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Brandenburg/Havel Wie Gewalt gegen Fremde entsteht
Lokales Brandenburg/Havel Wie Gewalt gegen Fremde entsteht
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00:18 14.06.2017
Nachdenkliche Minen bei der Diskussion: Wolfgang Richter, Martin Behnke und Axel Pape (v.l.) diskutieren über Gewalt gegen Fremde. Quelle: Volkmar Maloszyk
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Brandenburg/H

„Morgen um diese Zeit ist Rostock ausländerfrei“. Es sind Sätze wie diese, die dem Zuschauer die Stimmung in Rostock unmittelbar vor den Pogromen in Rostock im Sommer 1992 unter die Haut kriechen lassen. Er stammt aus dem Spielfilm „Wir sind jung. Wir sind stark.“ von 2015, der eben jene verhängnisvollen vier Tage thematisiert.

Am Freitagabend wurde er im Audimax der Technischen Hochschule (THB) gezeigt. Eingeladen hatten der Kulturverein Brandenburg und die THB. Im Anschluss gab es eine Podiumsdiskussion, moderiert von MAZ-Regionalchef Benno Rougk. Seine Gesprächspartner waren der Schauspieler Axel Pape, der Zeitzeuge Wolfgang Richter sowie der Drehbuchautor Martin Behnke.

„Das Gefühl der Überfremdung“

2010 begannen die Arbeiten an dem Film. Zum Zeitpunkt seines Erscheinens wurde er so aktuell, wie es seine Macher nie geahnt hatten. „Wir wurden von den Ereignissen eingeholt“, sagt Martin Behnke. „Die Flüchtlingswelle des Sommers 2015, die gewaltsamen Übergriffe auf die Flüchtlingsheime.“ Somit wurde die Frage, ob Ereignisse, wie sie damals passierten und so eindrücklich im Film dargestellt sind, wieder möglich seien, am Freitagabend gar nicht gestellt. Vielmehr sprach man über das Verhalten der Politiker, über die Stimmung in der Bevölkerung. Eine Stimme aus dem Publikum, war die des Brandenburger Generalstaatsanwaltes Erardo Rautenberg. „Das Gefühl, Angst vor der Überfremdung zu haben, ist alt und tief verwurzelt in der Gesellschaft“, sagt Rautenberg. „Die Politiker haben damals dieses Gefühl nicht als Problem erkannt.“

Frust auf allen Seiten

Auch Richter wirft den Politikern vor, große Fehler begangen zu haben. Er war als Ausländerbeauftragter Rostocks bei den vietnamesischen Bewohnern im Haus, als der Mob der Wiese davor, zusehen wollte, wie die Menschen brennen. „Die kommunalen Politiker fühlten sich nicht verantwortlich für die Flüchtlinge die neben den Vietnamesen auch in dem Haus waren“, schildert er. „Die Flüchtlinge mussten tagelang vor dem Haus campieren, bis sie einen Antrag stellen konnten.“ Das sorgte auf allen Seiten für Frust. Dieses absurde Hin- und Hergeschiebe der Verantwortung zwischen Kommune und Land sei für alle unzumutbar gewesen, Flüchtlinge und Bevölkerung, so Richter.

Die Mechanismen sind immer gleich

Schauspieler Axel Pape ergänzt, dass nicht nur die Politik Schuld an den Entwicklungen hatte. „Es war schockierend, was dort passierte. Unerwartet kam es nicht“, erzählt er. „Die Mechanismen waren sehr einfach damals. Die Jugendlichen fühlten sich allein gelassen, lungerten rum. Und wenn dann da einer von der NPD mit einem Kasten Bier um die Ecke kam, war der eben schnell ein Freund.“ Es habe diesen Schwelbrand am rechten Rand gegeben, der geduldet wurde. Und dieses Dulden sei ein großes Problem“, so Pape weiter. „Das erklärt auch, warum wir in manchen Landesparlamenten heute bis zu 20 Prozent AfD sitzen haben.“

Demgegenüber stellt Erardo Rautenberg eine positive Sicht auf die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse. „Anders als damals haben wir heute eine besser funktionierende, aktive Zivilgesellschaft.“

Von Annika Jensen

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