frau und das Kleinkind. „Die Angst und ein mulmiges Gefühl“ sind seit Freitag ein Begleiter, den die Mörder mit nach Paris eingeschleppt haben.

Von Benno Rougk

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