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Wie Fritz Raschig zu einem bedeutenden Chemiker wurde

Brandenburg an der Havel Wie Fritz Raschig zu einem bedeutenden Chemiker wurde

Schon als Schüler des Saldern-Gymnasiums hat Fritz Raschig aus Brandenburg an der Havel viel experimentiert. Zum Glück förderte ihn seine Familie. Der junge Mann zog in die Welt hinaus und gehörte bald zu den bedeutenden deutschen Chemikern. Sein Betrieb besteht heute noch.

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Der Chemiker Friedrich August „Fritz“ Raschig (1863-1928) ist in diesem Haus in Brandenburg an der Havel geboren worden.

Quelle: Heiko Hesse

Brandenburg/H. Friedrich August „Fritz“ Raschig aus Brandenburg an der Havel machte als Naturwissenschaftler, Erfinder und Unternehmer in Ludwigshafen Karriere und begründete die bis heute in Ludwigshafen-Mundenheim bestehende „Chemische Fabrik Raschig GmbH“. Mehr noch. Er erlangte mit seinen Erfindungen weltweite Bekanntheit, wurde auch als Politiker tätig und machte sich zudem als Wohltäter einen Namen, indem er die Ludwigshafener Gartenstadt mit sozialem Wohnraum auf den Weg brachte.

Damit erreichte Raschig über seinen Tod vor 90 Jahren hinaus eine beträchtliche Nachwirkung. Sie reicht von dem Fortbestand seines Betriebes über verschiedene Schriften, die sich mit seinem Wirken befassen, bis zu einer Straße in Ludwigshafen- Mundenheim, die seinen Namen trägt.

Der Chemiker Fritz (Friedrich August) Raschig (1863-1928)

Der Chemiker Fritz (Friedrich August) Raschig (1863-1928).

Quelle: privat

Der Industriepionier wurde am 8. Juni 1863 in Brandenburg geboren. Sein Elternhaus steht in der Neustädtischen Heidestraße. Er war das älteste von 13 Kindern. Sein Vater, der aus einer Tuchmacherfamilie in Jessen an der Elster bei Wittenberg stammte und nach seiner Heirat in Brandenburg ansässig geworden war, unterhielt seit 1862 eine kleine Leistenfabrik in der Brandenburger Neustadt, die ihm das Auskommen für seine Familie sicherte.

Ursprünglich sollte Sohn Fritz der Nachfolger werden, der sich allerdings mehr für die Naturwissenschaften interessierte und weiterführende Berufsvorstellungen entwickelte. Während seiner Zeit auf dem Saldernschen Realgymnasium in Brandenburg festigten sich die diese Pläne.

Der Vater war tolerant, finanzierte für seinen Sohn sogar ein kleines Labor, wo Fritz nach Herzenslust experimentierte. Auch gestattete er ihm nach dem Abitur 1881 erst in Berlin, dann in Heidelberg ein Studium der Naturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Chemie. Dabei kam Fritz Raschig in die Obhut des berühmten Chemikers Robert Wilhelm Bunsen, der als Mitbegründer der Spektralanalyse und Konstrukteur des „Bunsenbrenners“ Weltruhm erlangte.

Wissenschaftliche Leistungen

Einen Namen in der Fachwelt hat sich Fritz Raschig vor allem aufgrund dieser wissenschaftlichen Leistungen gemacht.

Dazu zählen die Entwicklung und Anwendung von Füllkörpern für lose Schüttungen (Raschig-Ringe), die Entdeckung der Verwendungsmöglichkeiten des Kresols, die Entwicklung des para-Chlor-meta-Kresols zu Desinfektionsmitteln und die kontinuierliche Teer-Destillation.

Darüber hinaus geht das sogenannte Kiton-Verfahren beim Straßenbau (Teer + Ton + Wasser-Suspension) auf ihn zurück., ebenso die Herstellung von Kunstharzen aus Phenol und Formaldehyd (zum Beispiel für Billardbälle).

Raschig wurde promoviert, erhielt in Berlin eine Berufung als wissenschaftlicher Assistent und veröffentlichte im Ergebnis seiner Forschungen 1887 die Schrift „Über das Verhalten der salpetrigen zur schwefeligen Säure“. Das begründete seine deutschlandweite Bekanntheit in der Fachwelt und trug ihm sofort eine Anstellung bei der „Badische Anilin- & Soda-Fabrik“ (BASF), die seit 1865 in Ludwigshafen bestand.

Raschig gehörte als erfinderischer Chemiker zu den frühen Schrittmachern des aufstrebenden Unternehmens. Er glänzte als Erfinder, wurde zum Betriebsleiter ernannt und trug sich dann mit dem Gedanken an eine eigene Chemiefirma. Schon 1891 war es soweit. Raschig erwarb im Stadtteil Munden- heim entsprechende Grundstücke, gründete seine eigene chemische Fabrik und legte nun so richtig los.

Die Fritz-Raschig-Werke Ludwigshafen in einer zeitgenössischen Darstellung

Die Fritz-Raschig-Werke Ludwigshafen in einer zeitgenössischen Darstellung.

Quelle: privat

Die Firma entwickelte sich binnen kurzem mit Raschigs Erfindungen und Neueinführungen „zu einem führenden Unternehmen der Bearbeitung und Veredlung von Teerdestilationsprodukten in Deutschland“. Zu den Höhepunkten des Aufsteigers gehörte die Reindarstellung von Phenol vermittels der damals revolutionären „Raschig-Ringe“. Das waren besondere Füllkörper, die patentiert wurden und seinen Namen weltweit bekannt machten. Die großtechnische Umsetzung dieses Raschig-Verfahrens machte den Unternehmer zudem reich.

Raschig zählte bald zu den unternehmerischen Hauptrepräsentanten Ludwigshafens, wurde in den Stadtrat gewählt, schließlich in die Deutsche Nationalversammlung und war ab 1924 Reichstagsabgeordneter. Dazu kamen die Berufung in den Vorstand der „Deutschen Chemiker“, Ehrendoktorwürden der Technischen Hochschule Darmstadt sowie der Universität Heidelberg.

Erschließung einer Kohlensäurequelle

Seine Suche nach Erdölfundstätten in Südwestdeutschland hatten eine ungeahnte Konsequenz. Entsprechende Bohrungen bei Krozingen in Südbaden führten zur Erschließung einer Kohlensäurequelle, die dann zur Gründung des dortigen Kurbetriebes führte.

Weil für die wachsende Arbeiterschaft in Ludwigshafen Wohnungen knapp waren, unterstützte Fritz Raschig überaus tatkräftig und weitsichtig das Projekt einer Gartenstadt. Dafür schenkte er der Stadt Ludwigshafen aus seinem Eigentum ein Grundstück mit 200 000 Quadratmetern. Mehr noch. Er drängte auf den Zusammenschluss der beteiligten Baugenossenschaften und deren effektive und moderne Ausrichtung.

Raschig hatte sein Feld bestellt

Angesichts seiner wissenschaftlichen Leistungen war es nur folgerichtig, dass Raschig auch in die „Leopoldina“ aufgenommen wurde, der maßgeblichen deutschen Naturforschergesellschaft. Dazu gesellte sich noch 1927 die Auszeichnung mit der „Liebig-Denkmünze“. Raschig hatte sein Feld bestellt.

Als er am 4. Februar 1928 in Duisburg starb, waren seine Söhne auf die Nachfolge in der Ludwigshafener Betriebsführung vorbereitet. Seit 1996 sind die „Raschig- Werke“ eine Tochtergesellschaft eines US-amerikanischen Konzerns.

Von Martin Stolzenau

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